Die OCFCU deren Büro, Lagerhäuser und Weiterverarbeitungsanlagen ich im Anschluss an die Africa  Fairtrade Convention in Addis Abeba, Äthiopien, besucht habe, ist ein Zusammenschluss von Kaffeekooperativen. 34 Kaffeekooperativen beschlossen 1999 eine Vereinigung zu gründen, um ihre Kräfte zu bündeln. Die Vereinigung ist seither stetig gewachsen und umfasst mittlerweile 217 mit ca. 203000 Kleinbauern. Die Kleinbauern produzieren hochwertigen Kaffee, der von der Vereinigung in die ganze Welt exportiert wird und gute Preise erzielt (Bilder von Pokalen und Produktpackungen).

Einige der Kooperativen sind Fairtrade-zertifiziert. Gemeinsam mit 2 belgischen Kollegen und Ayele, dem Zertifizierungsmanager der Vereinigung, fahre ich in den Süden um 4 dieser Kooperativen zu besuchen.

Während im Rest des Landes die Regenzeit schon zu Ende ist, regnet es dort noch regelmäßig. Als wir in der Kooperative Guangua, einer der Gründungskooperativen ankommen, sind Arbeiter (selbst Kleinbauer, die von der Kooperative bezahlt werden) gerade dabei, die zum Trocknen auf Emporen ausgebreiteten grünen Kaffeebohnen, zuzudecken, um sie vor dem nächsten Regenguss zu schützen (Foto vom Abdecken). Danach springen alle unter das Dach, das die Maschine beherbergt, die im ersten Verarbeitungsschritt die Kaffeebohnen von der sie umhüllenden Kirsche befreit (Bild unter Dach).

Guangua ist noch nicht Fairtrade-zertifiziert, strebt aber aufgrund der guten Erfahrungen ihrer zertifizierten Nachbarkooperative eine Zertifizierung im März 2013 an. Gefragt, was sie sich von Fairtrade versprechen, nennen die meisten Farmer soziale Projekte wie Schulen und Gesundheitszentren, die sie mit der Prämie verwirklichen wollen.

Der Lebensstandard der meisten Äthiopier ist sehr gering. Nur 44% der Äthiopier haben Zugang zu sauberem Wasser, von 1000 Kindern sterben 135 bevor sie 5 Jahre alt werden, nur ca. 30% können Lesen und Schreiben.

Die äthiopische Regierung unterstützt Kooperativen und hat einige Maßnahmen eingeführt, die von großem Wert für die Kaffeebauern sind. Beispielsweise wurden in jedem größeren Ort in den Kaffeeanbauregionen, Tafeln aufgestellt, die den aktuellen Auktionspreis für Kaffee veröffentlichen. Mit dieser Information wissen Kaffeebauern, welche Preise sie von ihren Abnehmern verlangen können.

Auch die Kaffeebauern der OCFCU verkaufen zunächst zu diesem Preis an ihre Kooperativen. Eine 2. Auszahlung und die Fairtrade-Prämie erhalten sie, wenn der Kaffee weiterverkauft wurde. 70% der Gewinne gehen direkt an die Kooperativen, 30% behält die Vereinigung für Unterhalt und Erweiterung der Lagerhäuser, Weiterverarbeitungsanlagen und des Büros, sowie für Serviceleistungen für ihre Mitglieder. Die Vereinigung unterstützt in verschiedener Hinsicht: angeboten werden z.B. Trainings zur Verbesserung der Anbaumethoden und Erhöhung der Produktivität und Kurse zur Einkommensdiversifizierung durch Bienenzucht sowie die Anschaffung von Bienenstöcken.

 

Das Finanzierungssystem der Vereinigung setzt sich auf Kooperativenebene fort. Von der 2. Zahlung, der Gewinnbeteiligung, schüttet die Kooperative 70% an ihre Mitglieder aus, der Rest wird in Management und Ausstattung der Kooperative investiert.

Dieses System ermöglicht es, dass fast alle Kooperativen einen professionellen Kooperativenmanager beschäftigen können. Der Kooperativenmanager ist für den reibungslosen Ablauf in der Kooperative zuständig. Er organisiert Ankauf, Erstverarbeitung und Weitertransport des Kaffees. Dazu gehört beispielsweise die genaue Registrierung der Kaffeemengen, auf deren Grundlage die 2. Zahlung erfolgt (Bild mit Abrissquittungen).

Die Kooperativen der OCFCU bieten sowohl gewaschenen als auch sonnengetrockneten Kaffee an. Das Waschen der Kaffeebohnen ist ein aufwändigerer Prozess als das Sonnentrocknen. Im ersten Schritt werden die Kaffeebohnen von der sie umhüllenden Kirsche befreit. Sie werden gewaschen, fermentiert und wieder gewaschen. Dann sie auf dem Gelände in der Kooperative getrocknet, in Säcke verpackt und nach Addis zur Weiterverarbeitung gebracht (Bild Waschung, Trocknung Frau).

Bei der sonnengetrockneten Methode werden die Bohnen mit der Kirsche getrocknet und erst dann von ihrer Hülle befreit, wenn der Transport nach Addis bevorsteht (Bild Sonnentrockungsmaschine und Saecke in Addis).

Gewaschener Kaffee erzielt in der Regel höhere Preise. Über eigene Waschungsanlagen zu verfügen, bedeutet einen Aufstieg in der Wertschöpfungskette für die Kooperativen. Das ist wichtig, da in der Veredelung größere Margen liegen als in der Produktion. Fairtrade unterstützt Kaffeekooperativen dabei und hat 2010 festgelegt, dass 25% der Prämie in die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Kooperativen fließen sollen.