Die Hochländer Honduras bieten optimale klimatische Anbaubedingungen für qualitativ hochwertigen Kaffee. So mache ich mich in meiner letzten Praktikumswoche bei dem Produzentennetzwerk Südamerika (CLAC – Coordinadora Latinoamericana y del Caribe de Pequeños Productores de Comercio Justo) auf den Weg in diese vielversprechende Region. Das Ziel meines Trips ist die Stadt Marcala, denn dort besuche ich die Organisation COMSA (Café Orgánico Marcala).

Fairer Handel, Kaffeekirschen, Kaffeernte

Während meines gesamten Trips begleitet mich Iris Reyes, die Landeskoordinatorin der CLAC für Honduras. Sie arbeitet für das Netzwerk für den Fairen Handel in Honduras namens Asociación Coordinadora Hondureña de Pequeños Productores (CHPP). Wir beide reisen in dem landestypischen Fortbewegungsmitteln – den „Chickenbusses“ – durch die faszinierende Landschaft und das Hochgebirge Honduras. Weniger faszinierend sind die Straßenverhältnisse, der Busfahrer kommt auf den steinigen Straßen nur mühsam voran. Dadurch haben Iris und ich wenigstens Zeit für ausführliche Gespräche und ich werde mir bewusst, wie wertvoll meine Begleitung ist. Sie hat nicht nur ein unglaubliches Wissen über den Fairen Handel, sondern ist eine echte Powerfrau.

Bio-Kaffeekult

Bio, Kaffee, Marcala, Comsa, Fairtrade, Honduras

Iris Reyes und Kaffeeproduzent Enrique Mario Perez

COMSA – die Wunderwelt des Bio-Kaffees: Insgesamt zwei volle Tage verbringe ich an der Seite von Rudolfo Peñalba, dem Manager und Sonia Vasquez, der Leitenden Technischen Assistentin vor Ort. Exzellenter Kaffee, nachhaltige Bio-Anbauweisen und vielfältige Bildungs- und Förderungsprojekte lassen mich staunen. COMSA verzeichnet langjährige Erfahrung im biologischen Kaffeeanbau und gehört damit zu den Pionieren in Honduras. Dieses Wissen teilt COMSA nicht nur mit ihren eigenen Mitgliedern, sondern bietet auch externe Weiterbildungen im regionalen, landesweiten und internationalen Raum an. Das Engagement der Organisation ist außergewöhnlich. Mit etwa 700 Mitgliedern zählt COMSA zu einer der größten Organisation in Honduras und unterstützt damit ein großes Netzwerk an Kaffeebauerfamilien in weitem Umfeld.

Sicherheit in schlechten Zeiten

2015_02_17_COMSA_1 018Für mich tragisch zu sehen ist, dass auch hierzulande die Auswirkungen der Kaffeekrankheit namens „La Roya“ stark in das Leben der Kaffeebauern eingreifen. Der sogenannte Kaffeerost befällt die Kaffeebäume und zerstört diese im schlimmsten Fall komplett. „Lange wurden wir verschont, doch letztes Jahr hat uns La Roya stark getroffen. 60% unserer Ernte mussten wir einbüßen. Das war für uns alle ein Schock“, berichtet Rodolfo Peñalba. Viele Bauern konnten somit nicht mehr alleinig vom Kaffeeverkauf leben. Hier greift das Sicherheitsnetz von COMSA. Seit Jahren wird auf Diversifizierung z.B. im Gemüse- und Obstanbau auf der eigenen Finka gesetzt. In wirtschaftlich schlechten Zeiten haben die Familien so die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen. Darüber hinaus können sie ihre Produkte auf den lokalen Märkten verkaufen. Wie die Kaffeebauern sich bestmöglich in Produktvielfalt, Anbauweisen und Landbeschaffung aufstellen, erlernen sie bei Workshops und Förderungsprogrammen von COMSA.

Ändere den CHIP!

Joselinda, Cascabeles, Comsa, Fairer Handel, Fairtrade, Bio, Kaffee

Kaffeeproduzentin Joselinda mit Ihrem eigenen Kaffee

Orangen, Mandarinen, Mangos, Spargel, Kürbisse, Brokkoli, Ziegen, Kühe und vieles mehr findet man normalerweise nicht auf eine Kaffee-Finka – zumindest hatte ich das nicht erwartet. Die Finka Los Cascabeles ist ein Vorzeigebeispiel für Diversifizierung. Familienvater Enrique Mario Peréz (62) erklärt mir: „Wir müssen den CHIP in unserem Kopf austauschen. Gewohnheiten zu verändern bedeutet einen großen Einsatz und viel Disziplin, aber das ist eine wichtige Investition für unsere Zukunft. Denn Bildung ändert Menschen.“
Der Sohn der Familie, Mario Rudolfo Peréz Manueles (19), hat bei COMSA an einem Führungs-Programm teilgenommen, bei dem die Einbindung und Stärkung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gefördert wird. Mario ist mittlerweile für alle Arbeiten neben dem Kaffeeanbau selbständig verantwortlich – und darauf ist er natürlich auch stolz. So leistet er seinen eignen Beitrag zum Familieneinkommen.
Und ganz nebenbei: die Kaffeeproduktion ist hier auf der Finka Los Cascabeles Frauensache. Mutter Joselinda Manueles (42) hat sogar ihre eigene Kaffeemarke – wow!

Investition in die Welt von morgen

Comsa, Projekte, Frühkind-Erziehung, Fairtrade

COMSA ist nicht nur im Agrarbereich fortschrittlich. So recht komme ich aus dem Staunen nicht mehr raus. Von Projekten der Frühkind-Erziehung, über Schwimm-, Französisch-, Taekwondo-Kurs, Workshops zu Gesundheits-themen hinzu Führungskräfteprogrammen und Computerkursen. COMSA verzeichnet eine unglaubliche Anzahl und Variation an Förderungsprogrammen. Besonders am Herzen liegt auch der Leitung von COMSA die Förderung von Kinder und Jugendlichen. „Es ist wichtig, dass wir jetzt damit anfangen. Mit Bildung haben wir die Möglichkeit unsere Kinder zu verwandeln. Eine Verwandlung in bessere Menschen mit Bildung, Wissen, Wertevorstellungen und Solidarität“, betont Rodolfo Peñalba.

Muchas gracias!

Was für eine wahnsinnig spannende und lehrreiche Zeit in Zentralamerika. Ich bin begeistert von den Menschen, die mich dort so offen empfangen haben und ihre Geschichten sowie Wissen mit mir geteilt haben. Mit vielen neuen Erfahrungen, Eindrücken und Erinnerungen reise ich zurück nach Deutschland.

2015_02_17_COMSA_3 008 2015_02_17_COMSA_2 230 2015_02_18_COMSA_1 207

 

 

 

 

 


Fairtrade-Code: Mehr erfahren

Wer Fairtrade-Kaffee kauft, unterstützt damit die Produzenten und die sozialen Projekte bei COMSA. Für alle, die mehr über die Menschen hinter den Fairtrade-Produkten erfahren möchte, bietet die Webseite des Fairtrade-Codes einen einzigartigen Service an. Der Fairtrade-Code ist ein Online-Mechanismus: über einen abgedruckten Code auf der Verpackung werden Produzenten und Konsumenten direkt miteinander verbunden. Einfach mal ausprobieren und sich auf eine virtuelle Reise in der Fairtrade-Welt begeben. Hier finden sich auch Hintergrundinformationen zu COMSA.