Fein säuberlich aufgereiht stehen Pick-ups und kleinere LKWs auf der Zufahrt vor dem kleinen Büro, auf dem unauffällig „QC“ steht. Sie sind alle voll beladen mit Jutesäcken. Nachdem sie den Reis geerntet und in der Sonne getrocknet haben, liefern die ersten Mitglieder von OJRPG ihren Paddyreis bei der Kooperative ab. Wir sind mit dabei und erleben, dass Reis nicht gleich Reis ist, was es alles zu beachten gibt und dass die Kleinbauern hier ihr Handwerk nicht nur gut sondern hervorragend verstehen.

„Die Spreu vom Weizen trennen“

QC steht für Qualitätscheck. Die Säcke werden angestochen und eine Probe des Reis‘ entnommen. Dann geht’s damit in das kleine Labor. Die Feuchtigkeit wird gemessen (sollte nicht höher als 14-15% liegen), dann wird die Reisprobe durch eine kleine Mühle geschickt. Das heißt aber nicht, dass es danach Reismehl gäbe. „Milled Rice“ ist vielmehr Reis ohne Spelze – zu Deutsch: hier wird die Spreu vom Weizen getrennt. Je nach Qualität gehen bei diesem Prozess aber auch Reiskörner zu Bruch. Bruchreis ist zwar nach wie vor nutzbar, aber eben von minderwertiger Qualität und je mehr Bruch, desto schlechter der Preis. Im thailändischen Durchschnitt bleiben nach dem Entspelzen und Abzug von Bruchreis von 100 Gramm Paddyreis 35-40 Prozent übrig. Hier bei OJRPG sind es zwischen 50-60 Prozent.

Die Bauern bekommen eine Quittung und bringen den Reis zum Lager. Alle arbeiten hier mit Mundschutz, ich hab das Gefühl, der Reis-Staub ist mir jetzt – gut 10 Stunden später – immer noch in Augen und Nase. Wenn genug Fairtrade-Reis abgeliefert wurde, geht‘s zur Mühle. Es ist eine reine Bio-Mühle. Die Verarbeitung läuft streng getrennt ab. Einmal zur konventionellen Verarbeitung (andere Mühle) aber auch zwischen Fairtrade und nicht-Fairtrade. Fairtrade-Bioreis hat einen eigenen Bereich in der Halle, in dem die verarbeiteten Reissäcke bis zum Export unter CO2-Abdeckungen lagern. Chemischer Schutz gegen Getier ist verboten – klar, ist ja bio – deswegen behilft man sich mit CO2.

„aroy“ heißt lecker

Das Filmteam macht sich dann auf zu konventionellen Feldern. Ich verbringe den Nachmittag mit dem Vorstand von OJRPG – Khun Paisan. Er erzählt unserem Fotografen und mir viel über sich und OJRPG: Paweena, die Fairtrade-Beraterin kommt mit dem Übersetzen kaum hinterher. Was ein Glück, dass sie dabei ist! Sie ist unsere Brücke. Mit Englisch kommt man hier überhaupt nicht weiter. Selbst im Hotel, das doch den ein oder anderen Europäischen/Amerikanischen Gast empfängt, ist man mit Englisch überfordert. Die Bauern sprechen eher noch eine weitere lokale Sprache, aber kein Englisch. Das ist leider ein kleiner Haken an der ganzen Geschichte, denn einiges geht so natürlich verloren. Mein Thai geht nicht über ein freundliches Lächeln, Danke und Hallo hinaus. Ach ja, ich habe ja von „Aroy“ berichtet. Hoppla, da hab ich wohl was missinterpretiert… Gestern dachte ich noch, das sei der Name für leckere Reisküchlein. So kann man sich irren – Kommunikation mit Händen und Mimik ist doch nicht ganz ohne. In diesem Fall ist’s aber zum Glück nicht weiter wild: Heute hab ich von Paweena nämlich erfahren, dass „aroy“ schlicht und einfach „lecker“ heißt. Ich find’s prima: so kann ich das Wort viel häufiger benutzen, auch wenn’s mal nicht Reisküchlein sind.