Dieses Jahr feiert Fairtrade Africa sein 10-jähriges Bestehen. Das Netzwerk vertritt die Produzenten in Afrika und unterstützt sie bei allen Belangen rund um die Fairtrade-Standards und gibt ihnen eine gewichtige Stimme im internationalen Fairtrade-System. Fairtrade Africa teilt sich in die drei Netzwerke Ostafrika, Südafrika und Westafrika auf. Letzteres hat seinen Sitz in der Hauptstadt Ghanas, Accra. Hier bin ich für einen Monat vor Ort, um für das „Fairtrade Africa Network – West Africa“, wie es offiziell heißt, in der Kommunikation zu arbeiten.

TransFair kommt damit einer Anfrage von Fairtrade Africa nach. Eine Kollegin aus der Kommunikationsabteilung in Nairobi hatte vor wenigen Monaten die Siegelinitiativen gefragt, ob sie personelle Unterstützung im Rahmen der Vorbereitungen für das 10-Jährige in den jeweiligen Regionen leisten können. Im Gegensatz zu Südafrika und Ostafrika gibt es im westafrikanischen Netzwerk keine Länder, in denen Fairtrade-Produkte auch im heimischen Markt verkauft werden. Ein Konsumentenmarkt ist noch nicht etabliert. Somit sind die Anforderungen an Kommunikation hier in Westafrika auch andere als in den anderen beiden Netzwerken. Bei TransFair bin ich Teil des Kommunikationsteams für Materialerstellung. Und genau das werde ich in den nächsten Wochen für das regionale Netzwerk Fairtrade West Africa tun.

Das Fairtrade West Africa Network

Kwame Banson leitet das Büro in Accra. Er ist Regional Coordinator für Westafrika und damit Ansprechpartner für sämtliche Produzentenorganisationen, beteiligte Regierungsstellen und Importeure der Region. Konkret geht es vor Allem um Kakao. Ghana und die Elfenbeinküste sind die wichtigsten Kakaolieferanten weltweit. In Ghana allein arbeiten rund 100.000 Kleinbauern und Arbeiter unter Fairtrade Bedingungen – die allermeisten davon bauen Kakao an. Aber auch Baumwolle (Senegal, Burkina Faso), Früchte (Ghana, Mali, Elfenbeinküste), Nüsse (Ghana) und Bananen (Ghana) werden aus Westafrika exportiert und bilden damit die Lebensgrundlage vieler Menschen.

„Seit Kakao hier in Westafrika für den Export angebaut wird – und wir reden von über 100 Jahren – gibt es nichts vergleichbares wie Fairtrade. Es ist in der gesamten Zeit des Anbaus das einzige System, das die Bauern stärkt und endlich in eine bessere Position bringt“, sagt Kwame. Nach all den Jahren und unzähligen Gesprächen mit Kleinbauern, Arbeitern und Importeuren ist Kwame überzeugter denn je, dass es für die Produzenten gegenwärtig nur mit Fairtrade einen echten Fortschritt aus der Armut gibt. Zu mir sagt er: „Es ist gut, dass ihr in Deutschland viel über die Fairtrade-Prämien sprecht. Denn sie sind wichtig und ein ganz konkretes Werkzeug, um die Gemeinden weiter zu entwickeln. Aber für mich ist das wichtigste bei Fairtrade das Empowerment. Die Gemeinschaft in den Kooperativen, die Fairtrade schafft, ist entscheidend. Die Menschen sind auf einmal involviert. Sie haben eine Stimme, die gehört wird. Sie diskutieren, was zu tun ist.“ Kwame ist mit viel Leidenschaft dabei. Unterstützt wird er von der Finanz- und Organisationsfachkraft Janet Conduah, sowie von dem Liason Officer Samuel Adimado, der selten im Büro, dafür die meiste Zeit bei Produzenten ist, um zu beraten und zu unterstützen. Die weiteren Liason Officers sind in den jeweiligen anderen Ländern Westafrikas zu finden.

Die Fairtrade West Africa Convention in Abidjan

Es kann für mich also losgehen. Zum 10-Jährigen Bestehen von Fairtrade Westafrika wird im November 2015 in Abidjan, in der Elfenbeinküste, eine Convention statt finden. Produzenten, Hersteller, Importeure und weitere Stakeholder werden zu den Feierlichkeiten und Gesprächen rund um das regionale Fairtrade-Netzwerk eingeladen. Dort soll Fairtrade als Best-Practice in landwirtschaftlicher Entwicklung einem größeren Publikum vorgestellt werden. Produzenten können Schokoladenhersteller und Importeure treffen und mit ihnen über die Zukunft der Kakaoproduktion diskutieren. In der Vorbereitung für diese Veranstaltung geht es nun an die Arbeit: Recherchen zu aktuellen Themen des Netzwerks stehen an. Dann werden die Inhalte in Broschüren und anderen Materialien aufbereitet. Gleichzeitig wollen wir mehr Präsenz bei jungen Menschen im städtischen Bereich erzielen. Denn in nicht allzu ferner Zukunft werden wir vielleicht auch in Westafrika einen heimischen Markt für Fairtrade-Produkte wachsen sehen.