Zwischendurch bin ich mit einen Sher-Fahrrad kreuz und quer bewusst ohne Begleitung über die Farm gekurvt und habe Gewächshäuser besucht. Zum Glück spricht immer einer Englisch, damit die Verständigung klappt. Ohne jetzt zu romantisieren, aber nach meinem Eindruck stimmt das Betriebsklima. Es lauft fast überall Musik, die Frauen reden sowas von viel miteinander (kennt man ja auch so ein bisschen von Deutschland ;-) und Pausen laufen problemlos.

 

Wie sieht es mit dem Geld aus:

Im Landesdurchschnitt verdienen die Menschen im Agrarbereich und den Manufakturen so zwischen 300 und 400 Birr (1 Euro sind 22 Birr), also rund 15 Euro im Monat und nicht die Woche!

Bei Sher liegt der Einstieg bei 700 Birr bei einer 48 Stundenwoche und wird nach einem Jahr je nach Arbeitsleistung um rund 100 Birr gesteigert. Ob auch das ein existenzsichernder Lohn ist, sprich eine Familie ernährt, ist eine gute Frage, die ich noch nicht beantworten kann. Fakt ist, das fast alle Frauen sonst kein eigenes Geld verdienen würden und die Liste von Bewerbern/Innen lange ist. Die Fluktuation ist gering.

Nicht zu unterschätzen ist, dass ALLE ArbeiterInnen ihre Kinder umsonst auf die Sher-Schule schicken können. Derzeit werden dort 3.500 Kinder bis Klasse 9 unterrichtet, beginnend mit der Vorschule ab 3 Jahre. Die Schule ist TippTopp und was Ausstattung und Anzahl und Ausbildung der Lehrer angeht sehr weit über Landesdurchschnitt. Leider waren keine Schüler da, weil ja noch Neujahr gefeiert wird (ist übrigens auch schön sich nochmal wie im Jahr 2004 zu fühlen. Wer also mal  eine Verjüngungskur machen möchte, dem sei Äthiopien empfohlen. Nette offene Menschen, tolle Landschaft. Aber ich möchte mich ja nicht für das Tourismusbuero hier empfehlen….

Zusätzliche freie Gesundheitsversorgung im Sher-Hospital. Ich habe in Entwicklungsländern noch nie ein solches gut ausgestattetes Hospital erlebt. Von modernen OP-Sälen bis hin zu m Zahnarzt ist alles da. Die über 140 Ärzte und Schwestern sind gut ausgebildet. Der Ruf ist so gut, dass selbst aus 100 Km die Menschen kommen. Insofern ist die freie Gesundheitsversorgung ein weiterer Vorteil.

 

Kurioses

So kleine exotische Eigenheiten sind die Kamele, die auf Rosenabfälle spezialisiert sind, ebenfalls arg holländisch aussehende Kühe. Ach ja Holland, die gute Stimmung wurde letzte Nacht etwas eingetrübt, weil die Barnhoorns Ajax Fans sind und an dem Sieg von Dortmund zu knabbern hatten. Bei Deutschland ist ein Spiel eben erst nach 92 Minuten zu Ende.

Auch wenn ich froh war, der ewigen Euro-Krise zu entkommen – der Blumenhandel hängt auf Gedeih und Verderb an der Relation Dollar-Euro. Bei unter 1,32Dollar für einen Euro kommt die Blumenbranche an ihr Limit. Fracht und Preise sind an den Dollar gekoppelt.

 

Danke und auf ja Kenia

Morgen geht es weiter in ein anderes Land – die Blumen bleiben mir aber erhalten. Kenia ist ja quasi das Mutterland der Exportrose. Ich gehe mit einem guten Gefühl, dass Fairtrade hier in besten Händen ist und alle ihr Bestes geben. Ein Grund mehr, das wir diese gerade für Äthiopien positive Entwicklung weiter fördern und noch mehr Händler und Konsumenten von den fairen Rosen überzeugen. Fragen Sie nach und überzeugen ihre Bekannten und Verwandten – bringen wir den motivierten Joint Body so richtig ins Schwitzen, damit sie neue tolle Ideen entwickeln, die dann ähnlich wie das Krankenhaus und die Schule die ganze Umgebung erreichen! Dann kommt ein noch kräftigeres „amasegginallehu“ aus dem äthiopischen Rif Valley.

Ich sage Danke für Ihr Interesse an meinem Bericht. In den nächsten Tagen kommt die Fortsetzung aus Kenia, wenn mir die Kamera des ZDF im Rücken dafür Zeit lässt.