Zu Dritt machen wir uns am Sonntag 8. Dezember auf die lange Reise nach Indien. In den nächsten zehn Tagen besuchen wir Textilfabriken, die an dem Fairtrade-Pilotprojekt zum Fairtrade-Textilstandard teilnehmen und lernen Baumwollbauern kennen, die ihre Baumwolle nach Fairtrade-Standards anbauen.

Knapp 24  Stunden Reisezeit und fast 10.000 Kilometer trennen uns von unserem ersten Reiseziel: Tiruppur – die Stadt der T-Shirts. Tiruppur ist eine Industriestadt im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu in Indien mit rund 445.000 Einwohnern. Berühmt ist die Stadt als Standort der Textilindustrie:  Hier werden T-Shirts, Strickwaren, Strumpfwaren und Sportbekleidung hergestellt, die in kleineren und mittleren Betrieben vornehmlich für den Export produziert werden. Auch die Textilien aus Fairtrade-Baumwolle werden hier produziert.

Unser Programm startet mit dem Besuch von zwei Betrieben, die bei einem Pilotprojekt von Fairtrade-International teilnehmen. Warum wir hier sind? Fairtrade plant einen Fairtrade-Textilstandard zu entwickeln, der die gesamte Produktion eines Textilproduktes – von der Baumwolle bis zum fertigen Produkt mit abdeckt. Bisher fokussiert sich unser Ansatz auf die Baumwollbauern. Die Betriebe, die die Baumwolle weiterverarbeiten, müssen zwar bereits einen Nachweis erbringen, dass vor Ort die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen eingehalten werden, der Textilstandards soll aber einen Schritt weiter gehen: Er soll dazu führen, dass die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Produktionsbetrieben auf gleiche Weise wie die Bauernfamilien von Fairtrade profitieren.

Textilien unterscheiden sich sehr von anderen Fairtrade-Produkten wie Kaffee, Bananen oder Tee. Die Lieferketten sind viel komplexer und häufig wissen die Firmen gar nicht woher die Baumwolle stammt, die in ihren Textilien verarbeitet wird oder wer den Stoff für die T-Shirts, Hosen, Jacken oder Kleider produziert hat.

Die Komplexität und fehlende Transparenz bringen viele Probleme und  Besonderheiten mit sich und machen es zu _MG_2206einer großen Herausforderungen einen Textilstandard zu entwickeln, der später vor Ort von den Fabriken umgesetzt und vor allem gelebt wird.

In den nächsten Tagen berichte ich von unseren Besuchen bei den Arbeiterinnen und Arbeitern, die ein Training zum Thema „Fairtrade“ erhalten haben, um zu verstehen, was eigentlich hinter diesem grün blauen Logo steckt, das sie so oft als Etikett oder Abbildung auf der Kleidung sehen, die in ihren Fabriken produziert wird.