Es ist unsere fast letzte Station in Indien. Wir besuchen Baumwoll-Bauern und Prämien-Projekte im Norden Indiens; in Rapar im Bundesstatt Gujarat.
Diese Region in Indien gehört zu den trockensten Regionen weshalb ein großer Teil der Fairtrade-Prämie in moderne Bewässerungssysteme (z.B. Tröpfchenbewässerung) investiert wird.

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Das Baumwollfeld

Zuerst besuchen wir den Baumwoll-Bauern Magabhai, der gemeinsam mit seiner Frau eine ca. 7,5 Acre große Fläche bewirtschaftet und zur Kooperative Agrocel gehört. Hauptsächlich bauen die beiden Fairtrade-Baumwolle an, die ihr sogenannter „Cash Crop“ ist. Für den eigenen Bedarf werden Weizen, Sesam, Senf, Hirse und Mungbohnen angebaut.

 

Wie so oft in Indien, kommen wir beim Essen ins Gespräch. Es gibt eines meiner neuen Lieblingsgerichte: Aloo Ghobi (Kartoffeln mit Blumenkohl) und selbstgemachte Nan-Brote und Chapatis dazu. Besser als in jedem Restaurant in dem wir waren!

Bei unserer Frage, was er sich für seine Kinder wünscht, muss er lachen und sagt „Meine beiden Söhne sind auch Bauern. Aber meine Enkelkinder sollen etwas anderes machen. Aber dafür muss man gut in der Schule sein!“.

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Magabhai und seine Frau

Obwohl er auch sagt, dass sich mit Fairtrade viel zum Positiven verändert hat für ihn: Dank des Mindestpreises und den daraus resultierenden Mehreinnahmen für ihn konnte er eine Regensammelanlage anschaffen, die für die Bewässerung und Trinkwasser dient. Und die Situation bei der Saatgutbeschaffung hat sich geändert. Der Anteil von GVO-Baumwolle in Indien beträgt ca. 70% und es wird für die Bauern, die kein GVO-Saatgut einsetzen wollen immer schwieriger an dieses Saatgut heranzukommen. Fairtrade-Bauern können GVO-freies Saatgut für einen angemessenen Preis bei Agrocel kaufen. Agrocel hat ein Seed Programme aufgebaut und kann so Saatgut anbieten.

Eine Frage, die wir immer stellen ist „Was sollen wir für die Konsumenten in Deutschland mitnehmen? Warum sollen sie Fairtrade-Produkte kaufen?“. Die Antwort darauf bekommen wir von Rudyben, einer starken Frau, die für Agrocel die Schulungen zum Thema Gender und Frauenrechte durchführt. Sie sagt, dass sie sich von Anfang bis Ende um die Baumwollpflanze kümmern und, dass das verdammt viel Arbeit ist. Und für viel Arbeit muss ein gerechter Preis gezahlt werden. T-Shirts wachsen eben nicht an Bäumen.

Wir fahren weiter zu einem der ältesten Prämien-Projekte von Agrocel: eine Dorfschule in der Region Rapar. Hier gehen 51 Schüler von der 1 bis zur 7 Klasse zur Schule. 85% der Kinder sind die Kinder der Fairtrade-Bauern.

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Die Dorfschule in Rapar

Wir treffen den Schulleiter, der uns stolz zeigt, was alles umgesetzt wurde: ein unterirdisches Bewässerungssystem für die Pflanzen und Bäume auf dem Schulgelände, ein Blumengarten und ein Teich, in dem Regenwasser gesammelt und durch Filterung zu Trinkwasser gemacht wird.

Über eine Anlage wird das Wasser von dem Teich in einen großen Tank gepumpt, an dem die Schulkinder Trinkwasser bekommen und auch Dorfbewohner regelmäßig Wasser holen.

Die Schule wird natürlich auch von der indischen Regierung unterstützt. Aber der Schulleiter erzählt uns, dass sie sich auch immer an das Fairtrade-Prämien-Kommittee wenden können, wenn das Geld der Regierung nicht ausreicht, um Projekte zu realisieren.

Fairtrade wirkt eben nicht nur beim einzelnen Bauern, sondern in der ganzen Gemeinschaft.

Unsere Reise ist hier fast zu Ende. Es geht noch weiter nach Bangalore, wo wir den Chef von Fairtrade India treffen.