Auf der zweiten Etappe meiner 3-wöchigen Reise in Chile und Argentinien habe ich die Fairtrade-zertifizierte Kooperative Mi Fruta kennengelernt – ein spannendes Erlebnis.

Mi Fruta liegt ca. eine Stunde nördlich von Santiago de Chile in Los Andes. 28 Kleinproduzenten bewirtschaften zusammen rund 180 ha Land. Die Tafeltrauben und Rosinen der Kooperative werden größtenteils ins Ausland exportiert.  Auf der Fahrt zu Mi Fruta begleitet mich Ingrid Allende, die chilenische Liaison Officer von FLO. Ingrid hat ein sehr persönliches Verhältnis mit den Kleinproduzenten. Sie ist die direkte Ansprechpartnerin für derzeit 30 zertifizierte Produzenten-Organisationen in Chile.

Mi Fruta wird von Don Eugenio und seinem jüngeren Kollegen Cristian geleitet. Don Eugenio fährt uns zunächst zu einem Feld, auf dem rund 100m² Land abgesteckt sind. Stolz erzählt er, dass die Kooperative dieses Land mit dem Geld der Fairtrade-Prämie erworben hat, um hier ihr Büro mit einem kleinen Empfangsbereich und einer Küche zu bauen. Bislang befindet sich das Büro der Kooperative noch in seinem Privathaus. Dies ist auch das nächste Ziel auf unserer Fahrt. Wir betreten einen kleinen Raum mit zwei Schreibtischen, zwei Computern und einem großen Tisch. Alles ist für unseren Besuch vorbereitet. Wir erhalten eine schöne Präsentation über die Kooperative und ihre wirtschaftlichen Aktivitäten. Hocherfreut erzählt Don Eugenio, dass sie bald einen Preis erhalten werden für ihre ausgezeichnete Unternehmensentwicklung. Es ist das erste Mal, dass dieser Preis an einen Kleinproduzenten vergeben wird.

José Luis, Eugenio, Ingrid und Cristian

Cristian erklärt uns, wie die Produzenten demokratisch über den Gebrauch der Fairtrade-Prämie abstimmen. In den Versammlungen der insgesamt 28 Kleinproduzenten erläutert zunächst jeder Produzent individuell, wofür er die Prämie nutzen möchte. Danach werden kleine Gruppen je nach Thema (z.B. Bildung, Gesundheit, Entwicklung des Unternehmens) gebildet. Zuletzt wird über den endgültigen Gebrauch des Geldes abgestimmt.

Der Produzent José Luis erzählt, dass die Fairtrade-Prämie in der Vergangenheit in Gesundheit und Bildung investiert wurde. Die Familien der Produzenten haben das Geld für wichtige medizinische Behandlungen und die Schul- und Universitätsgebühren der Kinder genutzt. Inzwischen sind beide Töchter von José aus dem Haus. Für die Zukunft wünscht er sich, dass Mi Fruta wächst und die Prämie in die Bewirtschaftung der Felder und in die Entwicklung des Unternehmens, sowie in die Produktionsanlagen investiert wird: „El terreno es nuestra capital“ („Das Anbauland ist unser Kapital“).

José Luis Lopez Espindola, Tafeltrauben-Produzent der Kooperative Mi Fruta

José Luis Lopez Espindola, Tafeltrauben-Produzent der Kooperative Mi Fruta

Mi Fruta hat große Pläne für die Zukunft: Es sollen neue Exportmärkte erschlossen werden, das Unternehmen möchte wachsen, ein elektrischer Ofen soll gekauft werden und bisher unfruchtbares Land wird derzeit für den Trauben-Anbau vorbereitet. Die beeindruckende Präsentation der zwei Leiter der florierenden Kooperative endet mit den Worten: „Si se puede“ (Yes we can).