Es ist früh, um nicht zu sagen äußerst früh, als wir am Donnerstag in die Nacht aufbrechen. Um kurz vor 5 Uhr machen wir uns auf den Weg in ein Dorf nicht sehr weit vom Bürogebäude der Kooperative Organic Jasmine Rice Producer Group (OJRPG) und der Progressive Farmer Association, um dort an einem Ritual teilzunehmen, das dort jeden Morgen nach dem Sonnenaufgang seinen Lauf nimmt. Die Mönche des örtlichen Tempels gehen durch die Straßen des Dorfes und die Bewohner geben ihnen zu Essen. Klebreis, leckere Aaroy (hier in Lautsprache), das sind gebratene Reisküchlein, aber auch Gemüse, Fleisch und Süßspeisen.

Speisung der Mönche

Die Speisen der Dorfbewohner sind das ganze Essen, das die Mönche am Tag zu sich nehmen.

Die Mönche segnen die Dorfbewohner als Dank. Die Speisen der Dorfbewohner sind das ganze Essen, das sie am Tag zu sich nehmen. Nach der Segnung in den Straßen, begeben sich alle in den Tempel. Gemeinsam wird gebetet und auch gesungen. Dann essen zuerst die Mönche, danach die Dorfbewohner gemeinsam. Bis das Frühstück vorbei ist, hat die Sonne ihre Kraft entfaltet und während die Filmcrew auf Jagd nach ein paar Dorfimpressionen ist, gehen Santiago und ich durch das Dorf um mit den Reisbäuerinnen und Bauern der Organic Jasmine Rice Producer Group zu sprechen. Die Ernte ist in vollem Gange, wir machen ein paar Fotos, Sujitra Yutakit, eine der Bäuerinnen, fotografieren wir mit den verschiedenen Reissorten, die hier angebaut werden und die fein säuberlich markiert, in Schalen auf einem Tisch drapiert sind.

Noch bevor die Mittagshitze alle zu einer Pause drängt, sind viele goldgelbe Reisähren mit gekonntem Sichelschlag abgeerntet. Die Dorfbewohner helfen sich gegenseitig dabei, ihre Reisfelder zu ernten. Arbeitskräfte sind teuer, die Bauern unterstützen sich deshalb selbst untereinander. Die Gemeinschaft lebt. Nach dem Mittagessen (oder besser: zweiten Frühstück, denn es ist erst gegen 11 Uhr) begleiten Santiago und ich Phawadee Suphansai zu ihrem Dorf. Die 44jährige ist ein spannendes Beispiel dafür, dass Ideenreichtum und Bewusstseinswandel nicht im Kontrast zu kleinbäuerlicher Landwirtschaft stehen. Sie hat ihr Leben in Bangkok, wo sie bei verschiedenen Unternehmen im Marketingbereich gearbeitet hat, hinter sich gelassen und ist in ihr Herkunftsdorf zurückgekehrt. Sie will ihre Prinzipien leben können, ökofairen Reisanbau betreiben und vor allem: vielen Leuten ihre Prinzipien weitergeben.

Reis

Mitglieder der Organic Jasmine Rice Producer Group bei der Arbeit auf dem Feld.

Vielfalt und Kreativität helfen Phawadee, ihr Einkommen deutlich zu erhöhen. Sie stellt selbst Reis-Eiscreme, -Milch und Seife her, verkauft diese Produkte auf dem lokalen Markt, hat Kunden in der Region und in Bangkok. Sie steckt voller Ideen und will sich auch nicht darauf ausruhen, dass sie für den Paddyreis, der dann beispielsweise nach Deutschland, in die Schweiz und die Niederlande exportiert wird, den stabilen Mindestpreis erhält. Deshalb überlegt sie stets weiter, welche neuen Produkte sie sonst noch aus ihrem Reis kreieren könnte. Das ganze über den Fairen Handel verkaufen zu können, dafür fehlt ihr noch die Kapazität….aber bei ihr bin ich mir sicher, dass das kleine Wörtchen „noch“ hier ganz besonders zu betonen ist.

Unfassbar, dass heute erst der erste Drehtag ist und Tag zwei vor Ort. Aber es gibt noch viel zu sehen. Am Freitag geht es zur Kooperative, wo die Bauern ihren Paddyreis abliefern. Qualitätschecks, verladen, in die Mühle…ich bin gespannt!