Am Sonntag, Tag fünf unserer Reise, ging es zunächst raus auf jene Felder, die dem thailändischen Herbst den Namen „Golden Season“ geben. Es wird höchste Zeit, dass der Reis geerntet wird, manche der Garben sind schon überreif, so dass die Reiskörner zum Teil von selbst herausfallen – das sollte aber natürlich erst beim Dreschen passieren.

Erschwerte Bedingungen beim Filmdreh: Schon gegen 9 Uhr brennt die Sonne auf das goldgelbe Feld.

Erschwerte Bedingungen beim Dreh: Schon gegen 9 Uhr brennt die Sonne auf das Reisfeld.

An jenem Sonntag packt Schauspieler Hannes Jaenicke mit an und lernt, wie man Reis in Handarbeit mit der Sichel schneidet. Während die Kamera läuft, raunt Paweena mir zu: „Die Bauern sagen, dass das ganz schön gefährlich ist, was er da macht.“ Nach wenigen gekonnten Schnitten haben die Bäuerinnen und Bauern eine große Hand voller Reisgarben in der Hand. Hannes schlägt sich wacker, alle Finger sind noch dran, aber Masse macht er nicht (nix für ungut ;-) ich hab ja leicht reden, ich bin selber froh, dass meine Finger noch dran sind. Die Halme sind deutlich robuster als man vielleicht denkt…). Während die Bauern und Hannes zu Werke gehen, ist Thomas mit seiner Kamera mal hier mal dort, fängt diese und jene Perspektive ein, Enno am Ton hinterher. Schon gegen 9 Uhr brennt die Sonne auf das goldgelbe Feld. Alle sind langärmlig und mit Hut, um sich zu schützen. Flüssigkeitsverlust: sehr hoch.

Mit Hilfe von Paweena spreche ich mit einem 72-jährigen Bauern, der im letzten Jahr zu OJRPG kam. Bio baut er schon lange an. „Seit 60 Jahren bin ich auf dem Feld. Meine Eltern waren auch schon Reisbauern“, berichtet er. „Früher hat niemand Pestizide benutzt.“ Er traute dem Versprechen höherer Erträge durch mehr Chemie nicht. „Ich will nicht damit in Berührung kommen und meine Pflanzen sollen das auch nicht.“ Vom Fairen Handel verspricht er sich stabile und vor allem transparente Preise.


Die Gefahr lauert an der Tankstelle

Nachmittags dann das Unglück: Paweena stolpert (nein, nicht auf dem Reisfeld sondern an einer Tankstelle!) und knickt so ungeschickt um, dass sie sich ihren Knöchel anbricht. Also erst mal ab ins Krankenaus, röntgen, Gipsverband, ruhigstellen…Wir fahren sie zurück ins Hotel. Krücken kann sie erst am nächsten Tag im Medical Center kaufen. Willkommen im Thailändischen Gesundheitssystem.

Reiszyklus auf einen Blick

Am Montag können wir sehen, wie man Reis anbaut. Die meisten OJRPG-Mitglieder können nur einmal im Jahr ernten. Gepflanzt wird zu Beginn der Monsunzeit. Während der Regenmonate Ihre Felder stehen auch unter Wasser, aber nur während der Monsunzeit von ca. Juli bis Ende September. Um zu sehen, wie die Aufzucht der Setzlinge funktioniert und wie diese dann auf die Felder umgepflanzt werden, besuchen wir einen Bauern, der direkt am Fluss wohnt. Er kann zwar zweimal im Jahr ernten, wenn alles gut geht… Aber wenn der Monsun stark ist, kann es sein, dass er eine seiner Ernten verliert – wie in diesem Jahr. An seinem Pfahlhaus zeigt er auf verschiedene Markierungen mit den Wasserständen. Die höchste Marke ist gut zwei Meter über dem Boden, dabei ist der Fluss in einer Senke. Der Bauer ist nicht Mitglied von OJRPG, aber die Idee von Bio-Fairem Anbau reizt ihn. Er will sich mit Teerawat und Pawadee austauschen, um zu sehen, ob er Chancen hat, in die Kooperative aufgenommen zu werden.

 

Ton- und Kameramann des Arte-Filmteams stehen im knöcheltiefen Wasser.

Ton- und Kameramann des Arte-Filmteams stehen im knöcheltiefen Wasser.

Buckeln für Reis

Ton- und Kameramann stehen im knöcheltiefen Wasser. Auch Hannes ist mittendrin und setzt Reispflanzen. „Jetzt weiß ich, woher das Wort buckeln kommt“, meint er. „Aber ob hier, wo ich pflanze so viel wächst, das möchte ich bezweifeln.“ Was für eine Arbeit! Hannes bringt es auf den Punkt: „Reis pflanzen ist, als würde man jedes Weizenkorn einzeln in den Ackerboden drücken.“


Abschiedskaraoke

Die Zeit vor Ort neigt sich dem Ende entgegen. Und wie könnte man eine Thailandreise klassischer beenden, als mit einem leckeren Essen inklusive frisch geerntetem Fairtrade-Bio-Jasminreis, der extra für uns in der Restaurant-Küche zubereitet wird und: Karaoke! Thai-Pop ist unser letzter kultureller Eindruck: Paweena und Pawadee greifen zum Mikro und Teerawat singt eine Ballade über das Mädchen aus Ubon, das auf die Liebe wartet (Ich habe versucht, das auf Youtube zu finden, aber bleibe den Link schuldig, denn der Songtitel lässt sich zumindest auf Englisch nicht finden. Zu schade.). Innovativer Bio-Reisbauer, Schauspieler und jetzt auch noch ein sehr passabler Sänger – ich würde sagen: ab auf den roten Teppich! Ich selbst lasse mich zu Dancing Queen breitschlagen… das hätte ich wohl besser lassen sollen (eieiei, wer konnte ahnen, dass das derart hoch notiert ist…). Na gut, zu spät. In der Hoffnung, dass nicht allzu viele Handyvideos gedreht wurden, werde ich dieses Kapitel möglichst schnell und leise schließen und schreibe mir dick hinter die Ohren: Nein, Edith, man muss nicht an jedem kulturelle Highlight einen aktiven Part haben.