Heute haben wir zum Abschluss nochmal Apbosmam besucht. Die Vereinigung gibt es seit 2007 und seit 2009 verkaufen sie zu Fairtrade Bedingungen.

Der Geschäftsführer Miguel Ángel Borrero Castilla und der Präsident José Fernando Loli Castillo begleiten uns zu einer Packstation. Dort begrüßt uns Feliciano Ponce Nurguia. Ihm gehört die Parzelle, die heute abgeerntet wird. Stolz zeigt er uns seinen Hektar Anbaufläche. In dieser Region sind die Bananenstauden größer, was durch gute organische Düngung zur rechten Zeit, passende Bodenbearbeitung und regelmäßige Bewässerung erreicht wird. Diese Kraft geht auf die Frucht über. Apbosman hat 15 Arbeiter geschickt, die für die Ernte verantwortlich sind. Feliciano entscheidet, welche Stauden erntereif sind und überwacht, dass sie auch alle abgeerntet werden. Denn beim nächsten Erntezyklus in 12-15 Tagen wären diese Bananen dann schon überreif und nicht mehr exportfähig.

Wie eine Ameisenstraße

Dann geht es sehr schnell. Ein Arbeiter misst nochmal nach, ob die markierten Bananen wirklich die erforderte Größe erreicht haben. Ein kurzes Zack und die Bananenstaude wird abgeschnitten und landet sanft auf einer „Cuña“ – einer gepolsterten Trage. Damit tragen die Arbeiter die 20-30 Kilogramm schweren Bananenstauden geschützt, um auf den letzten Metern  Druckstellen zu vermeiden.

Mit diesem Gewicht auf der Schulter laufen die Arbeiter zur Packstation, wo dann die Bananen in verkaufsfertige Cluster oder Hände geschnitten werden. Nach einer weiteren Qualitätskontrolle auf Größe, Aussehen und Pilz- oder Insektenbefall, wandern die Bananen im Wasserbad, das allen austretenden Fruchtsaft stillen und abwaschen soll. Danach werden die Bananen auf eine Art dreireihiges Tablett vorsortiert: vorne die kleinen, dann die mittleren und hinten die großen Hände. So wird denjenigen die Arbeit erleichtert, die die Bananenboxen am Ende der Verpackungsstrecke einpacken. Eine Lösung gegen Kronenfäule wird aufgetragen, jede Bananenhand erhält zwei bis drei Fairtrade-Logos und dann werden diese Hände in „Fairglobe“ Tüten verpackt.

Fairtrade Bananen aus PeruIch habe Hipolito Garcia Ipanque, dem Vorarbeiter dieses Erntetrupps vorgeschlagen, dass er eine kleine Nachricht in eine Bananentüte stecken solle, vielleicht finde ich sie, wenn die Bananen in drei Wochen bei Lidl verkauft werden. Aber das haben wir natürlich nicht gemacht. Die Hygiene Vorschriften sind so streng, dass wir uns nur mit Mundschutz und Haarnetz und ohne Uhren nähern durften. Daher gehört auch zu jedem Erntetrupp eine Frau, die alle Vorschriften diesbezüglich überwacht und streng dokumentiert.

Jede Kiste muss mindestens 18,14kg Bananen enthalten. Woher diese verwunderliche Zahl kommt, muss ich mal nachrecherchieren – oder einfach Carsten Lorenz, unseren Spezialisten fragen. In weniger als einer Minute ist diese Kiste gepackt und dann gewogen. Eventuell wird nochmal eine Tüte ausgetauscht, um ja nicht das Gewicht zu unterschreiten. Dann erhält die Kiste einen Stempel, der die Rückverfolgbarkeit der Bananen bis aufs Feld ermöglicht. Die Kisten werden auf Paletten gestapelt und warten auf den Weitertransport.

Wenn die Parzelle abgeerntet ist, zählt Feliciano die Anzahl der Kisten. Für jede Kiste erhält er sechs Dollar, derzeit rund 15 peruanische Sol. Die Ernte heute war durchwachsen, nur 40 Kisten. Aber es ist ja auch Winter. Von diesen 240 US-Dollar muss er sich und seine Familie die nächsten 14 Tage ernähren. „Es geht uns gut. Früher war alles unsicher, jetzt haben wir einen festen stabilen Preis. Damit kann ich die Ausbildung meiner Kinder bezahlen und ihnen ein besseres Leben ermöglichen„, sagt Feliciano. Und bald ist der Winter vorbei und dann steigt das Erntevolumen wieder an. „Mein Bruder überlegt, sein Land ebenfalls auf Bananen umzustellen. Denn wir sehen alle den Unterschied, den der Faire Handel bei uns Bauern bringt.

Mein Resümee

Unser Vorstandsmitglied Frank Eichinger hatte letztes Jahr die Möglichkeit, hier vorzuschauen und mein Eindruck deckt sich mit seinen. Wenn ein großer Anteil der Ernte zu Fairtrade-Bedingungen verkauft werden kann, dann werden die positiven Wirkungen von Fairtrade sichtbar. Und die beste Nachricht ist, dass Felicianos Sohn in die Fußstapfen seines Vaters treten möchte, da er im Bananenanbau zu Fairtrade-Bedingungen seine Zukunft sieht.