Die IFTEX Blumenmesse 2013 fand in diesem Rahmen in Nairobi zum 2. Mal statt. Die Messe war in jeglicher Hinsicht ein großer Erfolg. 150 Aussteller lockten Besucher aus der ganzen Welt nach Nairobi. Kenia präsentierte sich selbstbewusst in seiner zunehmend wichtigen Rolle in der globalen Blumenbranche.

In vier Hallen präsentierten mehr als 150 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen. Die Messe beeindruckte durch ihren sehr professionellen Auftritt. Eine ebenso beeindruckende Anzahl von europäischen und internationalen Unternehmen, insbesondere Importeuren war vertreten, u.a. Union Fleurs, BGI,  Kenya Flower Council, FSI, FloraHolland, Dutch Flower Group und viele weitere. Hochrangige Industrie- und Regierungsvertreter nahmen an den Konferenzen auf der Messe teil. Besonders spannend waren die Gespräche mit den 12 Fairtrade-zertifizierten Blumenfarmen, die auf der Messe einen Stand hatten. Während der Eröffnungszeremonie wurden vier Fairtrade-Farmen für außerordentliche Züchtungen/Blumen ausgezeichnet.

 

 

 

 

 

 

 

Die Messe hat einmal mehr verdeutlicht, dass sich die globale Blumenindustrie derzeit in einem Wandel befindet. Die Rolle von Ostafrika wächst zunehmend. Direkte Lieferbeziehungen zwischen Farmen, Importeuren und Handel nehmen zu. Die Auktionen in Holland werden zunehmend umgangen, auch aufgrund unberechenbarer Preise. Je weniger Ware an der Uhr gehandelt wird, desto mehr nimmt die Volatilität der Preise zu. Vor diesem Hintergrund schauen sich auch Importeure, die den Blumenfachhandel beliefern, zunehmend nach neuen Möglichkeiten und direkten Handelsbeziehungen um. Ein holländischer Produzent hat sogar seine holländischen Blumen zur Messe in Nairobi mitgebracht, um sie dort europäischen Händlern zu zeigen. Die HortiFair in Holland hingegen findet in diesem Jahr nicht mehr statt.

Kenia ist sich seiner Rolle in der globalen Blumenindustrie sehr bewusst. Ein kenianischer Regierungsvertreter ließ verlauten, dass das Land an einem Konzept für ein eigenes Auktionssystem arbeite. Auch die neue Regierung werde den ausländischen Investoren, die vor allem aus den Niederlanden stammen, weiterhin die politischen Voraussetzungen schaffen, Wachstum in dieser Branche zu erzielen.

Außerdem werde intensiv  mit der EU über den Abschluss des Europäischen Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) verhandelt. Ziel sei es, die Gespräche bis Ende 2013 abzuschließen. So hätten die ausländischen Investoren schon bald die Sicherheit, dass auf die kenianischen Blumenexporte nach Europa keine Einfuhrzölle auferlegt werden. Dies würde zehntausenden Arbeitern und Arbeiterinnen auf Fairtrade-Blumenfarmen ihren Arbeitsplatz sichern. Wenn man den Abschluss eines EPAs jedoch gesamtwirtschaftlich betrachtet, könnte die darin enthaltende Marktöffnung Kenias für eine Vielzahl europäischer Produkte eine Gefährdung der inländischen Produzenten bedeuten, die dem Wettbewerb mit den weitaus überlegenen Europäern nicht standhalten können. Die Situation ist in jedem Fall nicht einfach für Kenia…

Hintergründe zu diesem Thema können z.B. hier abgerufen werden: https://reformiert.de/tl_files/reformiert.de/Bilder/artikelbilder/pdf/Welthandel.pdf

https://ec.europa.eu/trade/policy/countries-and-regions/development/economic-partnerships/index_en.htm

https://www.newvision.co.ug/news/643459-kenya-s-move-to-sign-epas-worries-eac-states.html

Neben niederländischen, deutschen, britischen und australischen Unternehmen haben uns auch viele Blumenfarmen an unserem Stand besucht. Meine Kollegen von Fairtrade Africa und Fairtrade International, die die Farmen vor Ort beraten und unterstützen, und ich haben uns in diesen Gesprächen sehr gut ergänzt. Es war sehr inspirierend zu erleben, mit welchem Enthusiasmus mein Kollege John Oenga die Produzenten-Organisationen in Kenia, Tansania und Äthiopien berät. Er erklärt unsere manchmal vielleicht kompliziert wirkenden Standards in einfachen und verständlichen Worten – und er liebt seinen Beruf:

„Ich genieße meinen Beruf als Fairtrade Liaison Officer. Jeden Tag gibt es eine neue Herausforderung, die ich angehen muss. Die Aufgaben und Herausforderungen sind je nach Produzentenorganisation, Region, Zeit und Produkt unterschiedlich. Es motiviert mich, gemeinsam mit den Produzentenorganisationen Lösungen für die individuellen Herausforderungen zu finden.

Besonders interessant und inspirierend ist es zu sehen, wie die sich die Kleinbauernorganisationen und Farmen in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht entwickeln, z.B. wenn sie sich ein Projekt finanzieren, das sie ohne die Fairtrade-Prämie nicht hätten realisieren können.“

 

John Oenga, Liaison Officer in Kenia, Tansania, Äthiopien

John Oenga, Liaison Officer in Kenia, Tansania, Äthiopien

Fünf weitere Blumenfarmen in Ostafrika befinden sich derzeit im Zertifizierungsprozess. In den meisten dieser Fälle wird einer Zertifizierung aufgrund  einer konkreten Nachfrage aus dem europäischen Markt nachgegangen.

Aber auch in meinen Gesprächen mit Arbeiterinnen und Arbeitern von nicht zertifizierten Farmen wurde deutlich, dass sich viele Arbeiter eine Zertifizierung wünschen, da sie die Vorteile auf den zertifizierten Farmen sehen:

„Auf einigen Fairtrade-Farmen erhalten die Arbeiter Kleinkredite, und die Möglichkeit für Fortbildungen. Sie machen Computerkurse oder können ihre Kinder auf eine weiterführende Schule schicken. Das wollen wir auch.“

Diese Aussagen sind für mich ein großer Ansporn, weiter daran zu arbeiten, die Nachfrage nach Fairtrade-Blumen in Deutschland und in Europa zu verstärken, um diesen Hoffnungen der Arbeiterinnen und Arbeiter gerecht zu werden.