Bienvenido a Satipo! Mittwochmorgen erreichen wir die kleine Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im peruanischen Dschungel, etwa 305 Kilometer östlich von Lima. Klingt nicht weit, aber der Weg nach Satipo führt über einen Andenpass in 4.800 Meter Höhe, den wir nachts mit dem Bus überqueren. Viel Schlaf gibt es nicht, die Straßen sind durch den starken Regen in sehr schlechtem Zustand und der Busfahrer nimmt die ohnehin scharfen Kurven mit unbehaglicher Geschwindigkeit. Belohnt werden wir mit einem fantastischen Dschungel-Panorama und einer herzlichen Begrüßung der Mitglieder der Kooperative Sonomoro. Die Kooperative liegt in ca. 1000 Metern Höhe und fasst ca. 200 Produzenten, die eine Fläche von knapp 1000 ha mit dem Anbau von hochwertigem Arabica-Kaffee bewirtschaften. Die Kooperative ist seit 2010 Fairtrade-zertifiziert. Zahlreiche Mitglieder haben sich versammelt und alle freuen sich über unseren Besuch. Berührungsängste gibt es keine und es wird viel gelacht. „Todo es Papaya“ – alles läuft gut, wie man in Peru sagt. Und ich lerne mit einer herzlichen Umarmung Dona Magda Reza kennen, sie besitzt eine Finca in Satipo und wird zur Fairen Woche nach Deutschland reisen. Magda ist eine tolle Frau.

Doch schon zur Begrüßung in Satipo wird deutlich mit welchen Problemen die Kaffeebauern zu kämpfen haben – durch den Klimawandel haben sich die Jahreszeiten verschoben, und jetzt, im Sommer, regnet es in Strömen und das schon seit Tagen – Normalerweise endet die Regenzeit im März. Durch die veränderten Bedingungen hat sich der Kaffeerost massiv ausgebreitet, ein Pilz der die Kaffeepflanze befällt und abtötet. Er tritt in einem Ausmaß aus, der nicht mehr kontrollierbar ist und eine Vielzahl der Bauern hat einen Großteil ihrer Ernte verloren. Über die Auswirkungen des Klimawandels erfahren wir mehr auf der Übungsfarm der Kooperative.

Der Weg zur Übungsfarm ist ein echtes Abenteuer. Mit drei Jeeps bahnen wir unseren Weg durch eine Schlammpiste im Dschungel. Der Spontankauf unserer Gummistiefel zahlt sich aus und schon auf dem Weg sehen wir große Flächen mit dem Pilz befallene Kaffeepflanzen, die ihre Blätter verloren haben und nur noch schwarze, verfaulte Kaffeekirschen tragen – ein erschreckender Anblick. Doch die Pflanzen auf der Übungsfarm sind gesund und die Bauern stolz auf ihr erfolgreiches Klimaprojekt. Sie entwickeln neue Methoden um Wasser aufzufangen, die Pflanzen biologisch zu düngen und nutzen die Wiederaufforstung mit Pinienbäumen als Schattengewächse für die Kaffeepflanzen und Nährstoffgeber für den Boden. Zudem wird das Wasser, mit dem sie die Kaffeekirschen waschen, gefiltert und kann so später als Trinkwasser gebraucht werden. So vermeiden sie die Verschmutzung des nahegelegenen Flusses. Die Arbeit der Kaffeebauern ist beeindruckend und wir erfahren immer mehr über ihre persönlichen Geschichten. Unsere Reise bisher absolut spannend und wird es auch die nächsten Tage bleiben! Wir freuen uns darauf, Magda und weitere Produzenten zu Hause zu besuchen.