Im Rahmen der Fairtrade Africa Convention in Ghana besuche ich einen weiteren Produzenten. Der Besuch der Ananasplantage Gold Coast Fruits ein paar Tage später beginnt mit einem eindrücklichen Beweis der wachsenden Wirtschaftskraft Ghanas, die sich in einer stetig steigenden Anzahl von Autos ausdrückt. Die Fahrt zur ca. 40 km von Accra in der Region Nsawam gelegenen Plantage nimmt über 2 Std. in Anspruch.

Auf der  Plantage angekommen, wo auf 600 ha in 14 Monaten (!) Ananas reifen, werden wir vom Joint Body begrüßt und über laufende und geplante Prämienprojekte informiert. Gold Coast Fruits beschäftigt ca. 100 Mitarbeiter in Festanstellung sowie 70 Saisonarbeiter. 50% der Ernte werden als Fairtrade-Ananas nach Europa verkauft. Dadurch kommen pro Jahr ungefähr 80 000 USD an Prämiengeldern zusammen, die gemäß den Wünschen der Arbeiter für verschiedene Projekte eingesetzt werden.

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Eines der wichtigsten Anliegen der Arbeiter ist regelmässig ein verbesserter bzw. günstigerer Zugang zu Krediten (der marktübliche Zinssatz liegt bei 28%). Obwohl Gold Coast Fruits einen Lohn zahlen, der über dem gesetzlich festgelegten Mindetslohn liegt, fehlen oft die Mittel für Extraanschaffungen. Aus diesem Grund hat der Joint Body beschlossen einen „Revolving Fund“ einzurichten, aus dem die Mitarbeiter Kredite zu aktuell 10%, geplant 5% Zinsen beantragen können. Voraussetzung dafür einen Kredit zu bekommen, ist sowohl eine Betriebzugehörigkeit von mindestens einem Jahr als auch eine positive Bewertung der Zuverlässigkeit des Arbeiters durch seinen Vorgesetzten.

Die richtigen Anreize zu schaffen ist eines der Grundprinzipien der Arbeit des Joint Bodys. Das geht weit über die Arbeit an sich hinaus. Da allen klar ist, dass nur eine gute Bildung den Kindern den Weg in eine gute Zukunft ebnet, ist eine hohe Qualität der Schulbildung ihrer Kinder für die Arbeiter äußerst wichtig. Leider ist die in vielen der staatlichen Schulen keine Selbstverständlichkeit. Eine Prüfung durch Gold Coast Fruits hat ergeben, dass nur 40% der Viertklässler lesen und schreiben können. Eine Möglichkeit wäre nun, Prämiengelder in die Gehälter von Privatlehrern zu investieren. Das Ziel einer besseren Schulbildung würde damit erreicht, gleichzeitig würde aber der Staat aus seiner Verantwortung entlassen – die Chancen auf eine zukünftige Verbesserung der staatlichen Bildung würde das nicht erhöhen.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet der Weg, den Gold Coast Fruits nun eingeschlagen haben: durch eine externe und unabhängige Kommission wird das Niveau der Schüler regelmässig überprüft. Wenn mindestens 50% der Schüler das altersentsprechende Niveau erreichen, bekommt der Lehrer 100 ghanaische Cedis (ca. 50 EUR), die jeweiligen Schüler bekommen Schuluniformen, -bücher und –hefte.

Dadurch dass die Schulbehörde darüber informiert wird, intensiviert sich auch die Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden und damit das Bewusstsein für Fairtrade auf Seiten der Regierung. Eine gute Voraussetzung für die geplante Klinik, die mit Hilfe von Prämiengeldern errichtet werden und von staatlich finanzierten Ärzten betreut werden soll…

Der Rückweg nach Accra dauert 4 Std.