Spannend von Anfang an! Zur Auftaktveranstaltung der Fairen Woche bin ich am Vortag nach Berlin gereist. Beinah hätte sich unser internationaler Gast am Flughafen verlaufen. Glücklicherweise hat er den Weg zum richtigen Gate gefunden und konnte das Publikum mit seinen Redebeiträgen begeistern. Ivan Bwambale heißt er und „Bwambale“ steht für den männlichen zweitgeborenen der Familie. Schon mit diesem Satz hatte er das Interesse der Zuhörer geweckt, unter ihnen Organisatoren, Presse, Engagierte und Fairtrade-Interessierte.

Vision der Kooperative Rwenzori

Pressekonferenz Faire Woche 2016 in Berlin

Im Pressegespräch berichtet Ivan von den Erfahrungen des letzten Jahres, in welchem sich die Baumwoll-Kooperative Rwenzori im Westen Ugandas zu dem entwickelte, was sie heute ist: eine demokratisch organisierte, selbstbestimmte, effiziente und wachsende Produzentenorganisation, die ihre Baumwolle zu fairen Preisen auf dem globalen Markt absetzten kann. Am liebsten wäre es Ivan, wenn die Baumwollproduktion im Fairtrade-System auf ganz Uganda ausgeweitet werden könnte und sie somit vielen Produzenten ein Grundeinkommen sichern könnte. Dafür müsste es aber zunächst einmal einen größeren Absatzmarkt geben. Dieser Vision folgend ist er im Rahmen der fairen Woche auf Deutschlandrundreise. Sein Ziel ist es als Vertreter der „Rwenzori Farmers Marketing Cooperative Society“ seine Kooperative vorzustellen und Kontakte zu potentiellen Lizenznehmern zu knüpfen. Authentisch schildert Ivan, welche Vorteile und Errungenschaften Fairtrade bietet. Neben der langfristigen Absicherung durch den Fairtrade-Mindestpreis im Falle sinkender Weltmarktpreise, wird die Fairtrade-Prämie vor allem für Bildungs- und Schulungsmaßnahmen genutzt. Somit wird nach und nach mithilfe von Trainings eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Nutzung und eine effiziente Nutzung von Wasserressourcen erreicht sowie die Position der Produzenten durch Kenntnis ihrer Rechte und vor allem ihrer Mitspracherechte gestärkt. Dafür sprechen auch die Zahlen.

Baumwollanbau in Uganda hat viel Potential

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Ivan erzählt stolz, welche Produktivitätssteigerung Rwenzori zu verzeichnen hatte. Von zumal  500 produzierten Baumwoll-Ballen im Jahr 2014/15 wird für dieses Jahr eine Ernte von 1200 Ballen erwartet. Auch die Mitgliederzahlen steigen stetig und umfassen derzeit rund 400 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Neben der Wirtschaftlichkeit betreffen die wichtigsten Veränderungen die Nutzung der Prämie für Schulprogramme und Kindergärten in den infrastrukturschwachen Regionen. So errichtet Rwenzori Kinder- Betreuungszentren für Mitglieder der Kooperative in Reichweite der Farmen. Die wohl größte Errungenschaft bisher ist die Ausweitung der Produktionskette innerhalb der Kooperative. Nach der Ernte muss die Baumwolle maschinell entkörnt werden. Dieser Produktionsschritt liegt heute in den Händen der Kooperative. Ivan ist in Gedanken auch schon ein Schritt weiter und erzählt davon Ugandas erste Spinnmaschine zu beschaffen. Da wir in unseren Breiten nur die verarbeiteten Textilien zu Gesicht bekommen, war es besonders schön, die von Ivan mitgebrachte watteweiche Baumwolle in ihrer Ursprungsform zu sehen.fw-baumwolle_auschnitt

 

 

20160916-mg7a1755Neben Ivan Bwambale berichteten auch internationale VertreterInnen und ProduzentInnen aus Peru, Thailand und dem Libanon von den konkreten Wirkungen des fairen Handels. Nicht zuletzt trug auch die charmante Miriam Janke, die mehrsprachig durch das Event moderierte, zu einer gelungenen Veranstaltung bei. Die gesamte Atmosphäre in der Markthalle in Kreuzberg war sehr stimmig und ich spürte einen ansteckenden Optimismus in der sommerlichen Luft.

 

15. Jubiläum der Fairen Woche

fw-jubi_ausschnittZum Abschluss feierten wir zusammen mit den Gästen das 15. Jubiläum der Fairen Woche mit Kuchen und einem Gläschen Sekt. Ableiten lässt sich aus dieser langjährigen Zusammenarbeit der unterschiedlichen Organisatoren die Einigkeit darüber, dass fairer Handel den Unterschied macht und wir uns weiterhin gemeinsam für mehr Gerechtigkeit im Handel einsetzen müssen. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr!