Auf Einladung von ProChile, dem Exportförderungsbüro der chilenischen Regierung, werde ich die kommenden drei Wochen in Chile und Argentinien verbringen, um eine Messe für Lebensmittel aus landwirtschaftlicher Erzeugung, sowie Kleinproduzenten in Chile und Argentinien zu besuchen.

La Serena ist eine Stadt in Coquimbo, eine von 25 Regionen in Chile. Die nördliche Küstenstadt bildet eine Oase in der Wüstenregion. Heute wird hier die erste internationale Agri Food Fair mit Produzenten aus der Region stattfinden.

In den letzten Tagen konnte ich Coquimbo bereits etwas besser kennenlernen. Mit verschiedenen Mitarbeitern des regionalen Ministeriums für Landwirtschaft habe ich Kleinproduzenten für Olivenöl, Tafeltrauben, Wein und Mandeln besucht. In Coquimbo werden vor allem Tafeltrauben, der regionale Traubenschnaps Pisco, Wein, Rosinen, Avokado, Zitronen, Pfirsiche, Papaya und Mandeln produziert. Das regionale Landwirtschaftsministerium unterstützt Kleinproduzenten mit verschiedenen Maßnahmen zur Vermarktung ihrer Produkte. Auch Kleinkredite werden vergeben.

Nördlich von La Serena  sind die Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren. Die Wüste breitet sich zunehmend aus, Wasser wird knapp und folglich immer begehrter. Es ist kaum noch möglich in dieser Region andere Produkte als Olivenbäume anzupflanzen, die geringere Mengen an Wasser benötigen. Ein anderer wichtiger Wirtschaftszweig ist der Bergbau. Chile ist reich an Kupfer und viele Menschen finden in diesem Wirtschaftssektor gut bezahlte Arbeit – im Gegensatz zu den Kleinproduzenten, die in der Landwirtschaft tätig sind. Auf den Straßen sehe ich auffällig viele teure Autos, die den Menschen gehören sollen, die im Bergbau beschäftigt sind.

Die Wasserknappheit in der Region führt zu einer Konkurrenzsituation zwischen Landwirtschaft und Bergbau um das kostbare Wasser. In Chile gibt es Wasserlizenzen, die die Produzenten mit einmaliger Zahlung erwerben können, um Brunnen zu bauen und das Wasser für die landwirtschaftliche Produktion zu nutzen. Ein großes Problem besteht darin, dass viele Bauern ihre Lizenzen für schnelles Geld an große Bergbau-Unternehmen verkaufen und ihnen dann das Wasser für ihre eigene landwirtschaftliche Produktion fehlt. Noch gibt es kein Gesetz, das diesen Verkauf von Wasserrechten verhindert.

Auch die Umwelt bekommt die Folgen des Bergbaus zu spüren. Auf unserer Fahrt durch die bergige Steinwüste fahren wir immer wieder an den unansehnlichen Steinbrüchen früherer Minenarbeiten vorbei. Mit dem Regen gelangen die giftigen Metalle und Chemikalien ins Grundwasser, das dann so auch wieder für die Landwirtschaft genutzt wird.

In Los Choros werden wir in der Kooperative Santa Sazón herzlich empfangen. Die rund 200 Bewohner des kleinen Dorfes leben vorwiegend vom Verkauf ihres Olivenöls und Fisch. Santa Sazón ist eine Kooperative mit 12 Kleinproduzenten. Insgesamt kommen sie auf 57ha Land. Das Olivenöl wird vor allem an Passanten, Touristen und auf regionalen Messen verkauft. Die chilenischen Olivenöl-Kooperativen sind mit einer bundesweiten Organisation Olave vernetzt, die die Kleinproduzenten dabei unterstützt, eine gute und gleiche Qualität des Öls zu erreichen und kommerzielle Kontakte zu knüpfen. In der Kooperative mangelt es noch ein wenig an kollektivem Geschäftsbewusstsein. Es passiert nicht selten, dass einige Landbesitzer ihr Öl unter eigenem Namen verkaufen und nicht an die zentrale Kooperative abführen. Santa Sazón verfügt über mehrere Brunnen und leitet das Wasser mit Hilfe eines Bewässerungssystems an alle Felder.

Guillermo zeigt Jorge die Steinkonstruktion, mit der die Oliven früher gepresst wurden

Guillermo zeigt Jorge die Steinkonstruktion, mit der die Oliven früher gepresst wurden

Südlich von La Serena wird die Umgebung etwas grüner und die Berge noch imposanter. Die Straßen sind relativ gut ausgebaut. Die Täler sind übersät von nicht endenden Weinanbaugebieten. Nach langer Fahrt durch die Berge erreichen wir den ersten Weinproduzenten, der uns erzählt, dass er seinen Wein nur noch schwer in die Supermarktregale vor Ort bekommt, da die neuen großen Supermarktketten die regionalen Produkte nicht mehr in ihr Sortiment aufnehmen. Er verkauft seinen Wein vor allem auf regionalen Messen.

Weinberge in der Umgebung von Punitaqui

Weinberge in der Umgebung von Punitaqui

Auf dem Rückweg nach La Serena besuchen wir die Tafeltrauben-Sociedad Soppuex, bestehend aus  6 Kleinproduzenten, die ihre Trauben an einen Zwischenhändler für den Export nach Europa verkauft. Die Sociedad erhält weniger als ¼ des Verkaufspreises für die Trauben, weniger als der Anteil, den Zwischenhändler einbehält. Ivar, ein Mitarbeiter der Sociedad bemerkt, es würde keinen Unterschied machen, die Ware an einen anderen Exporteur zu verkaufen. Auch dann würden sie nicht mehr Geld  für die Trauben bekommen. Es sei eine „kulturelle chilenische Eigenart“, dass die Zwischenhändler einen großen Teil des Geldes behalten. Vom Fairen Handel haben die beiden Leiter der Sociedad bereits gehört, insbesondere von einer chilenischen Kooperative, die ihre Nüsse bereits im Fairen Handel verkauft.

Bald mehr von Chile, der Messe, Argentinien und von Besuchen bei Fairtrade-zertifizierten Produzenten!

Muchos Saludos!