„Guten Morgen“ auf Amharisch, der ältesten afrikanischen Sprache. Morgens um 8.00 Uhr haben wir den Workshop mit allen Mitgliedern des Joint Bodies und den Inhabern von Sher Ethiopia. Die beiden Fairtrade-Berater waren in der Gründungsphase schon einige Male da und jetzt ist ja der „faire Ernstfall“ eingetreten, sprich die ersten 300.000 Euro Prämiengelder sind geflossen. Den Blumenkäufer bei Edeka und Netto sei Dank!

Wo liegen die Prioritäten? Wie so oft stehen am Anfang Gesundheit und Bildung im Fokus. Den Anfang hat Sher gemacht und viel in ein Krankenhaus und eine Schule investiert. Im Umkreis von 100km! gab es bisher keine ärztliche Versorgung. Die neue Poliklinik deckt mit 140 Ärzten und Schwestern und einer guten Ausstattung viele medizinische Nöte ab. Ein eigener Krankenwagen ist für die ganze Region im Einsatz. Keiner wird weggeschickt, keiner muss zahlen – egal ob jemand auf der Blumenfarm arbeitet oder nicht. Rund 300 Menschen kommen am Tag,um sich helfen zu lassen. Hier leistet die Fairtrade-Prämie einen wichtigen Beitrag zum Unterhalt und zum Ausbau.

 

Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Fairtrade-Prämien weiterhin ein Schulzentrum für 3.500 Schüler mit Kantine und Bücherei unterstützt. Die Kinder der Sher-Arbeiter hätten sonst kaum eine Möglichkeit zur Schule zu gehen. Auch hier wirkt Fairtrade, damit die nächste Generation bessere Chancen hat.

In unserem Workshop kommt es zu einem regen Informationsaustausch. Dazu gehört auch die Darstellung, wie Fairtrade weltweit funktioniert und wie wir in den Konsumentenländern arbeiten. Diese fremde Welt für die meisten BlumenarbeiterInnen wurde sehr interessiert aufgenommen.

So ging auch dieser Tag wie im Fluge vorbei. Der dritte Tag gilt neben weiteren Zusammenkünften auch dem Besuch der Schule, dem Krankenhaus und anderer Einrichtungen. Die Gespräche mit Gewerkschaften und Management laufen auch weiter.

Es ist schön und gleichsam befriedigend zu sehen, welche Entwicklungen selbst in kürzerer Zeit möglich sind. Arbeiter, die sonst kaum Gelegenheit haben, untereinander und mit dem Management zu diskutieren, sind keine Selbstverständlichkeit, weder in Afrika noch sonstwo. Aber nur so kann sich das entwickeln, was wir bei Fairtrade „Empowerment“ nennen. Bei Sher hier am Lake Ziway sind sie gut unterwegs.

Ich bin auch gut unterwegs und lasse in den nächsten Tagen weiter von mir hören.