10 Tage Peru, wir haben viele Menschen kennen gelernt und Eindrücke in die harte aber auch zukunftsträchtige Bananenproduktion gesammelt. Dabei haben wir auch Domingo Isaias Vidal Espinoza, ein kleiner drahtiger Bananero mit sonnengegerbtem Gesicht getroffen.

Der Alltag eines Bananero

Der 44-Jährige wurde 2013 von Acprobocea als bester Bananenbauer in Qualität und Quantität ausgezeichnet. Dafür arbeitet er jeden Tag hart. „Ich stehe jeden Morgen um 5:30 Uhr auf, um frühzeitig meine erste Runde auf der Bananenparzelle zu drehen und Unkraut zu jäten.“ Danach fährt er mit seinem Fahrrad nach Hause, um mit seiner Familie zu frühstücken. Nach kurzer Pause geht es weiter. Düngen, Wässern, überzählige Triebe umpflanzen oder abschlagen, Bananenstauden polstern und mit Plastiksäcken umhüllen, um Insekten fernzuhalten, Krankheitskontrolle, und und und. „Die Arbeit muss ganz gleichmäßig durchgeführt werden, um die beste Qualität zu erhalten“, erklärt Domingo. „Mit dieser intensiven Behandlung haben wir es geschafft, die Mancha roja kontrollieren zu können.“ Ist eine Banane mit diesem Insekt befallen, kommt sie nicht durch die Qualitätskontrolle für den Export.

Nach dem Frühstück geht es wieder aufs Feld, an manchen Tagen bis zu dreimal. Wieder kommt die Machete zum Einsatz: Unkraut jäten und Bananenblätter ausbreiten, um den Boden vor Austrocknung zu schützen. Dabei kann Domingo auch schon die Bananenstauden markieren, die groß genug sind, sodass sie beim nächsten Erntezyklus abgeerntet werden sollen. Domingo erntet auf seinem halben Hektar Land alle 12-15 Tage jahreszeitenabhängig 40 nis 80 Kisten. Dafür erhält er sechs Dollar pro Kiste, also rund 15 Soles. „Dank des Fairen Handels haben wir jetzt einen festen Preis. Dadurch kann ich langfristig planen“, erklärt Domingo. Früher habe er in einer Getränkefabrik gearbeitet, bis er das nötige Geld für seine eigene Parzelle zusammen hatte. „Seit 19 Jahren pflanze ich Bananen an, aber erst seit ich bei Acprobocea bin und wirüber den Fairen Handel exportieren können,  komme ich Schritt für Schritt vorwärts.“

Domingo lädt uns zu sich nach Hause ein. Das Dorf Puente de los Cerranos liegt etwas erhöht oderhalb eines kleinen Sees, der abendsvon Enten bevölkert wird. Trotz der Seenähe ist Puente de los Cerros sehr trocken und staubig. Viele der rund 2000 Einwohner halten Kühe, Ziegen, Schweine und Geflügel für den eigenen Verbrauch. Das Futter für die Tiere muss diesem kargen Boden ebenfalls abgetrotzt werden. Eine Kunst, die die Bauern hier beherrschen.

Domingo zeigt uns stolz sein Haus. Es ist ein einfaches Lehmhaus, das er liebevoll mit Ornamenten verziert hat. „Ich hätte gerne ein Haus aus Ziegelsteinen“, sagt Domingo. Damit fühle er sich sicherer, wenn im Frühjahr die Erde manchmal zittert. Zunächst reicht es aber nur für einen gemauerten Anbau für den Sohn Jordi, der mit seinen drei Jahren nun endlich ein eigenes Zimmer bekommen soll. Als Spielkameraden hat Jordi 17 Gänse und sieben Hühner, die seine Mutter Mercy im Hinterhof hält.

Auf einige von ihnen muss Jordi nach dem hier in Peru wichtigen Vatertag verzichten. Domingo hat dazu seine 16 Geschwister und Halbgeschwister samt Familien eingeladen. Familie ist weiterhin das wichtigste Gut. Daher kann der Faire Handel auch nicht seinen wichtigsten Wunsch erfüllen – ein zweites Kind.

„Wir wollen vorwärts kommen“

Vor kurzem hat er sich zusätzlich ein kleines Stück Land kaufen können, auf dem er Reis für den heimischen Markt anpflanzt. Domingo ist umtriebig und sucht nach verschiedenen Einnahmequellen. In seiner wenigen Freizeit stellt er Kunsthandwerk aus Recyclingmaterial her, das er manchmal auch verkaufen kann. Sollte demnächst wieder Land zum Verkauf anstehen, möchte er gerne ein weiteres Stück erwerben. „Wir wollen ja vorwärts kommen.“ Fortschritt – desarrollo – ist in Peru immer noch DAS erstrebenswerte Ziel.

Zunächst steht aber die Reise nach Deutschland an. Weder Juan noch Domingo sind jemals über Puira hinaus gekommen. Gemeinsam möchten sie sich im September auf diese weite Reise begeben und aus erster Hand von ihrem Alltag und Erfahrungen erzählen.