Die Kleinbauern und -bäuerinnen von Kasinthula leben im tiefliegenden Chikwawa-Gebiet, welches die niedrigsten Niederschlagsmengen im gesamten Land verzeichnet. Die langen Trockenperioden führen dadurch fallweise zu Hungersnöten, in der Regenzeit hingegen (zweimal im Jahr) ist die Region besonders hochwassergefährdet.

Für über 85% der Bevölkerung Malawi´s stellen Einkommen aus der Landwirtschaft die Lebensgrundlage dar, wobei der Rohrzucker neben Tabak und Tee das drittwichtigste Exportprodukt der Region ist. Die Entwicklungen im Zuckersektor wurden jedoch stark beeinträchtigt durch zu hohe Investitionskosten, fehlende Infrastruktur und Technologie sowie inadequate Gesundheitsversorgung der ArbeiterInnen.

Im Jahr 2002 wurde die Zuckerkooperative Kasinthula von der Fairtrade Labelling Organization (FLO) zertifiziert und liefert seitdem Fairtrade Rohrzucker für eine zunehmende Anzahl an Unternehmen in Europa und in den USA. Durch die Fairtrade-Prämie konnten seither viele erfolgreiche Projekte investiert werden.

Im Rahmen des ersten Projektes der Kooperative wurden Brunnen gebohrt, um in zwei Dörfern den Zugang zu sauberem Trinkwasser herzustellen. Vor dem Bau der Brunnen hat verunreinigtes Wasser häufig Krankheiten wie Bilharziose (Wurmkrankheit), Cholera und Durchfall verursacht. Im Dorf Salumeji wurden vor kurzem unterirdische Rohre verlegt, welche nun sogar Fließwasser in den Häusern der Farmer und ihrer Familie ermöglichen.

Kasinthula hat außerdem die Installation von Elektroleitungen im Dorf Chinangwa finanziert, welches davor keinen Zugang zu Elektrizität hatte.

Kasinthula hat das lokale Krankenhaus mit dem notwendigen Medikament „Praziquantel“ versorgt, welches für die Behandlung von Bilharziose (Wurmkrankheit) benötigt wird. Das Regierungskrankenhaus musste zuvor 3 Jahre lang ohne diese Medikament arbeiten, obwohl diese Krankheit im Gebiet sehr häufig vorkommt.
Zudem konnten einige Fahrräder zu mobilen „Krankentransportern“ umgebaut werden. Die Räder wurden speziell adaptiert, um Menschen auf einem einfachen und schnellen Weg zur nächsten medizinischen Versorgungsstation transportieren zu können.

Die Kinder von Chinangwa vor ihrer Grundschule

Das nächste Projekt der Kooperative, welches wir anschauen, ist die Grundschule in Chinangwa.

Kasinthula investiert zudem in Wiederbepflanzungen und Neupflanzungen auf den Zuckerrohrfeldern. Dadurch können die Ernteertäge über mehrere Perioden hinweg verbessert werden.

Am letzten Tag unseres Besuches in Malawi hatten wir noch die Gelegenheit, den Bürgermeister von Blantyre, Herrn Ted Nandolo, zu treffen. Der charismatische Bürgermeister begann seine Rede auf Deutsch, da er einige Zeit in Deutschland verbrachte. Von der Idee, Blantyre zur Fairtrade Town zu machen, war er rundum begeistert. Darin unterstützen wir ihn gerne!