Craig ist ein weißer Kenianer in der dritten Generation und der „grünste“ unter den Blumenfarmern. Seine Leidenschaft für ein funktionierendes Ökosystem am Naivashasee ist physisch spürbar. Er hat vor zwei Jahren die Farm landeinwärts verlegt, um dem See mehr Schutzraum zu verschaffen  und forstet nun das komplette Gelände mit Bäumen und Pflanzen auf.

Viele Hektar werden so als natürlicher Puffer zwischen Farm und See aufgebaut. Am Seeufer stellen die Papyruspflanzen einen besseren Naturfilter dar. Inzwischen hat der See unzählige Papyrusinseln. Es hat Spaß gemacht, in Gummistiefeln in dem sumpfigen Gelände mit Hand anzulegen. Es ist jetzt schon ein kleines Paradies; von den Hippos bis zu einer Riesenpython, (die sich zum Glück ins Unterholz verzogen hat), hat die Natur schon alles zurückerobert.

 

Danach begleiteten wir Elyah Chege, ein Mitarbeiter eines Projektes zur Erforschung des Ökosystems des Naivashasee. Dieses Projekt gehört zur Universität Leicester und wird von dem renommierten Prof. Harper betreut. Sie beobachten seit Jahren das besondere Biotop im Rif Valley. Die Vielfalt der Tiere, gerade der Vogelwelt vom Seeadler bis zu Kormoranen oder Flamingos, ist atemberaubend. Wir konnten uns davon bei einer Bootstour rund um den See überzeugen. Natürlich ist die enorme Zahl der Blumenfarmen am See auch unübersehbar, aber ALLE Farmen müssen sich an strenge Regeln halten und dürfen mittlerweile keinerlei Abwässer in den See abführen. Die Entnahme von Wasser für die Bewässerung ist auch streng limitiert. Was Wassermanagement und interne Filtersysteme angeht, haben nach Meinung der Uniexperten die Fairtrade-Farmen klar die Nase vorn und dienen hoffentlich als best practise für die anderen Farmen.

Der Bootsführer war zum Glück so erfahren, dass wir nie näher als 20 Meter an die mächtigen Flusspferde herankamen. Die auf 9000 angewachsene Population ist auch akustisch deutlich hörbar.

Faire Rosen aus Kenia schaden also definitiv nicht diesem Naturparadies, im Gegenteil: Fairtrade zeigt, wie Kenia an den Welthandelsströmen teilnehmen kann, nachhaltig mit den natürlichen Ressourcen umgeht und für viele Kenianer Arbeitsplätze schafft. Darüber hinaus hat eine Schnittblume aus Kenia außer in der Sommerzeit eine bessere Klimabilanz als das Pendant aus einem holländischen Treibhaus.  Auf den Punkt gebracht schaut es so aus:

Kenia: viele Arbeiter – wenig Energieverbrauch  ->
pro Hektar 17 Arbeiter
Holland: wenige Arbeiter – viel Energie  -> pro Hektar 0,5 Arbeiter

 

Daher muss es ein Ziel sein, so viele Farmen wie möglich zu einer nachhaltigen Produktion anzuhalten.