2_4Heute Morgen sind wir schon sehr früh losgefahren, um auf der Finca von Sonia Alejandra Medina den Tag mit einer spirituellen Zeremonie zu beginnen. Doña Sonia gehört dem indigenen Volk der Lenka an und ist eine spirituelle Heilerin.

Je näher wir unseren Ziel kommen, umso schlechter werden die Straßen, umso ärmer die Hütten. Es ist deutlich anzumerken, dass der Staat Honduras die traditionellen Provinzen der Mayavölker vernachlässigt und keine Infrastruktur aufbaut. Wir kommen auf den Schotterpisten, die nicht mit Schlaglöchern geizen, nur dank des Vierradantriebs voran. Weniger Kilometer benötigen entsprechend viel Zeit.

Spuren des zerstörerischen Kaffeepilz‘

Wir fahren Hügel um Hügel an grünen Kaffeesträuchern vorbei, teilweise unter Bananenstauden angebaut, teilweise unter Kieferbäumen, dann wieder an unberührten Waldstücken. Plötzlich stoppen wir und Doña Sonia zeigt auf ein verwildertes Stück Land.

Hier zerstörte der Kaffeepilz 2013 ihre gesamte Ernte. Neun Hektar Land hat sie von ihrem verstorbenen Mann geerbt, auf dem Sie acht Kinder großgezogen hat. Befällt der Pilz die Pflanze, sterben die Blätter ab und die schwarze Kaffeekirsche ist unverkäuflich.

Doña Sonia rief ihre gleichnamige Tochter zur Hilfe, die bei Comsa das Beratungsteam leitet. Aber auch Comsa konnte Doña Sonia nicht unterstützen, denn die Kaffeeorganisationen befand sich selber in großen Schwierigkeiten durch den weit verbreiteten Pilzbefall. Der Schaden war so groß, dass der Staat finanzielle Unterstützungsprogramme für Kleinbauern auflegte.

Erfolgreicher Neuanfang2_3

Die beiden Sonias nutzen die Anschubfinanzierung, um drei manzanas nach den biologischen Erkenntnissen von Comsa neu anzupflanzen.“Wir haben nach den biologischen Erkenntnissen von Comsa die neue Finca angepflanzt“, zeigt Doña Sonia stolz. Einige Kaffeepflanzen tragen nach weniger als zwei Jahren jetzt schon die ersten Fruchtstände.

Mitten im neu angepflanzten Kaffeefeld hat Doña Sonia einen Altar aus Gras, Mais, Blumen und Kerzen aufgebaut, die Blumenfarbe korrespondiert mit der Farbe des Mais. Die Zeremonie beginnt. Doña Sonia umkreist den Altar mit Weihrauch. Dann werden allen vier Elementen Gebete entgegen gebracht und auch eine farblich abgestimmte Kerze angezündet und zuletzt wird im Zentrum der Erde und dem Himmel gedacht.

Doña Sonia besprüht uns mit Weihwasser und fordert uns auf, das Korn und die Blumen mitzunehmen, denn in einer indigenen Zeremonie darf nichts zurückbleiben. Doña Sonia ist eine beeindruckende Person, die mit ihren 68 Jahren eine ansteckende Fröhlichkeit und Zuversicht ausstrahlt.

Anschließend sind wir zum Frühstück in ihrem Haus eingeladen und stäken und mit leckeren Maistortillas gefüllt mit gestampften Bohnenmus und Käse. „Ich bin sehr zufrieden, Dank Fairtrade erhalten wir einen höheren Preis, die Fairtrade-Prämie erreicht hier die Menschen und gemeinsam kommen wir voran. Ich freue mich, wenn wieder ein Kind eines Mitglieds ein Stipendium erhalten hat, denn die Kinder sind unsere Zukunft.“ Wehmütig und dankbar verabschiede ich mich von dieser charismatischen Frau.

Schule für’s Leben2_2

Auf dem Rückweg fahren wir an drei Schulen vorbei, die von Comsa mit Geld, oder Arbeitskraft oder Unterrichtsstunden unterstützt werden. Diese Kinder wissen jetzt schon, wie sie nachhaltig biologischen Mais, Radieschen, Salat oder Zwiebeln anbauen können – und was daraus Leckeres gekocht wird.

Zuversicht in die Zukunft

Am Abend essen wir gemeinsam mit Rudolpho, Betty, Oscar, Marcos, Liana, Sonia, Iris und viele weitere Mitgliedern zu Abend. Es wird viel gelacht, Comsa hat die Krise gestärkt überstanden, die Menschen sehen zuversichtlich nach vorne. Oscar stimmt mit Unterstützung einer Mariachiband den Kaffeeklassiker „ojalá que llueve“ mit leicht veränderten Text an “ Ojalá que se vaya la roya.“ Unter dem tosenden Applaus der anderen Gäste tanzen Rudolpho und Betty dazu. Dank Bioanbau hat Comsa den Kaffeepilz im Griff.

2_5Es gibt noch viele Geschichten zu erzählen, von Comsa Mitgründer Mario Perez und seiner Familie Josalinda, Marito und Linda Carlotta, die alle mit und für Comsa arbeiten und die gemeinsame Vision einer gesunden und gerechten Welt teilen. Oder Betty, die eigentlich Miriam Elisabeth heißt, für die Fairtrade Zertifizierung verantwortlich ist und geneinsam mit ihrer Tochter in den abgelegenen Gebieten Medizinische Brigaden organisiert. Davon aber erst in den nächsten Tagen…