Gestern waren wir mit Manuel Aguirre unterwegs, dem hiesigen Liaison Officer. Er ist Agronom und seit 2003 für Fairtrade unterwegs. Zuerst als FLO-Cert Auditor und seit 2005 als Berater vor Ort. Er berät die Produzentenorganisationen zu Zertifizierungsfragen, Organisationsentwicklung, Weiterbildung, Entwicklung von Wirtschaftsplänen, Demokratisierung und weiteren Herausforderungen. Manuel berät hier im Norden 50 verschiedene Organisationen, davon 25 Bananenvereinigungen.

Die Entwicklung ist unbeschreiblich, früher war hier einfach nur Brachland, heute leben immer mehr Bauern vom Fairen Handel mit Bananen. Bevor sich BOS – Bananeros Organicos Solidarios – vor 12 Jahren zusammengeschlossen hat, kamen alle 15 Tage Erntetrupps der großen Bananenmultis vorbei und ernteten die Reifen Bananenstauden. Dafür erhielten sie dann 2 US-Dollar pro Kiste. Teilweise war es so wenig, dass die Bauern die Bananen lieber an der Staude hängen ließen, statt sie zu ernten.

Manuel Aguirre - Liaison Officer in Peru

Die Entwicklung im Valle de Chira ist unbeschreiblich: Früher war hier nur Brachland, heute leben immer mehr Bauern vom Fairen Handel mit Bananen.

Als 2006 Apbebosa als erste Organisation vor Ort Fairtrade zertifiziert wurde, verdoppelten sich die Einnahmen der Bauern aus dem Bananenanbau. Heute werden im Valle de Chira und Umgebung auf fast 6000 Hektar Bananen angebaut. Die Kleinbauern haben sich zu Associaciones zusammen geschlossen, die für ihre Mitglieder die Ernte und die Logistik übernehmen. Der Fairtrade-Bio-Bananenpreis FOB (=freight on board) in Peru liegt derzeit bei 12 US-Dollar, davon erhalten die Bauern die Hälfte. Die Organisation zahlt von der anderen Hälfte die Erntehelfer, die technische Beratung, Reklamationen, die Directiva, Versammlungen, Fortbildungen, Logistik zum Hafen, Abschreibungen, Zertifizierungen und 1,50$ pro Kiste. Über die Verwendung der Prämie entscheiden die Mitglieder. Derzeit gehen circa 80% in Infrastrukturmaßnahmen. Die habe ich ja schon früher berichtet.

Die neue Aufgabe, der sich Manuel nun widmet ist die Stärkung der Arbeiterrechte. Auch hier in Peru beschweren sich Bauern darüber, dass sie schlechter abgesichert seien als die Angestellten. Die Arbeiter hingegen möchten stärker ihre Rechte gewahrt sehen und ebenfalls von der Prämie profitieren. In den Workshops sind auch Gewerkschaftsvertreter dabei und wir sind erst am Anfang einer ganzen Reihe von gemeinsamen Veranstaltungen.

Leider hat mein Magen heute nicht mitgespielt und gerne hätte ich mich einfach nur zwischen Toilette und Bett hin und her bewegt. Aber der enge Zeitplan lässt keine Pause. Jetzt hoffe ich auf eine gute Nacht – Peru ist sieben Stunden hinter Deutschland. Morgen melde ich mich wieder, vermutlich aus dem Feld. Dann werde ich vermutlich das Deutschlandspiel gegen Ghana verpassen. Bestimmt hat irgendjemand ein Radio dabei :-)