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Matilde, Merlin und der Kaffee mitten im Wald

Geschrieben von Melanie Leucht

In Honduras baut das Ehepaar Matilde Perdomo Romero und Merlin Alexis Urrea Pinto Bio-Kaffee mitten im Wald an – und trotzt mit Unterstützung von Fairtrade den Auswirkungen des Klimawandels.

Beim gemeinsamen Foto steigt Matilde kurzerhand auf einen Stein – so ist sie genau so groß wie ihr Mann Merlin. Gleichberechtigung ist in der Ehe der zwei Kaffeeproduzent*innen aus Honduras wichtig: Matilde hat fünf Hektar Land in die Ehe gebracht, Merlin ebenfalls. Gemeinsam bauen sie hier, im mittelamerikanischen Land, zehn Hektar Bio-Kaffee an.

Merlin liegt der Erhalt der Natur und die Qualität seines Kaffees sehr am Herzen.

Schon seit 27 Jahren sind sie verheiratet, zwei der drei gemeinsamen Kinder sind fürs Studium ausgezogen. Seit genau zehn Jahren sind die Farmen von Matilde und Merlin Fairtrade-zertifiziert – sie sind Mitglieder in der Kaffeekooperative CAFESCOR, die ausschließlich Bio- und Fairtrade-Kaffee verarbeitet und exportiert, unter anderem für deutsche Abnehmer.

Auf den ersten Blick sieht man die Kaffeesträucher vor lauter Wald nicht: In dieser Region von Honduras, Copán, wachsen die kostbaren Kaffeekirschen mitten im Wald, unter Bäumen und Palmen. Das hängt mit der Bodenbeschaffenheit zusammen: Die Erde hier ist sehr kompakt, die Bäume lockern die Erde auf und verhindern Bodenerosion. Sie schützen den Kaffee zudem vor der Sonne.

Matilde und Merlin produzieren ausschließlich Bio- und Fairtrade-zertifizierten Kaffee.

Der Klimawandel macht ihnen trotz der Biodiversität um sie herum zu schaffen. „Manchmal regnet es zu viel, gerade, wenn die Kaffeesträucher blühen. Da werden die ganzen Blüten, die später zur Kaffeekirsche heranreifen sollen, heruntergefegt“, sagt Merlin, Kaffeebauer in vierter Generation. „Manchmal ist es wiederum zu trocken, so dass die Kirschen sich nicht voll entwickeln und klein bleiben.“ Daher sei die Produktion bei der letzten Ernte gesunken.

Nach der Ernte werden die Kaffeebohnen von der Fruchthülle befreit, fermentiert und getrocknet. Auch die Lagerung des Rohkaffees erfordert viel Expertise.

Unterstützung bekommen sie von der Kooperative CAFESCOR – und von Fairtrade. „Die Agraringenieure der Kooperative stehen uns mit Rat und Tat zur Seite“, erzählt Matilde. Zudem bekommen die Landwirt*innen über Fairtrade Trainings und Beratung, um zum Beispiel neue, klimaresistentere Kaffeesorten anzubauen.

Matilde und Merlin können sich kein anderes Leben vorstellen – sie leben und lieben den Kaffeeanbau auf ihrem eigenen Land.

„Wir sind im Kaffeeanbau groß geworden und haben sozusagen Kaffee im Blut“, sagt Matilda und lacht. „Für uns ist es wichtig, den Kaffee im Einklang mit der Natur anzubauen“, betont sie. Schließlich die Farm irgendwann auf die Kinder übergehen – und sie sollen trotz Klimawandel eine Zukunft im Kaffeeanbau haben.

Text: Marcelo Crescenti
Bilder: Miguel Tabora

Matilde und Merlin zu Gast zur Fairen Woche 2025

Wir freuen uns sehr, Matilde Perdomo Romero und Merlin Alexis Urrea Pinto als unsere Gäste zur Fairen Woche im September 2025 begrüßen zu dürfen. Auf ihrer Rundreise durch Deutschland berichten sie von ihrer Arbeit, den Herausforderungen im Kaffeeanbau und der Wirkung von Fairtrade in ihrer Kooperative.

Die Faire Woche, die größte Aktionswoche zum fairen Handel in Deutschland, findet von 12. bis 26. September statt. Bundesweit organisieren Engagierte des fairen Handels, Fairtrade-Towns, -Schulen und -Hochschulen, Weltläden und lokale Aktionsgruppen rund 1.500 Aktionen, um den fairen Handel in Deutschland zu fördern.  

Matilde und Merlin sind außerdem die Gesichter unserer Kampagne „Wir alle sind Fairtrade„, die vom 1. bis 15. Oktober 2025 Verbraucher*innen bundesweit dazu aufruft, beim Einkauf auf Produkte mit dem Fairtrade-Siegel zu achten.

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