Zum dritten Mal besuchte ich dieses Jahr die Africa Fairtrade Convention, die diesmal in Ostafrika stattfand. In der Hauptstadt Äthiopiens, Addis Abeba, trafen sich die Produzenten des afrikanischen Kontinents um über die Stärkung Ihrer Rolle innerhalb der Lieferkette zu diskutieren und neue Kontakte zu knüpfen. Zwei Tage lang wurden Vorträge gehalten und in verschieden Arbeitsgruppen besprochen. Die Ergebnisse wurden im Plenum vorgestellt.

Neu an dieser Veranstaltung, die mit jedem Jahr größer und professioneller wird, war, dass zusätzlich Workshops zu aktuellen Themen veranstaltet wurden. Diese Neuerung wurde von allen als extrem positiv wahrgenommen. Sie bot den Produzenten, die untereinander über die Netzwerke Nord-, West-, Ost- und Südafrika in regelmäßigem regionalen Kontakt stehen, die einmalige Gelegenheit sich mit Kollegen aus allen Ländern des Kontinents auszutauschen. Da auch Vertreter von FLO und aus den Labelling Initiativen anwesend waren, kam zusätzlich auch ein Austausch mit dem Norden zustande.

Ein Novum war auch die prominente Rolle, die die Belange von Fairtrade-Arbeitern auf dieser Convention spielten. Es gab Workshops zur, sich gerade in der Entwicklung befindlichen, Strategie zur Erhöhung des Nutzens von Fairtrade für Arbeiter, zur Repräsentation von Arbeitern in den Steuerungsgremien des Fairtrade-Systems sowie zur Verwendung der Prämien auf Plantagen. Diese Workshops waren nicht nur gut besucht, sondern auch ein Forum für heiße Diskussionen, die nicht immer im Konsens endeten und weitergeführt werden müssen.

Auch über die Überarbeitung der Handelsstandards, die gerade gestartet hat, wurde intensiv diskutiert. Die Produzenten setzten sich detailliert mit dem feinen Balanceakt auseinander, den die Überarbeitung meistern muss: einerseits gilt es die Anforderungen an Händler so zu erhöhen, dass die Position der Produzenten in der Wertschöpfungskette kontinuierlich gestärkt wird; andererseits dürfen sie nicht in einem solchen Ausmaß verschärft werden, dass ein Verlust von Absatzmöglichkeiten droht. Als Vertreter von Labelling Initiativen konnten wir hier eine Marktperspektive einbringen. Die meisten der teilnehmenden Produzenten waren sich dieser Gefahr allerdings ohnehin sehr bewusst und entwickelten kreative Lösungsvorschläge, die in das Ergebnis einfließen werden.

Die Convention bietet eine hervorragende Gelegenheit zu einem derartigen Erfahrungsaustausch. Er ist von unschätzbarem Wert ist, da er dazu dient, dass wir uns alle unsere Lebenswirklichkeiten näher bringen können. Es reicht nicht nur Produzenten ein Gesicht zu geben, aus Produzentensicht brauchen auch die Konsumenten ein Gesicht. Um erfolgreich am Marktgeschehen teilnehmen zu können, wollen Produzenten wissen, wie die Märkte funktionieren und was Konsumenten bewegt. Um zu zeigen, wie Fairtrade sich den Konsumenten darstellt, hatte TransFair auch diesmal wieder einen Stand auf der angeschlossenen Ausstellung. Gemeinsam mit den Labelling-Initiativen aus Belgien, der Schweiz, Kanada, Großbritannien und Südafrika stellten wir Produkte aus Afrika und Materialien aus. Unser Stand war stets gut besucht und bot eine weitere Gelegenheit zum ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen.

Vor- bzw. nach der Convention bestand die Möglichkeit entweder eine Blumenfarm oder die Oromia Coffee Farmers Cooperatives Union (OCFCU) zu besuchen. Gemeinsam mit einer Reihe kenianischer Kaffeeproduzenten entschied ich mich für den Besuch der Anlagen der OCFCU in Addis Abeba. Die Kooperativen der Union haben sich 2001 zusammengeschlossen und repräsentieren eine absolute Erfolgsgeschichte. Durch ihren Zusammenschluss haben sie ihre Position so gestärkt, dass sie mittlerweile über professionelle Lagerhäuser und Weiterverarbeitungsanlagen verfügen und den Export ihres Kaffees erfolgreich selbst managen. Sie exportieren weltweit und sind unter anderem sechstgrößter Lieferant von Fairtrade-Kaffee für den deutschen Markt. OCFCU-Kaffee erzielt gute Preise; die Gewinne werden als Dividenden an die Mitglieder ausgeschüttet (mehr Details im folgenden Bericht). Nicht nur ich, sondern auch die kenianischen Produzenten waren schwer beeindruckt und stellten viele Fragen, um vom Wissen ihrer Kollegen zu profitieren. Weitere gegenseitige Besuche wurden vereinbart.