In der Woche vom 16.01.-20.01.17 fand mein zweites Seminar, organisiert von der ijgd und uns, in Rheinbach/Merzbach statt. Als Thema hatten wir uns den Extremismus ausgesucht, zu dem wir alles Mögliche herausfinden wollten.

Eine Woche voller Arbeit

Unsere Woche begann um Montag um 12 Uhr. Mit Zug und Bus ging es ab aufs Land. Schnell fanden sich alle Teilnehmer auf dem Weg und nach herzlichen Begrüßungen begannen die ersten Diskussionen. Zwar hatten wir ein grobes Programm, die Einzelheiten wurden jedoch von vier anderen FSJlern geplant. Nach der Ankunft gab es einen kleinen Snack und nach einer kleinen Vorstellungsrunde wurden die Zimmer eingeteilt. Da wir die einzigen im ganzen Haus waren, hatten wir dabei sehr viel Freiraum.

Gegen 3 Uhr fanden wir uns dann in einer Runde zusammen. Gemeinsam wurde ein wenig über unsere Arbeitsstelle und unsere Erwartung an das Seminar gesprochen. Danach überlegten wir uns einige Fragen an Dominik Schmitz, einen ehemaligen Salafisten, der uns am Dienstag besuchen wollte. Dabei kamen auch die ersten Mutmaßungen auf – wie man extrem wird, wie sich das ganze wiederspiegelt, und natürlich wie eine Abgrenzung gelingt. Um das Ganze besser einzuordnen, versuchten wir, eine allgemeingültige Definition zu finden. Das fiel uns allen jedoch schwerer als gedacht – sodass wir am Abend ergebnislos dastanden. Nach einem leckeren Abendessen saßen wir noch zusammen, diskutierten weiter und spielten Gesellschaftsspiele.

Am nächsten Tag ging es dann wieder um 8 Uhr los. Nach dem Frühstück erfuhren wir, dass Dominik Schmitz erst später kommen würde. Wir überlegten uns also weitere Fragen und sprachen dann über Populismus. Dabei machten wir ein kleines Selbstexperiment – und vertraten einmal Meinungen, die unseren widersprachen. Das stellte sich als schwerer heraus als erwartet, machte das Ganze aber um einiges spannender – denn oft sind wir alle einer Meinung.

Eine Erfahrung fürs Leben

Gegen 2 Uhr erreichte uns Dominik und es ging sofort los mit unserem Gespräch. Dominik erzählte uns ausführlich, wie er zum Islam kam – auf der Suche nach sich selbst beziehungsweise auf der Suche nach einem Sinn. Sein Weg vom schulschwänzenden Kiffer, der sich ab dem 17. Lebensjahr komplett dem Islam zuwandte, war sehr interessant. Er erzählte auch von seiner Ehe, den daraus entstandenen Kindern, seinem Youtube-Channel und wie er sich langsam von seinen extremen Gedanken abwendete. Auch sein Leben nach dem Austritt wurde angeschnitten, wie er zum Beispiel aus seiner Heimat wegziehen musste. Besonders interessant war für uns seine Erfahrung über den Austritt. Wie das Ganze vermieden werden konnte beziehungsweise wie er permanent Halt danach fand, ohne erneut in eine extreme Welt abzurutschen.

Schnell war die Zeit mit ihm rum. Nach einem veganen Abendbrot ging es weiter an die Arbeit. In zwei Vorträgen erfuhren wir einige Grundinformationen über die NSU und die RAF. Wir teilten die wichtigsten Daten auf Kleingruppen auf, die am nächsten Tag im Haus der Geschichte recherchierten sollten.

Gegen 22 Uhr waren wir dann zum Glück fertig. Der Tag hatte uns alle ziemlich erledigt und so waren wir sehr froh, endlich ins Bett zu gehen.

Ein Tagesausflug nach Bonn war ebenfalls auf dem Programm

Mittwochs ging es dann ins Haus der Geschichte, wo wir nach einer „kurzen“ Führung (mit einer ungeplanten Überlänge von 45 Minuten) im Zentrum über die Reaktion der Medien, Gesellschaft und Politik zu unseren Daten recherchierten. Wir hatten leider das Pech, Daten, die zu der Zeit als unwichtig galten, zu haben. Trotzdem konnten wir einige interessante Sachen finden, die uns sehr weiterbrachten. Am Abend verglichen wir dann unsere Ergebnisse.Des Weiteren werteten wir unser Seminar aus. Dabei fiel uns allen auf, dass wir unser Thema einfach zu weit gefasst hatten – und wir so einfach zu keinem Ergebnis kamen. Für die Zukunft haben wir gelernt, dass eine möglichst enge Eingrenzung des Themas wichtig ist, um am Ende einer Diskussion die Leitfragen präzise beantworten zu können.

Das brachten wir auch direkt für das nächste Seminar ein, welches wir am Donnerstag planten.

Nach vielen, sehr guten Vorschlägen, und unzähligen Berater- und Planstunden fiel das Urteil dann deutlich auf die Idee, eine eigene Partei zu gründen. In das zugehörige Parteiprogramm werden wir dann die Erkenntnisse dieses Seminars einbauen und großen Wert auf politische Bildungsarbeit legen, die rechtspopulistische und extremistische Strömungen verhindern und einen kritischen Umgang mit politischen und religiösen Ideologien zum Ziel haben soll.

Am Freitag räumten wir noch auf, bevor wir alle den Heimweg antraten. Dabei waren sich alle einig – das nächste Mal (diesmal wieder in Kürten!) kann nicht schnell genug kommen!