„Ohne den Fairen Handel und die Fairtrade Prämie wären wir nicht da, wo wir heute sind.“

Diesen Satz haben Bettina und ich nicht nur einmal gehört, sondern in vielen der Fairtrade Kaffeekooperativen, die wir in den letzten zwei Wochen in Honduras besucht haben. Unsere Reise hat uns durch den Westen des Landes zu neun Kooperativen geführt. Unterwegs waren wir mit Sonia Vasquez und Iris Reyes, Mitarbeiterinnen der Coordinadora Hondureña de Pequeños Productores (CHPP), einem freiwilligen Zusammenschluss der Fairtrade-zertifizierten Kaffeekooperativen, die die Produzenten vor Ort mit verschiedenen Initiativen und Schulungen beraten und weiterbilden.

Besuch der neun Fairtradekooperativen in Marcala, Quiraguira, La Esperanza, Jimilile, La Labor und Sensentí

Bei unseren Besuchen haben wir u.a. darauf geachtet, wie die Kooperativen die Fairtrade Prämie nutzen und welche Projekte sie damit durchführen. Die Produzenten entscheiden gemeinsam in einem demokratischen Prozess, in welche sozialen, ökologischen oder ökonomischen Projekte die Prämie investiert wird und welche Ziele erreicht werden sollen. 

Nach unseren Beobachtungen haben die Kooperativen die Fairtrade-Prämie vor allem in vier verschiedene Bereiche investiert: Organisationsentwicklung, Produktivitäts- und Qualitätsverbesserung, Infrastruktur und soziale Projekte.

Hier ein paar Beispiele aus den verschiedenen Bereichen

Organisationsentwicklung:

Um ihre Organisation zu stärken, haben viele Kooperativen Komitees zu verschiedenen Themen eingerichtet. Bei der Kooperative RAOS sind dies zum Beispiel die Komitees Jugend/Nachwuchs, Bildung, Geschlechtergerechtigkeit, Qualitätskontrolle, Verwaltung, und Vermarktung. Diese Komitees reichen zur Mitgliederversammlung ihrer Kooperative Arbeitspläne und Budgets ein und erhalten einen Anteil der Prämien zur Umsetzung. Es war sehr schön zu sehen, dass besonders Frauen und die Jugend gefördert werden. Die meisten Kooperativen haben bereits Frauen- und Nachwuchsgruppen, welche eigene Projekte durchführen, wie z.B. die Kaffeeröstung und die eigene Düngemittelproduktion. Des Weiteren wurden mit der Prämie Berater zur Bodenanalyse, Dünger- und Pflanzenschutzmittelherstellung angestellt und die Ausbildungen einiger Nachwuchskräfte in den Bereichen Qualitätskontrolle und Verwaltung anteilig gezahlt. Ein weiterer Aspekt der Organisationsentwicklung ist die Barauszahlung kleinerer Anteile der Prämie an die Produzenten, damit diese beispielsweise selbst ihre Fincas renovieren können. Auch zeigt sich bei den besuchten Kooperativen deutlich: Je stärker die Organisation, desto eher entsteht auch eine Diversifizierung der Produktion und damit zusätzliche Einkommensmöglichkeiten – sei es durch den Anbau zusätzlicher Produkte wie Zitrusfrüchte, Avocado, Liquidamba, durch Bienenhaltung und Honigproduktion, durch Röstung und Verkauf eigenen Röstkaffees, oder auch durch die sinnvolle Verwendung der vielen Nebenprodukte der Kaffeeverarbeitung (das Fruchtfleisch der Kirschen, das Wasser, mit dem die Bohnen aus dem Fruchtfleisch „herausgewaschen“ werden) z.B. zur Herstellung von Dünger, Kompost, Biogas…

 

Produktivitäts- und Qualitätsverbesserung:

Zur Verbesserung der Produktivität und Qualität haben die Kooperativen mit Teilen der Prämie u.a. neue, effizientere Wasch- und Trocknungsanlagen, Ausstattungen und Maschinen, Baumschulen für Kaffeesetzlinge und Schattenbäume, neues Land sowie Qualitätslabors für Kaffeeverkostungen und Qualitätskontrollen finanziert. Außerdem investieren die Produzenten verstärkt in die eigene Herstellung von Biodünger und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Einige Kooperativen konnten damit durch die deutliche Stärkung der Pflanzen und der Bodengesundheit schon erfolgreich die Pflanzenkrankheit Kaffeerost bekämpfen.

Miguel Rivera hat von seiner Kooperative, COAQUIL, aus Prämien die Ausbildung zum Kaffeeverkoster und Qualitätskontrolleur finanziert bekommen und es wurde ein Labor für ihn eingerichtet.

COAQUIL hat mithilfe der Fairtrade-Beraterinnen seither auch ein klares schriftliches Regelwerk zur Qualitätssicherung entworfen und von den Mitgliedern verabschieden lassen. Die Kooperative CAFESCOR hat die Tochter einer Mitgliedsfamilie, Rosy Gabriela Lopez, zur Qualitätskontrolleurin und Kaffeeverkosterin ausbilden lassen.

Infrastruktur:

Viele Kooperativen investieren ihre Prämie zusätzlich in Lager-, Büro- und Tagungsräume, Lastwagen, Elektrizität, Motorräder für Beratungseinsätze bei den einzelnen Kleinbauernfamilien und in die Verbesserung der Ausstattung. Besonders spannend war auch zu sehen, dass ein paar Produzentenorganisationen den Tourismus fördern wollen. Beispielsweise nutzen sie die Prämie um Gästehäuser zu bauen und auszustatten, damit sie künftig Besucher empfangen können.

Gerade für kleinere Kooperativen wie CABRIPEL, deren Mitglieder ihre Fincas teilweise in schwer zugänglichen Gebieten haben, sind Motorräder für die Berater eine große Hilfe. Flor del Pino hat ein Gästehaus gebaut, sowohl für Geschäftsbesuche, als auch zukünftige Tourismusinitiativen.

Soziale Projekte:

Wir haben uns gefreut zu sehen, dass die Kooperativen viel in soziale Projekte investieren. So unterstützen sie beispielsweise die Schulen der Gemeinde z.B. durch das Bereitstellen von Lehrmaterial. Außerdem werden Unterkünfte für Saisonarbeiterfamilien inklusive Küche, Sanitäranlagen und Aufenthaltsräumen – wie eine Cafeteria – für die Mitglieder und Angestellten gebaut. Auch die Gesundheit ist ein wichtiges Thema, denn einige Kooperativen investieren Teile der Prämiengelder bspw. in Gesundheitsstationen oder Wasserfilter für sauberes Trinkwasser.

Cocafelol hat für die Angestellten, Arbeiterinnen und Arbeiter auf dem Kooperativengelände eine Krankenstation für erste Hilfe eingerichtet. RAOS und CABRIPEL haben sich an einer Initiative des Honduranischen Netzwerks gemeinsam mit Radio Marcala beteiligt, in der Kinder von Kaffeebauernfamilien ihre Perspektive auf das Leben auf den Fincas spielerisch erarbeitet und ihren Eltern vorgestellt haben. 

Die gute Arbeit der Kooperativen zeigt sich nicht zuletzt an ihrem Mitgliederwachstum – eine Abstimmung mit Füßen…

Wir sind begeistert wie sich die Kooperativen in den letzten Jahren weiterentwickelt haben und die Fairtrade-Prämie dafür genutzt haben. Dies bestätigt uns zum Abschluss auch noch mal ein FloCert Auditor, den wir am Ende unserer Reise in San Pedro Sula getroffen haben. Wichtigste Botschaft seinerseits: Kein anderer Standard bringt eine vergleichbare Entwicklung! Sowohl die Art und Weise, wie der Fairtrade Standard auf Entwicklung ausgerichtet ist und diese fördert, als auch die Prämie seien einzigartig. Die Kooperativen in Honduras haben unglaubliche Fortschritte gemacht in den neun Jahren, seit er dort prüft.