Unser Samstag startet mit dem Besuch einer Kooperative in Pangoa. Es herrscht wuseliges Treiben, auf riesigen Flächen wird Kaffee getrocknet und auch der Geruch von fermentiertem Kakao liegt in der Luft. Die Kooperative röstet ihren Kaffee für den nationalen Verkauf selbst und wir geben begeistert eine Großbestellung auf. Als Highlight werden wir zu einer Kaffeeverkostung eingeladen und das Gelächter ist groß, als sich der erste von uns beim Schlürfen ordentlich verschluckt. Professionell sieht anders aus… Den Kaffee, wie eigentlich üblich, in einen kleinen Behälter wieder auszuspucken traut sich keiner so richtig.


Von Pangoa geht es weiter zur nahegelegenen Finca von Magda. Sie hat alle ihre Kinder zusammengetrommelt und wir werden herzlich empfangen. Madga ist eine echte Powerfrau, sie bewirtschaftet ihre Finca von rund 8 ha alleine, die Kinder kommen nur selten zu Besuch. Alle haben studiert und arbeiten in der Stadt, als Anwältin, als Betriebswirt oder als Agrarwissenschaftlerin. Magda ist stolz auf die gute Ausbildung ihrer Kinder und die Kinder stolz auf ihre Mutter.

Magda ist eine von zehn Promotoren des Klimaprojektes in Sonomoro. Sie wurde in Anpassungsmaßnahmen gegen den Klimawandel geschult und wird ihr Wissen an zehn weitere Kleinbauern weitergeben. Und Madgas Wissen über die verschiedensten Pflanzen auf ihrer Finca ist beeindruckend. Sie hat früh angefangen auf Diversifizierung zu setzen, sie zeigt uns Kakao-, Bananen- und Zitrusbäume, Yucapflanzen und sogar einen Bienenstock. Schnell ist die Machete zur Hand und Magda öffnet für uns eine dunkelrote Kakaoschote. Die Finca ist riesig und alles scheint bestens zu wachsen.

Doch auch Madga hat mit dem Kaffeerost zu kämpfen. Neben den vielen gesunden Pflanzen stehen auf einer hektargroßen Fläche nur noch tote Kaffeepflanzen. Der Pilz kam für Magda völlig überraschend, wie für alle Kaffeebauern in der Region. Doch Madga kann die Ernteeinbüßen beim Kaffee wenigstens teilweise mit ihren anderen Pflanzen ausgleichen. Dennoch wird auch bei ihr klar, dass ihr die Zukunft Angst bereitet. Nicht nur der Kaffeepilz, Magda ist 57 Jahre alt und was mit ihrer Finca passiert, wenn sie einmal nicht mehr kann, ist bisher völlig unklar…

Zur Fairen Woche wird Madga in Deutschland über ihre Erfahrungen berichten. Bis dahin möchte sie unbedingt ein bisschen Deutsch lernen. Sie fragt mich ausgerechnet nach der Übersetzung des Wortes „pollo“ – dabei ist „Hühnchen“ ein wirklich schwerer Start… Madga freut sich trotzdem auf Deutschland und wir freuen uns auf ihren Besuch!

Für uns geht es am selben Tag mit dem Nachtbus über die Anden zurück nach Lima. Ein bisschen Zeit um über die unzähligen Eindrücke der letzten Tage nachzudenken – eine aufregende Reise geht zu Ende.