Vom 14. Bis 18. April 2016 fanden die Aktionstage „Wertvoll Einkaufen – Köln Kann Fair“ in Köln statt. Zentrales Thema war die öffentliche Beschaffung der Kommunen. Doch was versteht man darunter?

Kommunen sind die größten öffentlichen Auftraggeber und ihre Kaufkraft ist ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Seien es Pflastersteine für den Marktplatz, Arbeitskleidung für Landschaftsgärtner, Elektrogeräte für Büros oder eben der Kaffee im Büro der Bürgermeisterin oder des Bürgermeisters, im Vordergrund steht meist die Wirtschaftlichkeit, d.h. „Je günstiger desto besser“. Doch zu welchen Bedingungen wurden diese Waren produziert? Nachhaltigkeitskriterien spielen meist eine Nebenrolle.

Köln kann Fair

Das Projekt „Wertvoll einkaufen – deine Stadt kann fair“ getragen vom Eine Welt Netz NRW möchte deshalb nun die Aufmerksamkeit auf die öffentliche Beschaffung einzelner Städte in NRW lenken. Insgesamt finden in acht Städten zum Thema öffentliche Beschaffung Aktionstage statt.

Köln kann fair – Auftakt in Köln

Köln ist seit 2011 Fairtrade-Town und die Steuerungsgruppe arbeitet intensiv daran, den fairen Handel auf die lokale Agenda zu bringen. Fairtrade-Towns fördern gezielt den fairen Handel auf kommunaler Ebene und sind das Ergebnis einer erfolgreichen Vernetzung von Personen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, die sich für den fairen Handel in ihrer Heimat stark machen. Um Fairtrade-Town zu werden, müssen die Städte nachweislich fünf Kriterien erfüllen. Unter anderem bekräftig der Rat die Unterstützung des fairen Handels in einem Beschluss und die Bürgermeisterin oder der Bürgermeister trinkt in ihrem/seinem Büro Fairtrade-Kaffee. Dies ist ein wichtiger Schritt und ein wegweisendes Signal für nachhaltige öffentliche Beschaffung.

In Köln wurde hierzu bereits 2008 ein Ratsbeschluss zur „Faire Vergabe -Auftragsvergaben nach sozialen und ökologischen Kriterien“  gefasst, dieser ist zu einem wichtigen politischen Ziel geworden. Die Aktiven in Köln wollen den Fokus vermehrt auch auf die nachhaltige Beschaffung der Stadt lenken.

Was im Rahmen der Aktionstage statt fand

Die Aktionstage in Köln waren ein großer Erfolg. An verschiedenen Orten Kölns, darunter in der Einkaufsstraße und auf dem Uni-Campus wurde mit vielfältigen Aktionen wie Filmvorführungen, konsumkritischen Stadtrundgängen, einer Fotoaktion und vielen weiteren Veranstaltungen, auf die öffentliche Beschaffung aufmerksam gemacht. Projektkoordinatorin Katharina Edinger vom Eine Welt Netz NRW war begeistert: „Durch die verschiedenen Standorte kommen wir mit den unterschiedlichsten Personen in Kontakt. Vom Student bis zum Rentner jeder kommt gerne zum Stand und diskutiert mit.“ Ich selbst war ebenfalls begeistert von den leidenschaftlichen Diskussionen rund um den fairen Handel, die ich auf dem Campus miterleben durfte.

Höhepunkt der Aktionstage

Im Forum VHS im Rautenstrauch-Joest-Museum fand die Abschlussveranstaltung der Kampagne mit einer Podiumsdiskussion statt. Zu Beginn der Diskussion wurde dem Bürgermeister Andreas Wolter das Buch der Fotoaktion überreicht, in dem lokale Akteure die Gelegenheit hatten, sich während der Aktionstage mit einem Statement für die faire Beschaffung abbilden zu lassen. Die Ansage war klar: „Köln Kann Fair!“ und dies wird auch von der Zivilgesellschaft gefordert.

Von links nach rechts Martin Herrndorf (Colabor | Raum für Nachhaltigkeit) Moderation, Andreas Wolter (Bürgermeister Stadt Köln), Angela Schmitz (EWN NRW), Lale Akgün (Newtrade), Andrea Asch (MdL, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN NRW), Stefan Welzel (Vergabeamt Stadt Köln), Frank vom Scheidt (LVR), Michael Marwede (Servicestelle Kommunen in der Einen Welt).

Von links nach rechts Martin Herrndorf (Colabor | Raum für Nachhaltigkeit) Moderation, Andreas Wolter (Bürgermeister Stadt Köln), Angela Schmitz (EWN NRW), Lale Akgün (Newtrade), Andrea Asch (MdL, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN NRW), Stefan Welzel (Vergabeamt Stadt Köln), Frank vom Scheidt (LVR), Michael Marwede (Servicestelle Kommunen in der Einen Welt).

Bürgermeister Andreas Wolter hofft, dass das Signal der Veranstaltung ankommt und stellt die entscheidende Forderung: „Als Fairtrade-Stadt müssen wir beim öffentlichen Einkauf bei der Fairness noch einen Schritt weitergehen“. Zudem verspreche er, den fairen Einkauf in der öffentlichen Beschaffung erneut als Punkt auf die Agenda zu setzen. Jedoch gibt es viele Herausforderungen, die den fairen Handel in der öffentlichen Beschaffung erschweren. Punkte wie mehr Transparenz in den Lieferketten, der Vorwurf zur Wettbewerbsverzerrung, stärkere Kontrollen bei der Vergabe der ausgeschriebenen Dienstleistungen bzw. Gütern und damit einhergehende steigende Kosten sind nur einige der Punkte, die diskutiert wurden. Um diesen vielen Herausforderungen zu begegnen, werde das Personal des Beschaffungsamtes der Stadt Köln hinsichtlich Ausschreibungen mit öko-sozialen Kriterien weitergebildet und sensibilisiert, um dadurch ihr Bewusstsein beim Einkauf intern zu stärken, erklärt Stefan Welzel vom Vergabeamt Köln. Die LVR Klinik in Köln und die Stadt Dortmund gehen mit guten Beispiel voran und können im fairen Einkauf bereits mit ersten Erfolgen glänzen. Letztendlich waren sich alle bei einem Punkt einig: Es hat sich etwas verändert. Trotzdem besteht noch immer deutlich Luft nach oben und an diesem Ziel wollen alle gemeinsam arbeiten.

Meiner Meinung nach knüpft das Projekt des Eine Welt Netzes NRW genau an den richtigen Stellen an. Hier wurden Bürgerinnen und Bürger mit den Abgeordneten direkt miteinander vernetzt, um zusammen über die faire öffentliche Beschaffung der Stadt zu diskutieren. Das lenkt die Aufmerksamkeit aller Beteiligten auf den Einkauf der Stadt und gibt Anreize diesen, wenn nötig, zu ändern. Auch ich hoffe, dass das Signal ankommt und die Stadt Köln Ihren Worten Taten folgen lässt.