Wir, die Reisegruppe der Fairtrade Initiative Saarbrücken (FIS), haben während unserer Mittelamerikareise die Möglichkeit hinter die Kulissen von COMSA und SOPPEXCCA zu blicken. Uns interessiert beispielsweise das Thema Empowerment und daher verschaffen wir uns zunächsteinen Überblick:

COMSA, Marcala, Honduras: 1.125 Miglieder, davon 23% Frauen
SOPPEXCCA, Jinotega, Nicaragua: 650 Mitglieder, davon 38% Frauen

Direkt fällt uns auf: Anders als in Europa bezieht sich Frauenförderung nicht egozentrisch auf die Frau, sondern auf die „Mitakteurin“ in der Ehe, in der Familie und in der Gesellschaft.
Begegnung mit Joselinda: „Das ist Fairer Handel! Das ist Fairer Handel!“ ruft sie begeistert aus und zeigt gleichzeitig auf die weisse Plane über unseren Köpfen. Wir sind mitten eines riesigen Gewächshauses, in dem allerlei Gemüse gesund und kräftig gedeiht.

„Mein Projekt! Mein Stolz!
Diesen Garten habe ich der Fairtrade-Prämie zu verdanken, und zwar aus meiner eigenen Ernte. Dank der gezielten COMSA-Politik hat mir mein Mann zwei Hektar überschrieben und genau soviel unserer Tochter. Pobrecito, ihm bleibt nur ein Hektar übrig! Über meine Teilnahme in der Gruppe Café feminino (Frauenkaffee) habe ich meine eigene Marke Joselinda kreirt. Mit anderen Frauen verkaufen wir sonntags auf dem Markt den Bio-Korb voll mit frischem Obst und Gemüse, das wir Frauen anpflanzen.“ Joselina

Frauen im Gewächshaus

Im Gewächshaus: links; Joselinda – COMSA, rechts; Fleurance Laroppe aus Saarbrücken

Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen

Im Interview mit Myriam, zuständig bei COMSA für Zertifizierung und gleichzeitig Mitglied des Genderausschusses, erfahren wir: „Für mich bedeutet Frauenförderung die Realitäten der Gesellschaft zu kennen und die Rolle der Frau zu begreifen. Auch ist mir wichtig, dass Frauen sich selbst organisieren, fortbilden und gemeinsame Projekte entwickeln: Also nicht nur eine Rolle zu Hause und in der Familie ausfüllen, sondern in allen gesellschaftlichen Bereichen.“
Myriam redet nicht nur davon, sie hat vor 20 Jahren COMUCAP, eine Frauenkooperative für Kaffee mit gegründet.

Frauenpower

Beim Mittagessen stolpern wir über 12 Frauen, die an einer Fortbildung über Fairtrade-Standards teilnehmen, geleitet von Iris Reyes, Fairtrade-Regionalkoordinatorin. Wie wir erfahren, gehören sie sogar einer ausschließlich aus Frauen bestehenden Kaffeekooperative an.

Einen Tag später im Nachbarland Nicaragua erleben wir Frauenpower an der Spitze der Kooperative SOPPEXCCA: Geschäftsführerin Fatima und ihre Genderbeauftragte Margarita präsentieren uns alle Pro-Frau-Maßnahmen. Dazu gehören seit 16 Jahren regelmäßige Fortbildungen – nicht nur zur  Kaffeeproduktion sondern auch zur Stärkung des Selbstvertrauens in einer Machowelt. Es ist für uns beeindruckend zu beobachten, wie sie entscheidungsfreudig geworden und auf ihr eigenes Geld stolz sind.

Gespräch mit Lohnarbeiterinnen

Wir führen auch ein Gespräch mit Brenda, Siliva Cristina, Dolores und fünf weitere Mitstreiterinnen, die in der Trockenverarbeitungsanlage u. a. die Kaffeebohnen sortieren.  Bei ihnen  handelt es sich um Lohnarbeiterinnen, nicht um Kooperativenmitglieder. Bislang waren sie nur während der Kaffeeproduktion (sieben Monate) beschäftigt, und danach ohne Arbeit und ohne Verdienst. Für sie hat SOPPEXCCA eine eigene Organisation gegründet. 40 Frauen, die meisten alleinerziehend, haben nun eine kleine Verkaufsstelle eröffnet, die ihnen zusätzliche Einnahmen bringt. Jetzt können sie etwas sparen und planen zukünftig auch Sesamkekse zu produzieren, um ihre Einnahmen weiter zu verstetigen. Diese Maßnahme soll ihnen das Überleben leichter machen.

Lohnarbeiterinnen im Stuhlkreis

Gespräch mit den Lohnarbeiterinnen der Kaffeeverarbeitungsanlage von SOPEXCA: u. a. Brenda, Siliva Cristina und Dolores

Das sind nur einige Gespräche, die uns gezeigt haben, dass die Frauen in Zentralamerika mit Tatkraft ihr Schicksal in die Hand nehmen.