Wie kommt es eigentlich, dass die Pfadfinderschaft Sankt Georg Fairtrade-Mitgliedsorganisation ist? Dieser Frage ging ich  letztes Wochenende in Hamburg nach – bei einem Fairtrade-Scouts-Wochenende. Das diese beiden Organisation nicht so unterschiedlich sind, und sehr gut gemeinsam arbeiten können, zeigte sich mir auf diesem lehrreichen Seminar.

Ziel des Treffens war es angehende Multiplikatoren sowie Interessierte über den fairen Handel zu informieren und Werbung für die Kampagne Fairtrade-Scouts zu machen. Die Kampagne Fairtrade-Scouts ähnelt den Fairtrade-Towns, -Unis- und Schools Kampagnen.

Pfadfinder-Stämme (so heißen die Gruppen) können vorgegebene Kriterien erfüllen und sich dann als Fairtrade-Stamm auszeichnen lassen. Bisher gibt es nur 5 solcher Stämme, aber einige Stämme stecken auch noch im Bewerbungsprozess. Ziel der Kampagne ist es, besonders jungen Menschen den fairen Handel näher zu bringen.

Direkt vond der Arbeit los

Meine Reise begann am Freitag schon um 13 Uhr, als ich mich von Köln auf den Weg ins wunderschöne Hamburg machte. Gegen sechs Uhr traf ich dann im Hostel direkt an der Landungsbrücke ein, und hatte die Ehre, durch die verglaste Mensa den unglaublich schönen Sonnenuntergang über den Hamburger Hafen zu sehen.

Dort traf ich auch Frank, Willi, Eva-Maria und Franzi, den ich bei der Veranstaltung unter die Arme greifen sollte. Nach und nach trudelten auch alle anderen Pfadfinder ein. Ich muss ja ehrlich sein: bevor ich für Fairtrade angefangen habe zu arbeiten, kannte ich die Pfadfinder wie es sie in Deutschland gibt nicht. Natürlich war mir die amerikanische Version bekannt. Das einige Klischees jedoch ganz klar stimmen, hat mir die bunte Gruppe gezeigt: treu trugen alle die beigen Hemden, inklusive einer Vielzahl von bunten Abzeichen.

Jedes dieser Anzeichen ist jedoch eine Anerkennung für eine Teilnahme eines Camps oder Ähnlichem. Wettbewerbe oder Prüfung muss kein Pfadfinder ablegen. Zelten und Feuer machen können Pfadfinder übrigens auch – leider verkaufen sie aber keine Kekse. In ihren Gruppenstunden vermitteln sie aber nicht nur praktisches Know-How. Alle Pfadfinder sind Geschwister im übertragenden Sinne – und werden dementsprechen behandelt. Toleranz, Empathie und gegenseitige Unterstützung sind Leitwerte der Pfadfinder. Inzwischen kann ich es mir auch vorstellen, noch ein Pfadfinder zu werden.

Nach der Einteilung der Zimmer gab es ein schnelles Abendbrot und gegen acht trafen wir uns, um über die kommenden zwei Tage zu reden. Erwartung und Wünsche wurden in einem kleinen Aufstellspiel mitgeteilt. Abends ging es dann noch einmal los. Aber nicht zu lange – am nächsten Tag startete unser Programm schon um acht Uhr morgens!

Den Hamburger-Hafen von einer neuen Seite sehen

Am nächsten Tag hatten wir auch noch einmal die Ehre, bei einem sehr abwechslungsreichen Frühstück den Sonnenaufgang zu sehen. Gegen neun gab es dann ein kleines „Aufwachspiel“.

Um dann pünktlich zu kommen ging es im Laufschritt zum Hafen, wo wir an einer Fairtrade-Hafenrundfahrt teilnahmen. Neben den Grundinfos über den Hafen und die Umgebung, erhielten wir auch eine Unmenge von Informationen über das Ankommen von Fairtrade-Früchten. Nicht nur Fairtrade-Banane, sondern auch Mangos und Ananasse, sowie Teppiche oder andere handwerkliche Arbeiten kommen über Hamburg in unsere Supermärkte.

Nach einer fast zweistündigen Fahrt ging es mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof, wo das restliche Programm in einem Tagungsraum stattfinden sollte. Frank stellte dann zu Beginn allen Anwesenden Fairtrade vor. Nach einer sehr lebhaften Diskussion gab es erstmal eine kleine Stärkung. Bei dem guten Wetter setzten wir uns nach draußen und aßen unser Lunch von der Jugendherberge. Um über unser Mittagstief zu kommen spielten wir noch ein kleines Spiel.

Danach erzählt Willi etwas über die Motivation zum Fairen Handel. Er arbeitet für Misereor, eine unserer Mitgliedsorganisation. Sein Vortrag war nicht nur sehr spannend aufgebaut, sondern motivierte auch viele der Teilnehmer. Nach einem weiteren kurzen Spiel, sahen wir in der Mittagspause eine Bananenreportage, da unser nächster Gast ein Mitarbeiter der Firma PORT sein sollte.

Lernen von den ganz Großen – wie Händler Fairtrade imortieren und wie gnadenlos doch manchmal der Markt ist

Gegen 16:00 traf dieser auch ein, und wir waren top vorbereitet, um ihn über Handel und besonders den von Bio-Fairtrade Bananen auszufragen. An einer sehr anschaulichen Präsentation erklärte er den Weg einer Banane, und das diese oft über einen Monat unterwegs ist. Häufig liegen Bananen in Container auch nur im Hafen rum und warten auf ihre Weiterreise- bis zu eine Woche!

Aus sei das erneute Auftreten des El nino-Effekt ein echtes Problem für Bauern. Bananen saugen sich nämlich mit Wasser auf. Vor der Abreise sieht man nicht, ob die Bananen gut sind. Besonders in einem engen Container mit tausenden anderen Bananen fangen sie an zu reifen – und alle anderen Bananen auch. Wenn sie dann endlich in Hamburg ankommen, sind sie oft schon schlecht. „Nur“ gelbe Bananen dürfen dann auch nicht mehr weiter „wandern“.

Die beiden blieben auch noch ein wenig länger und schnackten noch ein wenig mit uns. Zum Abendbrot gab es Pizza, Cocktails und faire Snacks, wie etwa Bananen oder Nüsse. Bei einem kurzen Pub-Quiz konnten dann auch alle ihr gesammeltes Wissen unter Beweis stellen.

Dann ging es aber auch schon wieder zurück zur Jugendherberge. Der Tag war im Großen und Ganzen sehr anstrengend und alle freuten sich sehr auf ihr Bett.

Nächster Tag

Pünktlich gab es am nächsten Tag um 8 Uhr Frühstück. Die fehlende Stunde der Zeitumstellung machte sich dann aber doch bei den meisten deutlich bemerkbar.

In einer Gruppenarbeit konnten sich die Teilnehmer dann austauschen und Aktionen entwickeln.

Dabei zeigte sich die Begeisterung der Anwesenden. Selbst einige, die nur Hamburg besuchen wollten, waren vollkommen bei der Sachen und wollten am Liebsten direkt anfangen. Nach dem sehr lebendigen Austausch mussten sich aber alle Teilnehmer schweren Herzens verabschieden.

Auf jeden Fall ein sehr lehrreiches Wochenende, welches allen sehr gut in Erinnerung bleiben wird!