Vamos a Guatemala

Es ist schwül und warm, als ich zusammen mit einer Freundin das Flugzeug am Flughafen von Guatemala Stadt verlasse. Nachdem ich 12 Stunden in einem ziemlich gut gekühlten Flugzeug verbracht habe schlägt mir eine ungewohnte Wärme entgegen. Ich bin wirklich angekommen, ein bisschen unreal fühlt es sich an. Vor zwei Tagen habe ich noch einen Fairtrade-Workshop mitten im Ruhrgebiet gegeben und nun bin ich mal wieder in einem der Länder, in denen KleinproduzentInnen Produkte für den Fairen Handel herstellen.

(c) Hendrik Meisel

Maya-Stätte Tikal

Von Passkontrollen und unangepassten Mietwagen

Mein erster Weg führt durch die Passkontrolle, wo jeder einzelne Stempel meines Reisepasses und jeder Vermerk genau geprüft wird. Danach geht es zum Schalter des lokalen Mietwagenanbieters. Dank des Internets kann man sich an fast allen Orten der Welt einen Mietwagen buchen. Bei meiner Buchung hatte ich extra angegeben, dass das Auto „geländefähig“ sein soll, ich konnte ungefähr einschätzen, welche Straßen uns erwarten würden. Ich war froh, dass der Mitarbeiter recht gut Englisch sprach, bei den folgenden Problemen wäre ich mit meinem Spanisch wahrscheinlich am Ende gewesen. Man hatte uns ein „kostenloses Upgrade“ gegeben, die Folge war ein tiefer gelegter Mittelklasse-Wagen, weit weit von meinem geländegängigen Wunschauto. Es handelte sich um ein asiatisches Modell, wie es in Mittel- und Lateinamerika oft herum fuhr. Dieses Exemplar war recht neu und gut in Schuss, aber tiefer gelegt. Es nutzte nichts, ein anderes Auto war in den nächsten Tagen nicht verfügbar, man versicherte uns, dass alle Straßen gut damit zu befahren wären, also fuhren wir los. In den nächsten Tagen lösten wir oft Unverständnis und Kopfschütteln bei der lokalen Bevölkerung aus. Den Satz: „Diese Straße wird man mit dem Auto nicht fahren können!“ hörten wir oft, und doch sind wir jede dieser Straße gefahren, Alternativen gab es nicht.

Endlich in den Highlands – die Kooperative „Asociación Chajulense“

Wir sind am Ziel. Nach einigen hundert Kilometern über die tatsächlich schlechten Straßen Guatemalas kommen wir an. Fairtrade-Kooperativen liegen nie an der Hauptstraße hat mir

(c) Hendrik Meisel

Kaffeeverarbeitung in der Kooperative, Lagerhalle

einmal ein Freund gesagt. Seit ich in Afrika, Asien und Lateinamerika unterwegs bin weiß ich was das bedeutet. Doch nun sind wir da und werden von Miguel Tzoy Tum, dem Verkaufskoordinator der Kooperative und seinen Kollegen begrüßt. Man freut sich sehr, dass wir uns auf den Weg nach Guatemala gemacht haben. Die Region Chajul in der wir uns grade befinden, war vom Bürgerkrieg besonders schlimm betroffen. Dieser herrschte von 1960 bis 1996  in Guatemala. Es war der längste Bürgerkrieg in der Geschichte Lateinamerikas. In der Region Chajul traf er vor allem die Nachkommen der Maya. Tausende Zivilisten wurden verschleppt, gefoltert und ermordet. Seit 1989 und damit noch während des Bürgerkrieges wurde hier Fairtrade-Kaffee produziert. Die „Asociación Chajulense“ ist damit eine der Kooperativen, die schon lange im Fairtrade-System arbeiten. Von den Entwicklungen und Verbesserungen, die die Herstellung von Fairtrade-Produkten mit sich brachte konnten wir uns vor Ort überzeugen.

 

 

Fairtrade ermöglicht Entwicklung

„Durch den Fairen Handel bekommen wir die Chance, dass sich das Leben von tausenden Kleinproduzenten stetig verbessert“, erzählt Pedro Hu Ortega, Koordinator des Honigprogramms der Kooperative, in der rund 3500 Mitglieder zusammen geschlossen sind. Neben Kaffee bietet Honig eine weitere wichtige Einnahmequelle für die Produzenten. Die Bienen sorgen dabei für eine natürliche Bestäubung der Kaffee-Pflanzen, was sich positiv auf die Ernte auswirkt und produzieren Vielblüten-

Gemeinsam unterwegs in der Kaffee-Pflanzung

Gemeinsam unterwegs in der Kaffee-Pflanzung

oder Kaffeeblütenhonig. Über die Jahre hinweg ist die Kooperative gewachsen und die Verarbeitung von Kaffee und Honig konnte verbessert werden. Heute gibt es in der Kooperative eine eigene Verarbeitungs- und Sortieranlage für die Kaffee, ein Honiglaboratorium und eine Lagerhalle. Die Bauern werden beraten und unterstützt. Dies ist vor allem im Moment in doppelter Hinsicht wichtig.

 

Schädlingsbefall und Kaffee-Krankheit

Infokarte - Schädlinge

Infokarte – Schädlinge

Auf Grund des Klimawandels kommt es zu zwei problematischen Phänomenen. Eine Schädlingsart, ein Käfer, der bisher in Guatemala nicht vorkam, soll vereinzelt gesichtet worden sein.

Hier ist es wichtig die Kaffeebauern in Schulungen und auf Versammlungen direkt zu informieren. Wenn Sie einen dieser Käfer sehen, sollen sie es direkt der Kooperative melden, um weitere Schritte zu unternehmen. Ein anderes Problem, der so genannte „Kaffee-Rost“ (spanisch roya) ist ein Pilz, der die Pflanzen befällt. Ende des 19. Jhd. kam er fast ausschließlich in Asien und Afrika vor, bis er 1970 epidemieartig brasilianische Kaffeeplantagen befiehl. Im Moment haben viele Fairtrade-Produzenten damit zu kämpfen, egal ob Guatemala oder Peru.
Gerade in solchen Situationen ist es wichtig, von der Kooperative Unterstützung und Beratung zu bekommen. Für die neuen Pflanzungen von Kaffee werden jetzt selbst gezogene Setzlinge  verwendet, die resistent sind gegen diesen Kaffee-Pilz. Diese Umstellung und die mit dem Pilz einhergehenden Ernteausfälle können die Produzenten oft nur mit Hilfe der Kooperative bewältigen. Miguel Tzoy Tum bringt das Problem auf den Punkt: „Wegen des Kaffee-Pilzes können wir an unsere Partner in Europa nur weniger Kaffee liefern, als sie bestellt haben. Das bringt große Probleme mit sich.“ Um so wichtiger ist es, dass es innerhalb der Kooperative Experten gibt, die Kleinproduzenten in diesen Situationen beraten.

 

 Fairer Handel – biologischer Anbau – Sicherheit

Kaffee-Rost (roya)

Kaffee-Rost (roya)

Einer dieser Kaffeebauern ist Pedro Pacheco. Wir stehen in seiner Kaffeepflanzung und Fredy Bettran Soto Chavez, Vize-Präsident der Kooperative „Asociación Chajulense“ zeigt uns vom Kaffee-Rost befallene Kaffeesträucher. Wir gehen einige hunderte Meter durch die Kaffeepflanzung. Hier zentral im Hochland gelegen wachsen Kaffeepflanzen neben Bananenstauden und anderen Nutzpflanzen wie Mais oder Kokospalmen. Für Pedro Pacheco ist Fairer Handel und biologischer Anbau besonders wichtig. Es ist gut für die Umwelt und gut für ihn und seinen Familie auf Pestizide und künstlichen Dünger zu verzichten. Fairer Handel gibt ihnen dabei die Sicherheit einen stabilen Preis für ihr qualitativ hochwertiges Bio-Fairtrade-Produkt zu bekommen. Danke vieler engagierter Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland und Europa verbessert sich so gerade in ländlichen Regionen in Guatemala, Lateinamerika und in allen Ländern des Südens das Leben von über 1,4 Millionen Kleinproduzenten. In Deutschland sind die Produkte Kaffee und Honig der Asociación Chajulense übrigens unter anderem bei der GEPA zu bekommen.

 

 

Eine Reise, die man nicht vergessen wird

Es war nicht meine erste Reise zu Fairtrade-Produzenten in den Ländern des Südens, doch es war eine ganz besondere. Mit offenen Armen, voller Gastfreundschaft und mit großer Freude wurden wir empfangen. Die gegenseitige Begeisterung lag in der Luft. Wir wurden zu Botschaftern – zu Botschaftern Guatemalas, zu Botschaftern des Kaffees und auf jeden Fall zu Botschaftern des Fairen Handels. Darüber zu berichten, wie Fairtrade das Leben von vielen Menschen fair-ändert und fair-bessert ist unsere Mission.

 

Einen tollen Film über die Maya-Bauern der Asociación Chajulense gibt es übrigens hier!

Fairtrade-Rohkaffee

Fairtrade-Rohkaffee

 

Kaffeekirschen

Kaffeekirschen

neue gegen Kaffee-Rost resistente Kaffee-Setzlinge

neue gegen Kaffee-Rost resistente Kaffee-Setzlinge