Liebe Leserinnen und Leser dieses Blogs,
Dieser Eintrag wird anders sein, als alle, die ich zuvor geschrieben habe.
Woran das liegt werden Sie am Ende lesen können, eins ist sicher hier in Bad Wimpfen spielt nicht nur Geschichte, sondern auch fairer Handel eine wichtige Rolle.

Anfang der Woche war ich noch in Nottuln im Münsterland, wo mich ein wunderbarer Auftaktabend zur Kampagne Fairtrade Towns erwartete. Mit musikalischen Highlights an Klavier und Flöte und einem enthusiastischem Bürgermeister wurde mein Vortrag hier begleitet. Und diese Woche sollte noch besser werden. Denn das alte Staufer-Städtchen Bad Wimpfen stand auf meinem Plan. Hier sollte ich in der Gemeinderatssitzung sprechen und die Anwesenden davon überzeugen sich der Kampagne Fairtrade Towns anzuschließen.

 

Eine kleine Zeitreise beginntobe

Ich reiste ein paar Stunden vor der Veranstaltung an, weil die Engagierten vor Ort die Chance nutzen wollten noch mit mir über Verschiedenes zu reden. Am Bahnhof wurde ich erwartet und freundlich begrüßt. Eine kurze Stadtführung wurde mir versprochen und es ging gleich am Bahnhof los. Dieser fällt dem Betrachter sofort auf. Weil er von außen eher wie eine gotische Kirche aussieht, als wie ein Bahnhof.
Über alte Pflasterstein-Straßen geht es in das Herz der Stadt. Bad Wimpfen erlangte Mitte des 12. Jahrhunderts besondere Bedeutung, weil Kaiser Friedrich I., auch als Barbarossa bekannt, hier eine Königspfalz, einen Regierungssitz mit Landgericht erbaute. Das alles sorgte dafür, dass Wimpfen oder Wimpina, wie es früher hieß, sich prächtig entwickelte und später am Ende des 13. Jahrhunderts Reichsstadt wurde. Und Geschichte ist hier zum Greifen nahe. Ich habe das große Glück mit Wolfgang Baars, einem ehemaligen Ingenieur für Seeverkehr und passionierter Stadtführer durch die historische Stadt zu gehen. Von alten Verteidigungsanlagen, römischen Straßen und der einzigen Türmerin in Deutschland höre ich, die hier das Wahrzeichen der Stadt, den blauen Turm bewacht. Ich höre viel über die Zeit der Römer, Staufer, der Reformation, des Dreißigjährigen Krieges und der ehemaligen hessischen
Exklave. Während ich durch die schmalen Gassen und an geschichtsträchtigen Orten vorbeigehe denke ich immer wieder, hier wird Geschichte erlebbar.

Fairer Handel ist zentraler Punktobe

 

„Diese Stadt hat in den letzten Jahren immer nach hinten geguckt, auf die Geschichte und auf die Tradition, jetzt wendet sich das. Wir gucken nach vorne, wir wollen Fairtrade Town werden!“, sagt Wolfgang Baars, Mitglied des Vereins „Eine Welt Partnerschaft e.V.“, der in Bad Wimpfen den Weltladen betreibt. Claudia Schmitz, Vorsitzende des Vereins fügt hinzu: „Seit fast zwanzig Jahren setzen wir uns hier in Bad Wimpfen für den Fairen Handel ein, nächstes Jahr feiert unser Weltladen 20-jähriges Bestehen!“ Zusammen mit vielen weiteren Engagierten wollen Sie es nun erreichen, dass Bad Wimpfen Fairtrade Town wird. Dazu werden Geschäftsleute überzeugt und beraten, welche Fairtrade Produkte sie ins Programm aufnehmen und was sie Ihren Gästen anbieten können.

Time for teaobe

Ein tolles Beispiel dafür ist Peggy Fehily, sie betreibt im Herzen der Innenstadt „Cornwall – Tea Room“, einen gemütlichen Platz zum Entspannen und Tee trinken. Sie setzt bewusst auf Fairtrade-Produkte und eine Kooperation mit dem Weltladen. „Ich nutze Rohrzucker, Früchte- und Kräutertees, sowie Kakao aus Fairem Handel!“, sagt sie. Damit unterstützt sie weltweit ca. 1,5 Millionen Kleinproduzenten. Dass Besondere ist, dass man in Peggy’s Tea Room sich seinen Tee-Becher (engl. scons) selber aussuchen kann, um darin unter anderem Fairtrade-Tee zu schlürfen.

 

Ein weit verzweigtes Netzwerk in der 6500 Einwohnerstadtobe

Auf einer breiten Basis operiert der Verein, der Weltladen und auch die neu gegründete Steuerungsgruppe in Bad Wimpfen. Viele Einzelhändler, Gastromonen und Stadträte unterstützen den Fairen Handel vor Ort.
Ganz neu und innovativ ist die Idee, die ortsansässigen Kureinrichtungen vom Fairen Handel zu überzeugen und Fairen Handel zu etablieren. Dafür setzt sich auch Bürgermeister Brechter ein. Eine besondere Sache verbindet den Bürgermeister noch mit Fairtrade. Von allen Menschen, die Fairtrade kennen, sprechen fast 95% Fairtrade ihr Vertrauen aus. Ähnlich ist es auch beim Bürgermeister, der mit fast 95% der Stimmen am letzten Sonntag wiedergewählt wurde. Auf das er nicht nur der Bürgermeister der ehemaligen Staufer-Stadt ist, sondern auch Bürgermeister der baldigen Fairtrade-Stadt. Ich wünsche Bad Wimpfen alles Gute und viel Erfolg dabei. Und ich weiß jetzt schon, dass ich wieder kommen werde, diese Stadt hat es mir angetan, in Vollendung von einer Handels- und Handwerkerstadt und den Staufern, hinzu einer Stadt des Fairen Handels in der Gegenwart.

 

Und zurück

Jetzt sitze ich im Zug zurück Richtung Köln. Ich lese den Kriminalroman „Frau Rausch glaubt an Barbarossa“, der in Bad Wimpfen spielt. Vielleicht wird eines Tages ja ein Buch über den Weg von der Staufer-Stadt zur Fairtrade Stadt geschrieben. Spannendes zu erzählen gäbe es davon sicherlich genug!