In gewisser Weise ist dieser Blog-Beitrag ein Kauf-Aufruf. „Sag den Leuten in Deutschland, sie sollen mehr Fairtrade-Rosen kaufen. Sie sollen wissen, dass sie so den Lebensstandard von jemandem an einem anderen Ort verbessern.“ Zu dieser Botschaft beauftragt hat mich Esther Wangari. Sie ist keine Unbekannte für mich, denn schon bei einem vorhergehenden Besuch durch eine Kollegin vor einigen Jahren hatte sie erzählt, was so passiert ist, die letzten achtzehn Jahre. So lange, also seit 1998, arbeitet Esther bereits bei Panda Flowers Limited, gelegen am Naivasha See, rund zwei Stunden Autofahrt nordwestlich von Nairobi, Kenia. 

Selbstbewusstsein und Führungsqualität

Rund 800 Menschen sind auf der Panda-Farm beschäftigt, gut zwei Drittel sind Frauen. Zweimal am Tag wird geerntet. Das machen vor allem Frauen. Beim Ernten achten sie auf den sogenannten Cut Point, also wo man die Blume abschneidet, und den Cut Stage, also welchen Wachstumsstand die Blume hat. Um beste Qualität zu bekommen, ist das wichtig. Auch Esther hat als einfache Blumenpflückerin angefangen. Damals war sie 18. 2005 kam die Fairtrade-Zertifizierung und Esther wurde von ihren Arbeitskolleginnen und -kollegen in die Arbeitervertretung gewählt, die für die Verwaltung der Fairtrade-Prämie zuständig ist. „Das Management sah, dass ich Führungsqualitäten habe“, sagt die heute 36-Jährige. Mehr Selbstbewusstsein, Bewusstsein über ihre Rechte und die ihrer Kolleginnen und das Wissen, was ihnen durch die Fairtrade-Standards zusteht, gehören zu den Dingen, die sie im Prämienkomitee und in den verschiedenen Schulungen gelernt hat. Sie hat nicht nur verschiedene Projekte mit angestoßen – mit Prämien wurden eine Maismühle und Legehennen angeschafft und ein Wasseraufbereitungssystem finanziert, ein Kreditsystem aufgebaut und vieles mehr – sie hat auch selbst eine nicht zu verachtende Karriere gemacht: von der Pflückerin zur Vorarbeiterin (Supervisor) und heute zur Senior Supervisorin. „Ich bin beispielsweise dafür zuständig, mich darum zu kümmern, dass Schwangere nur leichte Arbeiten erledigen“, erklärt sie. „Hier bei Panda erhalten Schwangere vier Monate Mutterschutz und weitere neun Monate bis zu einem Jahr erhalten sie nur leichtere Aufgaben und arbeiten eine Stunde kürzer, damit sie stillen können.“
Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sind Esther wichtig. Vor allem Frauen hat sie im Blick. Schwangerschaften sind in Kenia häufig Kündigungsgrund oder es kommt gar nicht erst zur Anstellung. Viele Frauen versuchen, Schwangerschaften möglichst geheim zu halten. Bei Panda soll das anders laufen: Alle neuen Angestellten müssen Trainings zu Arbeitsgesundheit und -sicherheit absolvieren. „Gesundheit und Sicherheit beginnen bei jedem selbst. Deshalb sind die Schulungen so wichtig“, erklärt Esther. Während ich auf der Farm bin, findet gerade ein Ersthelfer-Training statt – mindestens 20 Leute nehmen teil.

Eigener Grund und Boden

Esther Wangari hat sich Land gekauft. Das ging, weil sie sich über das Mikrokreditsystem bei Panda –eine sogenannte SACCO, Savings and Credit Society Organization – Geld leihen konnte. Und weil die Panda-Farm Grund zur Verfügung gestellt hat, auf dem sich die Beschäftigten Parzellen kaufen konnten. Esther und viele weitere haben sich damit einen Traum verwirklicht. Igal Elfezouaty, Managing Director von Panda Flowers, ist überzeugt, dass dies ein guter Weg war, um den Beschäftigten Eigentum zu ermöglichen. Durch die  Investition von Prämien wurde der Hausbau günstiger, frei nach dem Motto ‘im Dutzend billiger‘. Die Häuser sind einfach konstruiert. Es gibt eine Grundstruktur mit drei Räumen, die Zahl der Zimmer kann nach Bedarf in weiteren Bauphasen leicht aufgestockt werden. 2007 kostete ein Stück Land der Größe 50 auf 100m noch gut 24.000 Kenianische Schilling, also rund 240 Dollar. Heute ist dieselbe Fläche 9.000 Dollar wert. Denn Naivasha wächst.

„Ich schlafe nicht!“

Neben ihrem Haus hat Esther ein großes Gewächshaus, der Stall ist noch nicht überdacht, sie will sich zwei Kühe kaufen. Das Gemüse, das sie anbaut, nutzt sie für sich selbst, die Überschüsse verkauft sie auf dem lokalen Markt. So kann sie den Kredit schneller abbezahlen.
In ihrem Wohnzimmer hängt ein Plakat. Darauf zu sehen ist eine große Villa, davor steht ein silberner Familienvan, Vorgarten…Darüber die Überschrift: “A real dream is not what you see in your sleep but it’s the thing which does not let you sleep”. Als ich sie auf das Poster anspreche und frage, ob sie Träume wie diesen hat, lacht sie und sagt: „Ich schlafe nicht!“