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Gruppenfoto mit dem Vorstandsvorsitzender der Los Pinos Kaffeekooperative Jose Eliseo Sura (4.v.r.)

Über die im Rahmen des Coffee Fairdays 2015 gewonnene Reise „Eine Woche für zwei Personen in Honduras“ freuen wir, die Fairtrade Initiative Saarbrücken (FIS,  www.faires-saarbruecken.de), uns riesig. Wir sehen sie als Chance, daraus eine Qualifizierungsmaßnahme zu machen. Zwei Wochen lang besuchen wir als sechsköpfige Gruppe unterschiedliche Produzenten-Organisationen in drei Ländern (El Salvador, Honduras, Nicaragua) und beschäftigen uns nicht nur mit Kaffee, sondern auch mit Rohrzucker, Cashew-Nüssen und Kakao. Darüber hinaus finden Gespräche mit dem Netzwerk der lateinamerikanischen KleinproduzentInnen CLAC und Besuche einer Schule, eines Freizeit- und Jugendclubs und weiterer Projekte im Umwelt- und Jugendbereich statt.

Beflügelt durch so viele Begegnungen grüßt die internationale Saarbrücker-Fairy-Delegation: Wynnie (Kenia), Peter (D), Maricela (Ecuador), Fleurance (Frankreich), Diego (Kolumbien) und Christian (D).

 

Los geht es mit Kaffee

In jedem der drei besuchten Länder haben wir eine Kaffee-Produzentengruppe besucht. Zweierlei hatten sie alle gemeinsam:

  • sie sind in Folge der Agrarreform in den 80er-Jahren entstanden
  • die Kaffeefelder wurden 2013 von der Krankheit „La Roya“, die einen Großteil der Ernte vernichtet hat, heimgesucht. Dagegen konnte nichts gemacht werden, außer nach und nach die Kaffeepflanzen zu ersetzen.
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Der Kaffeerost ‚La Roya‘ bedroht die Existenzgrundlage Tausender Kaffeebauern

Und doch einzigartig ist der gewählte Weg, um die Abhängigkeit vom Kaffeeexport zu reduzieren. Während LOS PINOS in El Salvador ein Öko-Tourismus-Projekt (Restaurant, Unterkunft, Entdeckungsparcours) aufgebaut hat, setzt COMSA in Honduras auf regionale Bio-Produkte und SOPPEXCCA in Nicaragua auf das Alternativ-Produkt Kakao.

Besuch der Fairtrade-Kooperative LOS PINOS in El Salvador

Uns empfängt ein beeindruckender Blick über einen Kratersee, am Rande weiterer aktiver Vulkane. Hier ist das Herz der Kooperative LOS PINOS mit über 100 Familien, die gemeinschaftlich auf über 100 Hektar Kaffee anbauen.

Samstagmorgen, 7 Uhr. Ein erster Trupp von Genossenschaftsmitgliedern ist gestartet, um junge Kaffeesprösslinge zu pflegen. Die Kooperative betreibt eine Baumschule, die heute umso wichtiger ist, weil viele Kaffeepflanzen ersetzt werden müssen, die durch den Parasit „La Roya“ befallen sind. Seit 2013 sind bis zu 50% der Kaffeebestände in Zentralamerika betroffen.

Ein zweiter Trupp hat sich in die Kaffeefelder aufgemacht, viele befinden sich terrassenförmig an der Innenseite der Kraterwand.

Im Kaffeeparcours wird der Anbau des Heißgetränks erklärt

Im Kaffeeparcours gibt es Infos zu Anbau, Weiterverarbeitung und Geschmack.

Eine dritte Gruppe säubert mit Machete ein Areal, direkt unterhalb von uns, um dort einen Kaffeeparcours einzurichten, der zukünftig über den Anbau von Kaffee Einheimische sowie internationale Touristen informieren soll.

Kurz nach unserer  Ankunft nimmt sich José Rigoberto Sanchez, der Vizepräsident der Kooperative viel Zeit, um uns im Detail über die Entwicklung der Kooperative von den Anfängen in 1980 bis heute zu informieren.

  • 1992: Installation eines „beneficio“, einer Sammel- und Verarbeitungsanlage.
  • 2000: Infolge des massiven Rückgangs des Kaffeeweltmarktpreises werden die Einsatzfelder ausgeweitet.
  • 2006: Start eines  Tourismusprojektes, welches durch die Regierung kofinanziert wird. So entsteht am Kraterrand ein Ausflugsrestaurant sowie Übernachtungsmöglichkeiten für sechs Personen in drei „Cabañas“ – also kleinen Holzhütten.
  • 2009: Fairtrade-Zertifizierung, gleichzeitig kann bereits im ersten Jahr der Zertifizierung die gesamte Kaffeeernte zu Fairtrade-Konditionen an den belgischen Importeur COFETÍN verkauft werden.
Auch für den regionalen Verkauf: Kaffee von Los Pintos

Auch für den regionalen Verkauf: Kaffee-Spezialitäten von Los Pinos

Zwischenzeitig gelang es LOS PINOS, einen Teil der Kaffeeproduktion auf dem nationalen Markt zu verkaufen, heute werden bereits 12 % der Produktion in El Salvador verkauft. Zur Zeit beträgt der Weltmarktpreis 125 Dollar für einen 45-kg Sack. Der Fairtrade-Mindestpreis ist mit 140 $ erheblich höher.  Die Erlöse werden aufgeteilt: 40 $ für Lebenshaltungskosten der Familien und 100 $ für die Produktionskosten (50 $ Kaffeefelder, 25 $ Ernte und 25 $ Weiterverarbeitung).

Wir gönnen uns einen letzten Blick auf diese wunderschöne Landschaft, bevor es weiter zur nächsten Station unserer Reise geht…