Dieses Statement ist in London nicht zu übersehen. Die Fairtrade Fortnight, das britische Pendant zu unserer Fairen Woche findet in diesen Tagen statt. Und man hat den Eindruck die ganze Stadt macht mit: Supermärkte, Einkaufszentren, Boutiquen, Coffee-Shops, Restaurants und Wochenmärkte werben mit ihren Fairtrade-Produkten, ganze Regale sind gefüllt mit dem Fairtrade-Siegel, tausende Aktionen werden veranstaltet, und alle sind stolz, dabei zu sein. Das Engagement ist beeindruckend. Fairtrade in Großbritannien ist Kult.

Organisiert wird die Fairtrade Fortnight von unseren britischen Kollegen, der Fairtrade Foundation mit Sitz im Zentrum Londons. Über 100 Mitarbeiter bringen den Fairen Handel erfolgreich voran. Gearbeitet wird in einem kunterbunten Großraumbüro mit viel Flair und britischem Humor. Zwei Tage lang besuche ich mit Kolleginnen und Kollegen aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Italien, der Tschechischen Republik, der Schweiz und Dänemark die britische Siegelinitiative. Ziel ist der Austausch über unsere Kampagnenarbeit d.h. auch sich von guten Ideen inspirieren lassen.


Gute Ideen hat die Fairtrade Foundation viele. Das Motto der diesjährigen Fortnight lautet „Take a step“, eingebettet in eine Jahres-Kampagne, die dazu aufruft, Fairtrade mit kleinen oder auch großen Schritten zu unterstützen. Ein Aktionsleitfaden zeigt wie es geht. 1,5 Millionen „Steps“ sollen zusammenkommen, das „Step-o-Meter“ zählt mit. Allein die Online-Präsenz ist enorm, zwei Youtube-Videos mit prominenter Besetzung erklären das Prinzip der Kampagne und machen Lust aufs Mitmachen. Über 100.000 Menschen haben die Videos bereits angeklickt. Darüber hinaus können Akteure ihre Fragen per Chat direkt an die Produzentenvertreterinnen und -vertreter richten, die zur Fortnight zu Gast in Großbritannien sind, Fotos hochladen, Twittern und bei Facebook ihr Fairtrade-Engagement sichtbar machen. Wir bekommen eine ausführliche Präsentation über das Konzept hinter der Kampagne, sehr spannend.

Dass jeder Schritt zählt bestätigt sich am nächsten Tag. Neben dem Besuch der Geschäftsstelle steht für uns auch die Teilnahme an einem Event im Rahmen der Fortnight auf dem Programm. Passend zum internationalen UN-Jahr der Genossenschaften geht es um die Rolle von Genossenschaften im zivilgesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Kontext. Auch hier ist Fairtrade in aller Munde, die Kleinbauernkooperativen im Fairen Handel funktionieren nach genossenschaftlichen Prinzipien. Demetrio Jimenez Conzales, Bananenproduzent aus Panama und Rosemary Kadzitche, Erdnussbäuerin aus Malawi berichteten über die positiven Auswirkungen von Fairtrade auf ihre Arbeit und ihr Leben. Ihre Vorträge sind beeindruckend, Fairtrade ermöglicht Weiterbildungsmaßnahmen, Präventionsprogramme gegen HIV und die Umstellung auf ökologischen Anbau. Rosemary gehört zu den wenigen Frauen aus Malawi die überhaupt Englisch beherrschen. Darüber hinaus werden spannende Initiativen wie „The People’s Supermarket“ vorgestellt und ein Fairtrade-Eis-Mobil sorgt für süße Stärkung.

Mein Fazit: Ich bin vom Engagement der Fairtrade-Unterstützer in London und der Arbeit der Foundation begeistert. Die Mischung stimmt zwischen der nötigen Ernsthaftigkeit für ein wichtiges Thema und Spaß und Leidenschaft für eine gute Sache. Aber nicht nur in Großbritannien auch bei uns ist Fairtrade auf einem guten Weg und Schritt für Schritt geht es weiter!

Die Fairtrade Fortnight fand vom 27. Februar bis zum 11. März 2012 statt. Die Kampagne „Take a step for Fairtrade“ läuft aber weiter. Alle Informationen unter www.fairtrade.org.uk