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Sher ist seit 2012 Fairtrade-zertifiziert.

Nach den spannenden Eindrücken auf der Stecklings-Farm Red Fox führt uns unsere Reise weiter zur weltweit größten Rosenfarm. Sher Ethiopia ist schon seit drei Jahren nach Fairtrade-Standards zertifiziert. Dies ist nicht mein erster Besuch auf der Farm, aber auch dieses Mal bin ich erneut von der Größe und Weite der Farm beeindruckt: Ein Gewächshaus reiht sich an das nächste. In einem Gewächshaus kann man das Ende des Hauses nur erahnen. Viele Frauen laufen hier durch die Rosenreihen und pflücken mit geschultem Auge die Rosen, die bereits die richtige Größe erreicht haben.

Neue Farm mit geschlossenem Wasserkreislauf

Im letzten Jahr hat Sher eine weitere Farm in Adamitulu errichtet, zehn Kilometer von Ziway entfernt. Auf 27 Hektar kann hier sukzessive die Produktion erweitert werden. Mit dem Bau der neuen Gewächshäuser wurde auch gleich eine brandneue und sehr umweltfreundliche Technologie umgesetzt: eine natürlich sogenannte Pflanzenkläranlage (eng.: „wetlands“). Sher nimmt das Wasser für die Rosenproduktion in Adamitulu aus einem anliegenden Fluss, das über einen Kanal zu den Gewächshäusern geführt wird. Dort wird das Wasser


geklärt und geht in die Produktion. Am Ende wird das Wasser auf natürliche Art und Weise geklärt – indem es durch verschiedene Becken mit unterschiedlichen Pflanzen geleitet wird. In den Böden dieser Becken wird das Wasser geklärt und kann danach wieder in der Produktion eingesetzt werden. Dieser geschlossene Wasserkreislauf ist nicht nur wassersparend, sondern auch gut für die Umwelt, weil keine Schadstoffe in die natürlichen Wasserquellen, wie das Grundwasser oder den Fluss gelangen. Die Pflanzenkläranlagen werden nun sukzessive auf alle Gewächshäuser der Farm ausgeweitet.

Das Fairtrade-Prämienkomitee entscheidet

Die rund 9.000 Arbeiterinnen und Arbeiter der Farm werden über ein Delegierten-System von rund 20 Vertreterinnen und Vertreter im Fairtrade Prämien-Komitee vertreten. Das Prämienkomitee entscheidet über die Verwendung der Fairtrade-Prämie. Während unseres Besuchs hatten wir die Möglichkeit uns mit der Mehrzahl der Komitee-Mitglieder auszutauschen und uns kennenzulernen. Der Großteil der Prämiengelder fließt in das Krankenhaus, das auf der Farm liegt und in die Schule, unmittelbar neben der Farm. Das Krankenhaus verfügt über 240 Betten und 150 Angestellte. Die medizinische Behandlung ist für die Beschäftigten der Farm und ihre Familien kostenlos. Ebenso ist der Schulbesuch für die rund 5.000 Schüler, inkl. zweier Mahlzeiten am Tag kostenlos. Neben diesen beiden „Großprojekten“ hat das Prämienkomitee


einige Arbeiter finanziell unterstützt beim Erwerb eines Führerscheins und einer Ausbildung im nahegelegenen „Beauty Salon“. Beides soll den Arbeitern ermöglichen, danach zusätzliches Einkommen erzielen zu können, entweder als Fahrer oder als Frisör. Das Komitee hat noch viele Pläne, z.B. möchte es noch mehr Computer-Kurse für die Arbeiter anbieten, eine Cafeteria auf der Farm für die Arbeiter betreiben, einen Kindergarten für die Kinder der Arbeiterinnen errichten und einen eigenen Bustransport für die Arbeiter auf der so großen Farm anbieten. Das würde einigen Arbeitern wieder zusätzliches Einkommen bringen.

Es war ein spannender Austausch zwischen dem Prämien-Komitee, Fairtrade Afrika und Fairtrade Deutschland. Im Teamwork mit Fairtrade Afrika konnten wir die Fragen des Komitees hinsichtlich der Fairtrade-Märkte und der praktischen Prämienverwendung gut beantworten. Für Fairtrade Afrika war es spannend zu hören, inwiefern sie das Komitee und somit die Arbeiter der Farm zukünftig noch besser unterstützen können, damit sie den größtmöglichen Nutzen erzielen.

Die Reise in die äthiopische Blumen –und Pflanzenwelt ist ein Beispiel für die gute Kooperation von Fairtrade in Deutschland und Afrika. Wir sind sowohl gegenüber den Medien, Plantageneignern und den Arbeitern als Team aufgetreten und haben kompetent die beiden Seiten des Fairen Handels dargestellt. Die Tour hat gezeigt, das Fairtrade als Joint Venture gut funktioniert.

Besuch der Textilfabrik Ayka

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Ayka Addis ist Afrikas größte und modernste Textilfabrik.

Meinen Aufenthalt in Addis Abeba habe ich auch dazu genutzt Afrikas größte und modernste Textilfabrik, Ayka, zu besuchen.Fairtrade Deutschland treibt ja federführend mit Fairtrade International den Textilstandard voran und deswegen war es für mich interessant diese wichtige Fabrik zu besuchen, da sie auch für den deutschen Markt produzieren. Sie befindet sich in türkischem Besitz. Es gab mit dem Management einen interessanten Austausch über den Textilmarkt im allgemeinen und die Arbeitsbedingungen und natürlich über Fairtrade. Gerade mit Kaffee und Blumen gewinnt Fairtrade in Äthiopien ja immer mehr an Bedeutung.

Wir bleiben im Dialog und schauen ob es in Zukunft vielleicht Kooperationsmöglichkeiten gibt.