Es war ein unverhoffter Anruf Ende Oktober. Die Frage, die mir gestellt wurde war, ob ich in 10 Tagen zu einer Konfernz nach Südafrika fliegen könne. Klar dachte ich, innerhalb von zwei Stunden habe ich zugesagt. Dabei wollte ich auch die Chance nutzen, meinem Lieblings-Fairtrade Wein auf die Spur zu kommen doch dazu später mehr.

Südafrika – Nelson Mandela – und Giovanna

Eigentlich hatte ich eine Reise nach Südafrika erst für 2016 geplant, doch manchmal wird so ein Wunsche einfach schneller Realität, als man geglaubt hätte. Also beschloss ich auch ein Fairtrade-Weingut zu besuchen. Giovanna, Volontärin bei Fairtrade Deutschland war gerade in Kapstadt, um bei Fairtrade Afrika im Kapstädter Büro mitzuarbeiten (davon könnt ihr hier im Blog ebenfalls

Weinkeller bei Koopmanskloof

Weinkeller bei Koopmanskloof

lesen). Viele wertvolle Tipps konnte sie mir geben: Wie funktioniert das mit dem Adapter im Stromnetz, warum fragen immer alle erst wie es einem geht und wo bekommt man die besten Unterkünfte. Mit ihrer Hilfe habe ich mich dann schnell zurecht gefunden.

Wenn man nach Südafrika reist, begegnet einem zwangsläufig Nelson Mandela – auf den Geldscheinen und in der Geschichte des Landes. Er war der erste schwarze Präsident, Friedensnobelpreisträger und gleichzeitig 27 Jahre lang Häftling des Apartheidregimes. Seit den frühen Neunzigerjahren hat sich nun viel verändert. Vor allem auch was das gemeinsame Miteinander der Menschen in der südafrikanischen Gesellschaft angeht.

Besonders gespannt war ich darauf, in ein Land zu reisen, in dem sowohl unter Fairtrade-Bedingungen produziert wird (Wein, Roibuschtee, etc.) als auch Fairtrade-Produkte verkauft werden.

Cadburys Schokoriegel aus dem südafrikanischen Supermarkt

Cadburys Schokoriegel aus dem südafrikanischen Supermarkt

An meinem ersten Tag ging ich gespannt in mehrere Supermärkte und fand ein breites Sortiment von Schokolade, Wein, Kaffee, Energydrinks und Tee – alles fair gehandelt.

 

vielfältig – begeisternd – fair

Südafrika zeichnet sich vor allem durch seine große Vielfalt, die Toleranz und das große Spektrum unterschiedlicher Menschen, die hier leben aus. Genauso abwechslungsreich wie das Wetter (innerhalb von zehn Minuten zwischen Sonnenbrand und Frostbeulen – oder Sonnenschein und Frühjahrssturm) ist auch die Landschaft. Für mich geht es Richtung Stellenbosch, rund 20 Kilometer außerhalb von Kapstadt. Diese Region ist Südafrikas berühmteste Weinregion. Die besten Weine der Welt stammen hierher. Mein Ziel ist das Weingut Koopmanskloof. Seit 2010 bin ich großer Fan eines bestimmten Weines aus Südafrika. Der Pinotage Rose hat es mir angetan. In Deutschland gibt es ihn bei der GEPA zu kaufen und gekühlt auf rund 7-10 Grad ist er nicht nur im Sommer ein Hochgenuss. Heute habe ich die Chance zu sehen, wo dieser Wein herkommt. Koopmanskloof bedeutet „Kaufmann-Spalte“ und geht zurück auf Einwohner der Region im 16. Jhd. mit denen die Seefahrer, die im Süden Afrikas anlandeten Handel trieben.

Von Weinbergen, einem Naturschutzgebiet und dem „Fairtrade Premium Committee“

Reydal Jeftah mit mir in den Weinbergen

Reydal Jeftah mit mir in den Weinbergen

Ich treffe Rydal Jeftah, Geschäftsführer des Weingutes. Mit ihm bin ich verabredet, zusammen wollen wir uns die Weinberge angucken. Der Weg schlängelt sich entlang endlos erscheinender Weinfelder den Berg hinauf bis auf 450 Meter Höhe über NN. Hier liegt auch das eigene Naturreservat „Koopmanskloof“, das viele einheimisch und seltene Pflanzen beherbergt. Auf den Felder, die unseren Weg hier hoch begleitet haben, wachsen die Weintrauben, die hinterher zu Fairtrade-Wein verarbeitet werden.

Auf diesem Weingut arbeiten rund 100 festangestellte Arbeiterinnen und Arbeiter. Sie profitieren in doppelter Hinsicht vom Fairen Handel. Auf der einen Seite bekommen sie für ihre Arbeit einen überdurchschnittlichen Lohn, der sich auf diesem Weingut auch noch an ihrer Erfahrung orientiert. Gerade hier in Südafrika mit einer Arbeitslosenquote um 30% ist ein verlässlicher und sicherer Arbeitsplatz entscheidend.

Zusätzlich kann das Fairtrade Premium Committee, das die Arbeiter aus ihren Reihen wählen, noch über die Verwendung der Fairtrade-Prämie entscheiden. „Diese Prämie geht direkt an die Arbeiter“, erklärt Rydal, „sie entscheiden demokratisch darüber, wofür dieses Geld verwendet wird“.

 

Schulenbau – Warmes Wasser – Rentenfond
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Mit den Gelder der Fairtrade-Prämie wird hier in Koopmanskloof viel Entwicklung ermöglicht. Neben der Unterhaltung einer Schule und eines Kindergartens ist die Warmwasserversorgung der Häuser ein wichtiges Projekt. So wurde für alle Häuser der Arbeiter eine Solar-Warmwasseranlage auf jedem Dach installiert. Die festangestellten Arbeiter können auf dem Gelände des Weinguts mit ihren Familien leben. Adäquate Häuser mit Elektrizität und Wasserversorgung werden ihnen dabei gestellt. „Das Leben hat sich dank Fairtrade für uns wirklich verbessert“, erzählt mir ein Arbeiter.

Wein - soweit das Auge reicht!

Wein – soweit das Auge reicht!

Geregelte Arbeitszeiten, Urlaub und eine sichere und gute Bezahlung tragen dazu bei. Als aktuelle Projekt hat das Fairtrade Premium Committee einen Rentenfond aufgelegt. Wenn nun Arbeiterinnen und Arbeiter in Rente gehen, sind sie weiterhin finanziell abgesichert und können auch in ihren Häusern wohnen bleiben.

Fairtrade schafft Entwicklung

Während wir von oben, vom Berg, nach unten blicken, zeigt mir Rydal die drei Aspekte von Fairtrade. Wir gucken auf das Naturschutzgebiet. Es steht für ökologische Nachhaltigkeit. Das bedeutet den Verzicht von bestimmten Pestiziden, das Verbot von Gentechnik, vorwiegend ökologischen Dünger (aus Weintrauben-Schalen und Gerippe) und einen möglichst umweltschonenden Anbau. Dann die Häuser der Arbeitenden und ihrer Familien. Sie stehen für den Bereich „Soziales“. Hier geht es um die Fairtrade-Prämie mit der soziale Gemeinschaftsprojekte umgesetzt werden können oder auch das Verbot von Kinderarbeit. Und zuletzt blicken wir auf die Gebäude des Weingutes, für Produktion, Verwaltung und Verkauf. Sie stehen für den Bereich der Ökonomie, für den Bereich des Handels und damit für den fairen existenzsichernden Mindestpreis, die Beratungen innerhalb des Fairtrade-Systems und eine mögliche Vorfinanzierung.

2007 kam Rydal zu diesem Weingut. Er hatte zuvor in Südafrika auf einem anderen Weingut gearbeitet und hier den ersten Fairtrade-Wein Afrikas hergestellt, wie er ein bisschen stolz betont. Für ihn war klar, dass auch bei Koopmanskloof ab sofort unter Fairtrade Bedigungen produziert werden sollte. Zertifiziert wird die Einhaltung aller Fairtrade-Standards durch die unabhängige Organisation FLO-CERT, die einmal jährlich ein Audit hier durchführen.  P1250515Auf den 462 Hektern werden maximal 4000 Tonnen Weintrauben angebaut und bis zu 2.5 Millionen Litern fair gehandeltem Wein verarbeitet. Deutschland ist nach Skandinavien der größte Absatzmarkt für das Weingut Koopmanskloof.

Von Pinotage, Shiraz und Co.

Die Pinotage-Traube ist eine spezielle südafrikanische Züchtung aus Spätburgunder (auf Französisch „Pinot Noir“) und Cinsault. Sie wird hier neben Shiraz, Cabernet Sauvingon, Chenin Blanc und vielen weiteren Sorten angebaut. Etwas mehr als die Hälfte der Fläche nimmt dabei Weißwein ein. Die 600 mm Niederschlag jedes Jahr sind eine Grundvoraussetzung für guten Wein. Zusätzlich werden die Pflanzen noch bewässter. Dies wird durch die Aufstauung von kleinen Bächen mit eigenen Dämmen und in Sammelbecken möglich. Diese Bäche befördern Regenwasser vom Berg ins Tag, welches hier aufgefangen wird. Um die besondere Intensität der einzelnen Weinsorten besonders herauszuarbeiten, wird ein Großteil der Weinpflanzen nicht in Reihen, an Drähten (Trilesten), sondern als so genannter „Bush-Vine“, also buschförmig gepflanzt. Durch die kleineren runden Trauben wird das Aroma intensiviert und der Wein qualitativ besser.

Fairtrade wirkt und bewegt viel

Wenn man hier vor Ort ist, sieht man wie Fairer Handel funktioniert und das dies bei den Produzenten ankommt, kann man Konsumentinnen und Konsumenten in Deutschland nur empfehlen eine bewusste Kaufentscheidung für Fairtrade-Produkte zu treffen. Mit jedem Päckchen Kaffee, jeder Tafel Schokolade, oder wie in diesem Fall mit jeder Flasche Wein, können wir dazu beitragen die P1250643Lebensbedingungen von mehr als 1,4 Millionen Fairtrade-Produzenten nachhaltig zu verbessern. Rydal Jeftah beschreibt es wie folgt: „Wir möchten etwas Wertvolles schaffen, für die Menschen hier in Südafrika, deren Leben verbessert wird, für die Natur und Umwelt, die wir schützen und für die Menschen, die dieses Fairtrade-Produkt dann kaufen!“

Und diese Veränderung können wir alle erreichen – Fairtrade-Wein trinken: Nie war es schöner die Welt zu verbessern!