Für mich war es persönlich sehr wichtig, so viel wie möglich aus diesem Jahr mitzunehmen. Die perfekte Chance dafür sah ich jetzt Anfang August – in meinem Urlaub. Für mich sollte es nach Südkorea gehen, genauer gesagt in die wunderschöne Hauptstadt Seoul. Dort liegt befindet sich? auch der Sitz von Fairtrade Korea, einer kleineren, jüngeren NFO. Per E-Mail fragte ich an, ob es möglich wäre, dem Team einen Besuch abzustatten. Zwar habe ich sehr viel bei Fairtrade Deutschland hinter die Kulissen gucken könnennun hatte ich jedoch auch mal die Möglichkeit, eine vollkommen andere NFO, mit anderen Vorrausetzungen und anderen Vorangehensweisen zu besuchen. Sehr schnell bekam ich eine Antwort von Soyeon, mit der ich einen Termin ausmachte.

Am Dienstag, nachdem ich schon einige Tage in Südkorea war, machte ich mich dann gegen 11 Uhr auf den Weg. Fairtrade Korea hat seinen Sitz in einem Hotel in dem schönen Viertel Jung-gu, direkt im Herzen von Seoul.

Der erste Schritt ins Büro war sehr überwältigend. Das Hotel ist definitiv besser ausgestattet, mit goldenen Wänden und weitläufigen Räumlichkeiten. Mit dem Fahrstuhl gelangt man vorbei an den normalen Gästezimmern zu dem Stockwerk von Fairtrade. Von dort hat man einen tollen Blick auf die Stadt.

Etablieren ist alles

Das erste was einem in den Blick fällt sind die verschiedenen Marken hinter dem Empfang. Dort hängt jeder Lizenznehmer, jeder einzelne davon der Stolz der Koreaner. Es ist auch das Erste was mir direkt gezeigt wird.

Dort traf ich die drei Mitarbeiter,  die mir zunächst eine Präsentation über Fairtrade zeigten. Danach durfte ich mich auch noch ein bisschen in deren Büro umsehen. In einer Art Showroom waren alle auf dem koreanischen Markt vorhandenden Fairtrade-Produkte ausgestellt. Ein Großteil davon sind Importwaren, die mit einem entsprechenden koreanischen Sticker beschriftet sind. In der letzten Zeit ist die Organisation um einiges größer geworden und hat jetzt sogar 10 Lizenznehmer. Auch das Programm Fairtrade@work verbucht einen großen Erfolg und wird sogar von einigen Designermarken (wie Louis Vuitton) unterstützt.

Andere Länder – andere Probleme: Fairtrade auf der anderen Seite der Welt

Neben dem Showroom gibt es auch noch einen Raum mit internationalen Waren, in dem die gesamte Bandbreite von Fairtrade-Produkten aus der ganzen Welt präsentiert wird. Danach setzten wir uns hin und fragten uns gegenseitig aus, besichtigten alle Materialien  und sprachen über allgemeine Probleme. Dabei erfuhr ich unter anderem, dass Korea besonders mit dem Desinteresse der Bevölkerung kämpft.

Das ist besonders erstaunlich, da Korea selber mit menschenverachtenden Arbeitsbedingungen im Näh-/Textilbereich in den 70ern zu kämpfen hatte. Erst durch den Suizid des Arbeiters Jeon Tae-il verbesserten sich die Bedingungen langsam

Beim gemeinsamen Lunch viel mitgenommen

Um zwölf ging es dann zur gemeinsamen Mittagspause: in diesem Fall Rahmen-Nudeln (zum Selbermachen!), bei denen wir noch weiter über das alltägliche Leben und Fairtrade Korea redeten. Bevor ich nach Asien gegangen bin, habe ich schon das ein oder andere Klischee gehört: lange Arbeitszeiten, ständiger Druck und viel lernen. Unsere kleine Gruppe bestätigte dabei alles: teilweise hätten sie von acht bis zwölf Uhr nachts in der Uni. Victor, der BWL studiert hat und einige Jahre im Handel gearbeitet hatte, bestätigte, dass sich das Ganze auch im Arbeitsleben wenig geändert hätte. Seit er bei Fairtrade arbeitet, leide er aber nicht mehr so unter dem Druck. Für uns war es dann doch schockierend, zu hören, dass alle nur zehn Urlaubstage für das ganze Jahr haben. Manchmal vergisst man doch, wie viel Glück man hat.

An sich war es einfach eine sehr tolle Erfahrung, nicht nur die Gesichter hinter der Organisation zu sehen, sondern auch die unterschiedlichen Herangehensweisen. Während wir uns ja ziemlich auf die Zivilgesellschaft konzentrieren, arbeitet Fairtrade Korea stärker daran, neue Lizenznehmer zu finden. Zusätzlich hat das Büro im Moment zu wenige Mitarbeiter und hat Probleme Neue zu finden: Viele Südkoreaner bewerben sich überall und haben oft nur wenig Interesse an Fairtrade selber.

So richtig finden kann man Fairtrade in normalen Läden auch nur selten. Selbst Artikel, die Fairtrade sind (wie etwa Starbucks-Kaffee aus dem Kühlregal) fehlt das Logo – „es würde  sich auf dem Markt einfach nicht lohnen“

Auf dem Weg zurück fiel mir dann noch ein kleines Fairtrade-Café im nahen Umkreis auf – das trotzdem gut gefüllt war.