Für mich ist es jetzt offiziell dann vorbei: Ich verlasse am 31. 08 Fairtrade. Seit knapp einem Jahr arbeite ich hier und für mich war es unglaublich tolle Erfahrung, über die ich einfach froh bin. Nicht nur konnte ich wichtige neue Fähigkeiten erlernen und mich orientieren, auf dem Weg machte ich auch noch viele neue Freunde und lernte tolle und inspirierende Leute kennen. Ich fühle mich wohl hier, sodass sich Fairtrade schon fast wie ein zweites Zuhause anfühlt.

Manchmal ist es doch ganz gut ins kalte Wasser geworfen zu werden

Für mich ging das Jahr schon spannend los – mit den Kampagnenleuten ging es am zweiten Tag nach Dortmund zur Messe FairFriends. Das Ganze gestaltete sich sehr stressig – war ich ja erst vor einem Tag in meine neue Wohnung eingezogen. Zudem mussten wir schon um sechs los, um pünktlich anzukommen, dort alles aufzubauen und aufzuräumen. Dementsprechend konnte das erste Wochenende in Köln nicht früh genug kommen.

Zurück im Büro heiß es dann: Einarbeiten, Einführungsgespräche und Pakete verschicke. Ende September sollte die Faire Woche stattfinden, für die fleißig Sachen vorbereitet werden mussten. Meine erster Monat wurde dann auch perfekt mit dem Fairday und der Modeshow abgerundet. Die Modeshow in der Schildergassse war mein erstes großes Medienevenet und es war sehr spannend zu sehen, wie Models vorbereitet, Musik ausgewählt, Stage aufgebaut und mit der Presse umgegangen wurde. Nebenbei konnte ich auch meine erste Erfahrung mit dem direkten Zivilgesellschaftsumgang sammeln. Fremde Leute anzusprechen benötigte einiges an Mut, der mir an dem Tag leider noch ein wenig fehlte.

Oktober startete dann etwas ruhiger und bald kam schon mein erstes Seminar mit anderen FSJ-lern. Auf diesem lernte wir unsere Rechte als FSJ-ler kennen, tauschten uns über Erfahrung aus und freundeten uns schnell an. Natürlich kamen auch die politischen Gespräche nicht zu kurz, so dass wir teilweise noch bis vier Uhr morgens redeten.

Einmal quer durch Deutschland

Zurück ging es dann auch zur Planung der Fairtrade-School-Fachtagung in Elmshorn (Schleswig-Holstein). Diese sollte am 24. November stattfinden und bis dahin musste viel vorbereitet werden…

Zwar war die Fachtagung unglaublich hektisch, dafür aber auch spannend. So viele junge Leute, die aus ganz Schleswig-Holstein kamen, nahmen enthusiastisch an den angebotenen Workshops teil. Mein besuchter Workshop über FTS war sehr interessant. Mit dabei waren auch einige Schule, die noch keine FTS waren und deren Input zu Problemen, die sie auf dem Weg zur Fairtrade-School begegneten, hörten wir gerne zu. Einige Bewerbungen wurden auch nur wenige Wochen nach der Konferenz eingereicht. Schnell bauten sich untereinander Freundschaften auf, die teilweise bis heute noch bestehen.

Nach einer erfolgreichen Veranstaltung war es dann schon Dezember – Beginn des Adventskalenders. Zwischen Paketen verschicken, Planen fürs nächste Jahr und Aufräumen des gefürchteten Archivs  blieb kaum Zeit, um Luft zu holen. Nebenbei fand auch noch eine Fairtrade-School Fachtagung statt. Diesmal im schönen  Ingelheim, wo es ganze 3 (!) ausgezeichnete und aktive Fairtrade-Schulen gibt. Dabei entdeckte ich auch zufällig ein neues Hobby: Upcycling.

Mit Beginn des neuen Jahres wurde es zum Glück ein bisschen ruhiger. Im März fand dann die lang entgegen gefieberter Schülerakademie statt. Dafür ging es nach Karlsruhe, wo sich knapp 200 motivierte SchülerInnen aus Baden-Württemberg zusammen fanden. Ein Riesenevent, was mich zu Anfang doch sehr einschüchterte. Zum Glück konnte ich dank Millionen von Aufgaben, GO-Kurier-Bestellungen und Versand/Druckabholung kaum daran denken.

Es funktionierte dann doch alles überaschenderweise wie am Schnürchen, selbst der Auftritt des Fairtrade-Musicals „Fair-Playerz“, welches ich mir endlich auch live angucken konnte. So viele Leute zu den richtigen Seminarräumen zu bringen, zu versorgen und Fragen zu beantworten, war doch recht anstrengend. Abends dann endlich in Ruhe im Zug zu sitzen war dann ein Segen, obwohl Karlsruhe eine wunderschöne Stadt ist, die ich sicher noch einmal besuchen werde.

Irgendwie ist das Arbeitsleben ja doch gewöhnungsbedürftig

Danach rief es mich dann förmlich: Urlaub. Nach all dem Stress kamen die zwei Seminare und der Urlaub im April wie gerufen. Was mich dieses Jahr besonders lehrte: zwischen der Schule und einer 40-Wochen Stunde liegen doch Welten.

Direkt nach dem zweiten Seminar ging es in die Vorbereitung des Jubiläums. Ich hatte die Ehre, daran teilnehmen zu dürfen: als Jugendforumteilnehmer. Einige der anderen Teilnehmer waren mir sogar bekannt, sodass sich bei guter Atmosphäre, einem tollen Rahmenprogramm und gutem Essen schnell neue Freundschaften entwickelten. Mit vielen stehe ich bis heute noch in Kontakt und wir treffen uns spontan wenn jemand im Umkreis ist. Einige von uns (inklusive mir) werden auch am Jugendforum der FES zur COP23 teilnehmen, worauf wir uns alle sehr freuen. Natürlich wird auch dort der Fairtrade-Gedanke eine wichtige Rolle bei unseren Diskussionen spielen!

Dann ging es auch  schon in den Endspurt. Neben der Entscheidung über meine Zukunft nutzte ich meinen letzten Urlaub, nahm an meinem letzten Seminar teil und erhielt eine riesige Anzahl an Bewerbung zur Fairtrade-School vor Ende des Schuljahres. Zum Glück wurde es mit Anfang der Sommerferien immer weniger, sodass ich dann auch meine letzten Tage noch voll genießen konnte (indem ich weiter im Archiv aufräumte…).

In meinem Jahr bin ich fast einmal komplett durch Deutschland gereist, habe diverse neue Aufgaben erledigt, gelernt, und so viele neue Leute auf meinem Weg getroffen.

Nicht nur bin ich selber unglaublich gewachsen und eine vollkommen neue Person geworden (side note. Unfassbar, dass ich vor einem Jahr noch Jura studieren wollte…). Ich habe hier auch einen tollen Halt und Support gefunden, und neue Fähigkeiten gelernt, die mir im späteren Leben immens helfen werden. (Und ganz, ganz viel Essen. So viel Essen)

Hiermit möchte ich noch einmal allen Leuten danken, die mir die ganzen Erlebnisse und die vielen Erinnerungen möglich machten.

Ich werde euch sicher noch einige Male besuchen!