Wenn das Hope Theatre auftritt, darf das Theaterpublikum gespannt sein – sich aber keinesfalls entspannt zurücklehnen. Hier treffen Schauspieler mit kenianischen und deutschen Biographien aufeinander. Hier  beschallen Mannheimer HipHop Beats und afrikanische Trommeln im Wechsel die Bühne. Hier ist Mitdenken gefragt und mitunter wird der Zuschauer selbst zum Darsteller des Fair Trade Play. Vor fünf Jahren wurde das Hope Theatre mit Künstlern aus Kenia, Deutschland und Österreich in Nairobi gegründet. Die Themen Fair Trade und Fairness bzw. Un-Fairness ziehen sich wie ein roter Faden durch das Theaterprogramm: Ein deutscher Schokoladenfabrikant, der seine Arbeiter ausbeutet; ein weißer Tourist, der die kenianische Justiz besticht, um sich eines Vergewaltigungsvorwurfs zu entledigen; ein kleines Mädchen, dessen Vater bei Wahl-Unruhen erschossen wurde. „That’s not fair – isn’t it?“ resümiert einer der Darsteller immer wieder in Richtung Publikum.

Hope Theatre

Insgesamt acht Wochen war das Hope Theatre in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg unterwegs. Der Tourplan war straff: 18 Auftritte in Schulen absolvierte die Truppe. Besonders bei den Schülerinnen und Schülern – so berichten uns die Künstler im Anschluss – war die Begeisterung für das Hope Theatre groß. An vielen dieser Schulen ist das Thema Fairer Handel schon fest verankert, denn sie haben sich erfolgreich um die Auszeichnung zur Fairtrade-School beworben. Die Begegnung mit den jungen  Darstellern macht das Verhältnis zwischen dem afrikanischen und dem europäischen Kontinent, den Blick auf Klischees und den (un)fairen Umgang miteinander hautnah für die Schüler erfahrbar.

Die gleichermaßen unterhaltsame wie politisch-kritische Auseinandersetzung mit dem Fairen Handel präsentierte das Hope Theatre auch in zahlreichen Abendveranstaltungen wie beim Fairtrade Award in Berlin, im Siegener Apollo Theater, im Badischen Staatstheater in Karlsruhe sowie in Bürgerzentren in Bochum, Köln oder Wien. Der TransFair e.V., der die Tour des Hope Theatres unterstützt und fördert, stand bei einigen Auftritten sogar selbst mit auf der Bühne: Unser Chef Dieter Overath mimte den überheblichen Europäer Deutschmann, der eine Afrikanerin geheiratet hat, und im Interview nicht nur seiner Frau sondern auch der Moderatorin (alias TransFair-Mitarbeiterin Johanna Schmidt) seine schwarz-weiße Weltsicht erklärt: „Wissen Sie, ich sag‘ immer, für die Ausbeutung da gehören zwei dazu. Die, die ausbeuten und die, die sich ausbeuten lassen.“

Hope TheatreDas Hope Theatre breitet die europäisch-afrikanische Beziehung in all ihren Facetten vor den Zuschauern aus, erläutert Hope Theatre-Mitglied David Nawieri die Szenefolge in einem Publikumsgespräch. Ob mit Arroganz, Mitleid, Überheblichkeit oder übertriebene Vorsorge: Die Zuschauer werden konfrontiert und auch provoziert, ihre eigene Haltung kritisch zu hinterfragen – mit Erfolg! Den Dialog mit den Zuschauern sucht das junge Theater in Diskussionsrunden vor und nach den Veranstaltungen und auch während der Stücke. Diese  Herangehensweise hat dem Hope Theatre bei der diesjährigen Tournee eine große und begeisterte Medienresonanz gebracht.

Fairness und fairer Handel aufrüttelnd und berührend – Dieter Overath und mir hat es großen Spaß gemacht, diese Themen auf eine ganze neue Weise zu bearbeiten und zu betrachten und dabei in unbekannte Rolle zu schlüpfen. Wir freuen uns und sind gespannt auf den Besuch des Hope Theatres im nächsten Jahr!

 

Bildnachweise: Christof Krackhardt; TransFair e.V. / Dieter Overath