Unsere Saarbrücker Fairtrade-Reisegruppe hat sich während unserer Reise durch Mittelamerika mit den Herausforderungen des Klimawandels für Fairtrade-zertifizierte Kaffeekooperativen und seinen existenzbedrohenden Folgen vefasst. Ein Faktor, der durch den Klimawandel beeinflusst wird, ist der Befall der Kaffeepflanzen, beispielsweise durch Pilze und Krankheiten (wie dem Kaffeerost La Roya). Seit einigen Jahren ist die Krankheit ein ernstes Problem, das zu einen Ernteausfall von bis zu 50% geführt hat.

"La Roya" (Kaffeerost) befällt die Blätter der sensiblen Kaffeepflanzen

„La Roya“ (Kaffeerost) befällt die Blätter der sensiblen Kaffeepflanzen

Meine persönlichen Berührungspunkte mit dem Klimawandel

Für mich, als Leiter des Amtes für Klima- und Umweltschutz der Landeshauptstadt Saarbrücken, sind die Herausforderungen des Klimawandels auch für unsere Stadtplanung ein Begriff. Wir müssen gleichzeitig neue Wohnungen und Platz für Gewerbe schaffen und doch die Grünflächen als immer überlebenswichtigere Räume schützen und ausweiten, um gesundheitsgefährdenden Extremsituationen bei globaler Erwärmung entgegenzuwirken.

Teil 1 – COMSA in Marcala, Honduras

COMSA bemüht sich seit Jahren klimaneutral Kaffee zu produzieren, in dem sie Bio-Anbau auf ihre Fahne geschrieben haben. Doch sind sie bereits heute den Folgen des Klimawandels ausgesetzt.
David, Präsident von COMSA:

„Bis 2010 konnte man Anfang Mai säen, da warst du dir sicher, dass zwei Tage danach der Regen kommt und das Saatgut aufgeht. Heute ist kein Verlass mehr darauf. Oft läßt die Regenzeit auf sich warten.“

COMSA hat auch erkannt, dass die Schulung von Mitgliedern extrem wichtig ist, um aufzuklären und Alternativen aufzuzeigen. Gerade auch die nächste Generation steht im Mittelpunkt der Philosophie des Zusammenspiels „Mensch – Natur – Schöpfung“.

 

Teil 2 – SOPPEXCCA in Jinotega, Nicaragua

16 einzelne Kaffeekooperativen (insgesamt ca. 650 Mitglieder) haben sich unter der Dachkooperative Soppexcca in Jinotega vereint. Kaffee mag es nicht so heiß, hier gilt eine Höhe von 1.000 bis 1.400 Metern. Oberhalb davon gibt es Wald und dieser ist staatlich geschützt, steht also für ein Ausweichen des Kaffeeanbaus auf größere und kühlere Höhen nicht zur Verfügung. Das Fairtrade-System hat es durch seine Prämien Soppexcca ermöglicht, die Krise bislang zu überstehen und Anpassungsstrategien zu entwickeln.

Seit vier Jahren diversifiziert man den Anbau durch Kakao. Dieser wiederum mag es möglichst warm und fand diese Bedingungen bislang nur bis auf 800 Meter über Meeresniveau. Durch den Klimawandel gedeiht er jetzt auch gut in Jinotega. Soppexcca hat ein Forschungszentrum eingerichtet, um ertragreiche Pflanzen zu züchten und zu veredeln. Zusammen mit ebenfalls entwickelten organischen Düngern werden diese den Mitgliedern zur Verfügung gestellt.

Mit ersten vielversprechenden Erfolgen: in 12 der 16 Einzelkooperativen wird inzwischen auch Kakao geerntet. Dieser wird bislang in eigener Chocolaterie zu fünf leckeren Schokoladensorten verarbeitet und an 60 Stellen im gesamten Nicaragua verkauft. Mehrere Arbeitsplätze für junge Menschen wurden so geschaffen, ergänzt durch drei Cafeterien, die die eigenen Produkte anbieten.

Pläne für eine weitere Ausweitung der Produktion und möglicherweise Export unter dem Fairtrade-Siegel sind vorhanden, es fehlt allerdings am notwendigen „Kleingeld“ für die Maschinen. Ich habe die Schokolade gekostet und fand sie sehr lecker. Ich hoffe, dass es den Kaffeebauern von Jinotega gelingt, ihre Abhängigkeit vom Kaffee zu senken und zukünftig erfolgreich Kaffee und Kakao anzubauen. Verdient haben sie es für ihr beeindruckendes Armhochkrempeln angesichts der drohenden Katastrophe.

Nach diesen Eindrücken sind wir noch nicht am Ende unserer Reise… Fortsetzung folgt.

Autor: Christian Bersin

Leiter des Amtes für Klima- und Umweltschutz, Landeshauptstadt Saarbrücken
Fairtrade-Beauftragter der 1. Fairtrade-Town in Deutschland