Fairtrade Inside Out – Bericht aus der Mitte der Internationalen Fairtrade-Vollversammlung:

Alle Jahre wieder treffen sich die Vorstandsvorsitzenden und Geschäftsführer*innen aller Fairtrade-Mitgliedsorganisationen zu ihrer Internationalen Vollversammlung. Ich habe in diesem Jahr zum 9. Mal die Gelegenheit an diesem Treffen teilzunehmen, und ich bin stolz und glücklich über das Bild, das sich mir bietet – gewählte Produzentenvertreter*innen aus Indonesien, Kenia, der Elfenbeinküste, Brasilien, Indien, der Dominikanischen Republik, mit ehrenamtlichen Vorständen der Fairtrade-Organisationen aus Europa und Amerika, die aus dem Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, der Gewerkschaften, der Umweltverbände kommen und vielen Kolleg*innen, die Vollzeit für Fairtrade arbeiten.

Der gemeinsame Nenner: Die Fairtrade-Mission

Die Bandbreite der Erfahrungshintergründe ist groß in Bezug auf die Herkunftsländer, die Produkte, die Größe der Produzentenorganisationen, die Marktrealitäten.
Der gemeinsame Nenner: Die Fairtrade-Mission, das Ziel, für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und Arbeiter*innen im globalen Süden durch gerechte Handelsbedingungen bessere Lebensbedingungen zu erreichen. Und die Umsetzung der Strategie 2016-2020.

Diese DNA ist aber bei allen spürbar. Die Unterschiedlichkeit der Erfahrungen ist ein guter Hintergrund, um gut informierte und kluge Entscheidungen für die Weiterentwicklung des Fairtrade-Systems im kommenden Jahr zu treffen.

Wichtige Themen:

Wie können wir sicherstellen, dass Fairtrade-Absätze das Einkommen der einzelnen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und der Arbeiter*innen auf Fairtrade-Plantagen signifikant verbessern? Mehr Absätze? Andere Mindestpreise? Zusätzliche Lohnmechanismen? Projekte, die die Effekte des Klimawandels mildern? Schaffung neuer Einkommensquellen für Kleinbauernorganisationen?

Wie reagiert Fairtrade auf Unternehmen, die zwar verantwortungsvoll in ihren Lieferketten agieren wollen, die aber keine Fairtrade-zertifizierten Produkte einführen möchten? Können wir solchen Unternehmen ein Angebot machen, damit sie in ihren eigenen Strategien den Fairtrade-Gedanken (Einpreisung der realen Kosten einer nachhaltigen Produktion, Verhandlung auf Augenhöhe mit Zulieferern, Zahlung einer Prämie für Entwicklung, Selbstbestimmung vor Ort) einbeziehen? Welche Kooperationen machen Sinn, welche nicht?

Wie fügt sich die Fairtrade-Zertifizierung in die Fairhandelsbewegung insgesamt ein? Fairtrade will und tut viel mehr, als nur eine Garantie für Produkte zu geben. Wir haben politische Ziele, denn ohne positive politische Rahmenbedingungen kann die Situation von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie landwirtschaftlichen Arbeiter*innen im Süden nur bruchstückhaft verbessert werden. Aber wie passen wir als Zertifizierung, die mit großen und kleinen Marktpartnern arbeitet, mit der WFTO zusammen?

Themen der Zusammenarbeit

Und dann natürlich auch: Wie können wir mit den verschiedenen Mitgliedsorganisationen des Fairtrade-Systems noch besser zusammenarbeiten? Wie können wir auch zwischen den Vollversammlungen schnelle und gute Entscheidungen gemeinsam treffen? Die Mitgliedsorganisationen, das sind drei Produzentennetzwerke aus Asien (NAPP), Lateinamerika (CLAC) und Afrika (FTA), die mehr als 1.200 zertifizierten Produzentenorganisationen weltweit beraten und unterstützen und ihnen gleichzeitig eine Plattform zur direkten Mitbestimmung im Fairtrade-System bieten.
Und 20 Nationale Fairtrade-Organisationen, die wie TransFair in Deutschland die Märkte für Fairtrade-gesiegelte Produkte entwickeln und die Verbraucher informieren sollen, darüber was fairer Handel ist, was er erreichen kann , was nicht, und was die zertifizierten Kleinbauernorganisationen von den Verbrauchern, den Regierungen und den Unternehmen wollen und brauchen, um Motoren für die Entwicklung in ihrer Region zu werden oder zu bleiben.

Die Resultate

Ist es uns in diesem Jahr gelungen, diese Fragen zu beantworten? Kurz gesagt: Ja, wir sind wieder ein Stück weiter. Und nein, auch 2017 wird die (Fairtrade-) Welt nicht perfekt werden.
Um unserem Hauptziel, der Verbesserung der Einkommen von Kleinbauern und Arbeitern näher zu kommen, wollen wir intensiv an den Strängen mehr Fairtrade-Absätze, besseres Zugangsmanagement neuer Organisationen, zusätzliche Einkommensquellen für Fairtrade-zertifizierte Kleinbauern aus anderen Produkten und Berücksichtigung externalisierter Kosten in den Fairtrade-Mindestpreisen arbeiten.

In Bezug auf unsere Kooperation mit Unternehmen ist jetzt allen Mitgliedern klar, was wir Unternehmen anbieten können, die Fairtrade unterstützen wollen: Zertifizierung, Zertifizierung, Zertifizierung. Darüber hinaus außerdem die Teilnahme an den Fairtrade-Sourcing-Programmen, Projektarbeit, wenn die Projekte den Bedarfen der Produzenten entsprechen, zusätzliche, maßgeschneiderte Lieferkettenservices. Damit sollten wir für viele verschiedene Unternehmensstrategien interessante Andockpunkte bieten können.

Die Zusammenarbeit mit der weiteren Fairhandelsbewegung wurde klar und konstruktiv formuliert. Auf der Vollversammlung haben die Delegierten einstimmig den Text für die Fair Trade Charter verabschiedet. Dieses Dokument werden im November die Delegierten der internationalen WFTO Vollversammlung diskutieren und verabschieden, so dass es für uns alle leichter wird zu zeigen, was den fairen Handel ausmacht und wofür wir stehen.

Produzentenmitbestimmung und Stimmen der Teilnehmer*innen 

Da das Fairtrade-System sich nach dem Beschluss für 50 Prozent Produzentenmitbestimmung an allen Entscheidungen und nach der Übergabe der Produzentenservices in die Verantwortung der Produzentennetzwerke weiter in einem strukturellen Umbauprozess befindet, ist auch der Bereich „mehr und bessere Kooperation“ zwischen den Mitgliedern weiter immens wichtig. Hier ein paar Stimmen der Teilnehmer*innen dazu:

TsiTsi Choruma, Geschäftsführerin von Fairtrade Africa: „After this week I think everything is possible as long as we come together, we have the right mission and now I know that it is a good thing to be associated with FT. This is my third GA, It was indeed a good GA, and I think we have learnt a lot.“

Luis Martínez, Delegierter der CLAC: „Creo que esta semana hemos aprendido mucho de nuestras diferencias. Los procesos democráticos siempre son costosos en tiempo y en dinero. Pero hacen que aprendamos mucho. Yo he aprendido de los compañeros nuevos y he visto que en este movimiento nadie somos pequeño, nadie somos grande, lo importante es que vayamos todos juntos.“

Hartwig Kirner, Geschäftsführer von Fairtrade Österreich und Sprecher aller NFO-Geschäftsführer: „Es hat sich wieder gezeigt, dass wir die besten Lösungen finden, wenn unsere demokratischen Strukturen gut funktionieren.“

Fazit

Ich bin eines der vielen kleinen Rädchen in dieser Fairtrade-Familie und bemühe mich im Auftrag von TransFair darum, dass die Abstimmung zwischen den Mitgliedern zum Wohle der Kleinbauern und Arbeiter gut funktioniert, dass neue gute Ideen aus allen Teilen der Welt auch international aufgenommen werden, dass die Mitgliedsorganisationen von TransFair die internationalen Entscheidungen kennen und verstehen und sich auch darin wiederfinden. Und ich finde, wir haben das dieses Jahr ganz gut gemacht!

Weitere Links

Webseite von Fairtrade International