Wer träumt nicht davon… einen Tag in einer Eisfabrik zu verbringen – und dann noch in der von Ben & Jerry’s.

We love Icecream! – Besuch in der Fabrik von Ben & Jerry’s

Im diesem Sommer hatte ich das große Glück mit einigen anderen Journalisten die Fabrik von Ben & Jerry’s zu besuchen. Nachdem ich vor einigen Jahren schon die Produzenten der Fairtrade-Mandeln für das Eis in Palästina besucht habe, konnte ich nun sehen wo dieses Wunderwerk aus Milch, Sahne und besten Fairtrade-Zutaten hergestellt wird.

Und dabei hatte ich großes Glück, denn die Fabrik ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich, wie mir Thiemen Bloemberg, der Leiter der Ben & Jerry’s Fabrik erzählt. Es geht um Hygiene und Sicherheit und auch darum, dass das Geheimnis hinter Ben & Jerry’s gewahrt bleibt. Das meint zum Einen natürlich das großartige Eis, zum Anderen meint es aber auch die Technik, die in den Produktionsstraßen der Fabrik verbaut ist – zu viele wollen Eisrezept und Technik nachmachen – und das wäre nicht fair! :)

Die Eisfabrik liegt mitten in einer kleinen Stadt im Nordosten der Niederlande. Hier wird das gesamte Eis für Europa produziert. Die Mutterfabrik steht in Vermont in den USA. Von hier schwappte die Idee von Ben & Jerry über den Ozean.

Zwei Alt-Hippies mit einer Idee

Bennett (Ben) Cohen und Jerry Greenfield hatten 1977 eine tolle Idee, die die Welt verändern würde. Sie besuchten einen Kurs an einer Uni über die Herstellung von Speiseeis und eröffneten ein Jahr später ihren eigenen Eisladen in einer alten, nun umgebauten Tankstellen. Es folgten viele Expansionen und Vergrößerungen. Irgendwann gab es erste Franchise-Betriebe und das Eis wurde für den Heimverzehr in Becher, so genannte Pints verpackt. Und die beiden Alt-Hippies Ben & Jerry hatten immer eine Vision. Sie wollten die Welt verbessern und mit ihrem Geschäft und dem Verkauf von Eiscreme etwas bewegen. Schon früh arbeiteten sie daher mit der Greyston Bakery in New York zusammen. In dieser Bäckerei bekommt jeder und jede einen Arbeitsplatz (wenn Arbeit verfügbar ist), unabhängig von der Herkunft, Vorgeschichte, verbüßten Gefängsnissstrafen, Religion oder Hautfarbe. Dieser Ansatz gefiel den beiden sehr und so finden sich in einigen Eiskrem-Sorten Brownies und Co. von Greyston, z.B. in Chocolate Fudge Brownie oder Cookie Dough.

Und auch auf die Milch kommts an!

Auch bei der Milch und Sahne soll sichergestellt werden, dass es Bauern und Kühen gut geht. Einer von ihnen ist Ronnie. Zusammen mit seiner Frau und seinem Vater bewirtschaftet er einen Familienhof. Die „Caring Dairy“-Programm von Ben & Jerry’s und einer großen Molkerei sichert die Rechte von Bauern und Tieren zugleich. Da die Bauern gut bezahlt werden für ihre Milch, liegt ihnen das Tierwohl am Herzen. Neben viel Zeit auf der Weide und einem freien Zugang zu dieser, sind es vor allem Einrichtungen im Stall (wie Bürsten und Tränken), die das Leben der Tiere verbessern.

Im Jahr 2000 wurde Ben & Jerry’s an de Konzern Unilever verkauft. Doch obwohl diese Marke nun zum Konzern gehörte, haben sich Ben & Jerry ein großes Mitspracherecht einräumen lassen. Sie sind an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt und haben die Zusicherung, dass ihre Botschaft von Peace, Love and Fairness (dt.: Frieden, Liebe und Fairness) nicht verloren geht. Somit war der Übergang zur Nutzung von Fairtrade Zutaten in der Produktion nicht schwer.

Ab 2005 gab es erste Sorten mit Fairtrade Zutaten und Fairtrade-Siegel und schon 2013 wurde die gesamte Ben & Jerry’s Eiscreme auf Fairtrade-zertifizierte Rohstoffe umgestellt. Damit wurde die Idee von Ben & Jerry etwas für die Welt zu tun und die Menschen, die an der Produktion der Eiscreme beteiligt sind fair zu bezahlen Realität.

Ein guter Freund von Ben & Jerry, Jeff Furman, sagte einmal:

“Without our social mission we are irrelevant, we would be just another icecream company” (dt.: „Ohne unsere soziale Mission wären wir irrelevant, wir wären einfach eine Eiskrem-Firma von vielen!“)

Eis – wohin man schaut

Und dann stehe ich da – mitten in der Eisfabrik. Rechts, links, über und neben mir werden Becher voll mit Ben & Jerry´s Eiscreme über Förderbänder transportiert. Es ist begeisternd und beeindruckend zugleich. Soviel Fairtrade-Eiscreme an einem Ort – und natürlich gibt es auch Etwas zu probieren. Am Besten ist das Eis nämlich kurz bevor es tiefgefroren wird, also „nur“ -5°C hat. Wenn es gelagert wird sind es dann -42°C. 

Über 50 Sorten Ben & Jerry´s gibt es international. In Deutschland sind es immerhin fast 20. In der Fabrik in den Niederlanden werden jedes Jahr über 55.000.000 Liter Eis für Europa hergestellt. In dem Moment, wo ich in der Fabrik stehe laufen grade meine Lieblingssorten vom Band: „One sweet world“ als Spezial-Pint (eine Sondersorte) und die normalen Sorten „Karamell-Sutra“ und „Peanut Butter Cup“ und alle mit fairen Zutaten.

Fairtrade im großen Stil

Wer große Mengen Eis herstellt – braucht auch große Mengen Zutaten. Das ist für Fairtrade-Produzenten überall auf der Welt ein wahrer Segen. Knapp 2 Millionen Dollar zahlte Ben & Jerry’s alleine als Fairtrade-Prämie im Jahr 2015. Ein Großteil davon ging an Kooperativen, die Zucker und Kakao herstellen. Dies sind zwei der Produkte, wo eine Erhöhung des Absatzes für Kleinproduzenten ungemein wichtig ist. Denn noch wir mehr fair gehandelter Kakao und Zucker produziert, als zu Fairtrade-Bedingungen verkauft. Im Jahr 2014 war ich in Belize, einem kleinen Land in Mittelamerika. Belize ist in Sachen Zuckerproduktion zu einem globalen Vorreiter geworden. In einigen ländlichen Gegenden des Landes sind bis zu 85% der Bevölkerung von der Zuckerindustrie abhängig. Gerade deswegen ist fairer Handel, verbunden mit der Fairtrade-Prämie für soziale Projekte so wichtig. Und dann ist es egal, ob es Zucker aus Belize, Kakao aus der Elfenbeinküste, Kaffee aus Mexiko oder Vanille aus Madagaskar ist – fairer Handel bedeutet für die Menschen am anderen Ende der Welt nicht weniger als faire Löhne, langfristige Handelsbeziehungen, keine Kinderarbeit, medizinische Versorgung, Bildung und Schulbildung und die Chance ein sicheres und selbstbestimmtes Leben zu führen. 

Und was könnte schöner sein, als das alles durch leckere Eiscreme zu unterstützen. Ich glaube, wenn ich diesen Artikel zu Ende geschrieben habe – gehe ich auch erstmal an mein Eisfach…

5 Dinge, die du über Ben & Jerry’s noch nicht wusstest:

Aber vorher habe ich noch dieses unglaubliche Ranking für euch!

  1. Die Lieblingssorte der Menschen ist Deutschland ist Cookie Dough, dicht gefolgt von Chocolate Fudge Brownie (mit Browniestückchen von Greyston) und Half Baked (Mischung aus den beiden Sorten Cookie Dough und Chocolate Fudge Brownie) und Peanut Butter Cup auf Platz vier.
  2. In der Produktion fällt ein Ausstoß von rund 2% der Eiskreme-Masse an. Das ist recht wenig im Vergleich zu anderen Produktionszweigen. Bei Ben & Jerry’s landet diese Eiskreme im so genannten Chunkinator, einer Biogas-Anlage, die daraus Energie für die Eisfabrik gewinnt.
  3. Auf einigen Fotos stehen die Eiskreme-Becher (die Pints) auf dem Kopf. Dies liegt daran, dass Sie nach dem Befüllen und vor dem Einfrieren gedreht werden. Wenn du nun deinen Becher Zuhause aufmachst, hast du eine schöne glatte Fläche Eiscreme und du kannst dein Eis besser entnehmen.
  4. Jede/r Mitarbeiter/in in der Ben & Jerry’s Fabrik in den Niederlanden darf 3!!!!!!! (in Worten: drei) große Becher Eiscreme jede Woche kostenlos mit nach Hause nehmen. So haben Familie und Freunde auch etwas davon.
  5. Die Eiscreme-Pakete werden von zwei Roboterarmen verpackt. Sie packen jeweils Secher-Einheiten auf Paletten, bevor diese dann ins Kühlhaus wandern. Die Roboterarme heißen – wie sollte es anders sein – Ben & Jerry – zwei sehr fleißige Mitarbeiter :)

Ich weiß nicht, wie es euch jetzt geht… aber ich habe Lust auf Eis – auf „Peace, Love and Icecream“ natürlich! :)