DSCN0736Internationales Meet and Greet unter dem grünen Dach der BioFach-Messe. Chief Adam Tamburi, Noel Oettlé, Abishek Jani, Marike de Peña, Harriet Lamb, Dieter Overath, Rüdiger Meyer…die Liste der „Fairtrade-Familienmitglieder“ ließe sich für die diesjährige BioFach-Messe nach Belieben fortsetzen. Der gesamte Vorstand von Fairtrade International fand sich nach seiner Sitzung in Erlangen auf der BioFach-Messe ein und erweiterte den Kreis der Kolleginnen und Kollegen, die jedes Jahr im Februar im Frankenland der Bio-Branche beim Blick über den Tellerrand Hilfestellung geben.

Wir werden in regelmäßigen Abständen gefragt: Ist Fairtrade eigentlich immer auch Bio? Aber auch andersrum funktioniert diese Frage auch: Ist Bio denn immer auch Fairtrade? Nein, nicht immer. Dieses Jahr hat die grüne Messe mit dem Schwerpunkt „Organic 3.0.“  selbst die Perspektive erweitert. Was schmissig daherkommt bedeutet schlicht: Bio ohne soziale Aspekte reicht nicht, um rundum nachhaltig daherzukommen. Sie geben eine gute Kombination ab, Fairtrade und Bio – das zeigen 102 Fairtrade-Partner auf der Messe.

DSCN0720Fairtrade Programme – Mehr Verkäufe für Produzenten

Nach der Internationalen Süßwarenmesse präsentierten Harriet Lamb, Dieter Overath und Chief Adam Tampuri erneut die Fairtrade-Programme für Kakao, Zucker und Baumwolle.
„Each strategy we develop needs to lead to more empowerment for the producers“, erklärte Chief Adam, Leiter des Produzentennetzwerks Fairtrade Africa, den Hintergrund der Programme. Und Harriet Lamb fügte hinzu, die Chance der Programme sei „to move from labelling to enabeling“, und weiter: „There are products, we will never label, but the sugar or cocoa can still be sourced under Fairtrade-conditions.“ Beispiel Zucker: Nicht nur Klassiker wie Gebäck, Eis oder Jogurt enthalten Zucker, sondern auch Brot, Fertiggerichte, Soßen und mehr, der durch die Programme jetzt nach Fairtrade-Standards gehandelt werden kann – ohne Produkt-Zertifizierung mit dem Fairtrade-Siegel. Die aktuelle Situation im Kakao-Sektor ist nicht schön zu reden: „We need to help the producers to move up – out of an extreme poverty level to a poverty level“, brachte es Chief Adam auf den Punkt. „A huge percentage of potential Fairtrade-cocoa is unsold. We need to find a way to sell the cocoa the producers struggle to grow.“ Nur so können wir auch noch in zehn Jahren Schokolade essen. Als Kleinbauer kennt Chief die Problematik: „We are the most vulnerable of the society and cannot convince our children to step in our footsteps.“ Die Folge: kein Nachwuchs, keine jungen, ertragreichen Bäume, Mangel an innovativen Anbautechniken, Produktivitäts- und Qualitätsverbesserung und irgendwann….

PK_Foto3Klima(un)gerechtigkeit – Es trifft die Ärmsten, unsere Unterstützung ist gefragt

Das Thema der Themen – Klimwandel – hab ich dabei noch nicht einmal erwähnt. Das übernahm bei der BioFach Noel Oettlé: „Africa has hardly contributed to global emissions – with the exeption of my home country South Africa. Here mainly the white elite and foreign companies were responsible for emissions.“ Zur Klimagerechtigkeit gehöre es, den Entwicklungsländern bei Bekämpfung des und Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Rund 800 Fairtrade-zertifizierte Produzentenorganisationen gibt es in Afrika. Die meisten von ihnen bekommen den Klimawandel bereits zu spüren. Taifune, Überschwemmungen, extreme Wetterbedingungen seien vermehrt in Tropenregionen zu finden, so Umweltexperte Oettlé, da, wo auch viele Fairtrade-Produzenten zu finden sind. Kooperativen, wie sie das Fairtade-System fordert, seien oft deutlich besser gegen klimatische Veränderungen gewappnet. Es herrsche ein großes Solidaritätsprinzip zwischen den Mitgliedern, Know-How, technisches Equipment und Erntegeräte werden leichter verbreitet und ausgebaut. In verschiedenen Kooperativen laufen Pilotprojekte zu Agroforestry, Verbesserung der Wasserspeicherung und Vermeidung von Bodenerosion. Positive Beipsiele zur Vermeidung von Emissionen und wachsendem Know-How der Kooperativen gibt es in Ähtiopien, wo Kaffee erstmals „klimaneutral“ angebaut wird. Nicht zu vergessen Magda Reza und ihre Kooperative in Peru, wo unter anderem Schattenbäume gepflanzt werden.

DSCN0731Neue  Märkte erschließen – Fairtrade India

Den Süd-zu-Südblick bringt Abishek Jani. Er leitet die indische Fairtrade-Marketing-Organisation, die sich dafür einsetzt, Fairtrade-Produkte auf dem indischen Markt zu etablieren. Gewürze, Tee und Kaffee gibt es bereits in den Regalen indischer Supermärkte. Hier in Europa bedeutet Fairtrade „weit gereist“ (oder auch Fernweh ;-). In Indien, Kenia, Südafrika oder Brasilien findet Fairtrade (zumindest teilweise) vor der eigenen Haustüre statt.

Ich hatte mir vorgenommen, viel auf der Messe unterwegs zu sein, Vorträge und Stände der Partner zu besuchen. Die meiste Zeit habe ich aber in Halle 7 verbracht, an unserem eigenen Fairtrade-Stand. So ist es eben, bei großen Familientreffen – man hat sich viel zu berichten, wenn man sich nicht oft sieht. Erst recht, wenn es um eine derart weit verstreute „Familie“ geht.