Ab nach Marokko – eine besondere (Auto-)Reise

Das Wetter in Deutschland wird langsam schlechter, als wir uns auf den Weg nach Marokko machen. Unser Ziel ist es, dem wertvollsten Öl der Welt – dem Arganöl auf die Spur zu kommen. Neben Zitrusfrüchten und Tee, wird dieses hier unter Fairtrade-Bedingungen produziert. Die Straßen sind überraschend gut – solange man auf den schnellen und gut ausgebauten Highways bleibt. Der Verkehr jedoch – gerade in den Innenstädten – ist eine Katastrophe. Verkehrsschilder gibt es kaum – und Ampeln stellen eher eine generelle Empfehlung dar. Das wichtigste Bauteil des Autos für die Sicherheit der Insassen ist die Hupe.

Wie auf fast allen Reise nach Afrika, Asien, dem Nahen Osten  oder Lateinamerika fahre ich selbst. Diesmal haben wir sogar ein wirklich gut angepasstes Auto bekommen, anders als damals in Guatemala mit den tiefergelegten Sportwagen.

Und obwohl ich recht geübt bin im Autofahren in südlichen Ländern – bleibt es eine Herausforderung.

Arganbäume und Ziegen

Unsere Reise führt uns in die Region zwischen Essaouria und Agadir, in den Südwesten Marrokos. Hier entlang der Atlantikküste und im Atlasgebirge wachsen die Arganbäume, die auch nur in Marokko vorkommen und hier heimisch sind. Aus den Nüssen, bzw. Mandeln dieses Baumes wird das kostbare Arganöl gewonnen. Die Bäume wachsen in sehr trockener Umgebung und speichern Feuchtigkeit im Holz, Früchten und Blättern. Auf diese Blätter und Früchte haben es auch die vielen Ziegen abgesehen, die in den Arganbäumen herumklettern. Ziegen sind geschickt auch in anspruchsvollem Gelände, zum Beispiel im Gebirge sich fortzubewegen. Gerade deswegen können Sie auch in den Arganbäumen herumklettern und sind dabei sehr geschickt.

Die Fairtrade Frauen-Kooperative: Arganöl ist viel Handarbeit

Rund 25 km südlich von Essaouria liegt die kleine Fairtrade Kooperative „Coopérative Ajddigue Féminine“. Hier produzieren rund 20 Frauen ganzjährig aus den Ende August geernteten Argannüssen, Öl. Dafür wird das Fruchtfleisch, das die Argannuss umschließt entfernt. Die Nuss selbst wird mit Hilfe von Faustkeilen aus Stein geöffnet und beide darin liegenden Mandeln entnommen. Aus diesen Mandeln wird anschließend das Arganöl gewonnen. Mit Ausnahme des Pressens, sind alle anderen Arbeitsschritte bei der Gewinnung von Arganöl Handarbeit. Ich selber durfte das Öffnen der Argannüsse ausprobieren und saß einige Zeit zusammen mit den Frauen der Kooperative in dem sehr warmen Arbeitsraum. In großen Säcken wurden die Nüsse, die in einem vorherigen Produktionsschritt vom Fruchtfleisch befreit wurden, gesammelt. Aischa, eine Mitarbeiterin der Kooperative gibt mir ein bisschen Nachhilfe beim Öffnen der Nüsse. Meine Ausbeute und Geschwindigkeit in der Verarbeitung lassen sehr zu wünschen übrig. Gegen die Routine und Erfahrung der Frauen hier, habe ich nicht die kleinste Chance. Und dennoch bekomme ich einen guten Eindruck, wie aufwändig die Produktion ist und wie viel Zeit und Arbeitskraft notwendig ist, bis ein Liter fair gehandelten Arganöls hergestellt ist.

   

Ein Baum – Ein Liter – Ein Jahr

Jeder Arganbaum trägt nur einmal im Jahr Früchte. Diese werden geerntet und verarbeitet und bringen zwischen einem und eineinhalb Litern Arganöl hervor. Dafür müssen 30 Kilogramm Arganfrüchte genötigt und die Nüsse geknackt werden und 4,5 Kilogramm Argan-Mandeln verarbeitet werden.

Dies sorgt letztlich auch dafür, dass Arganöl ein wirklich wertvoller Rohstoff ist. Nicht nur als Speiseöl, sondern vielmehr als kosmetisches Öl, ist es stark begehrt. Die besonderen pflegenden Eigenschaften, gegen trockene Haut und wirkt feuchtigkeitsspendend zeichnen dieses Produkt aus. Aus vielen kosmetischen Produkten ist es nicht wegzudenken. Seit einiger Zeit gibt es auch in Deutschland zertifizierte Fairtrade-Kosmetik, die in vielen Fällen bei Cremes oder Lotions auch Arganöl enthält.

Für die Produktion des Öls bedeutet dies auch einen Unterschied. So sind die Argan-Mandeln für die Speiseölproduktion, zuvor geröstet worden – kosmetisches Öl wird aus „rohen“ Argan-Mandeln gepresst. 

Fairtrade-Preis und Fairtrade-Prämie als wichtige Hilfe

Die Produktion von Arganöl und Produkten aus dem Arganbaum hat in Marokko Tradition. War der Baum zwischenzeitlich vom Aussterben bedroht, ist es vielen internationalen Hilfsorganisationen zu verdanken, dass er heute wieder in breiter Zahl in Marokko vorkommt. Fairer Handeln trägt dazu bei, diesen Baum auch nachhaltig zu erhalten und den Fortbestand zu sichern, weil er das Einkommen für Erzeuger und Verarbeiterinnen sicherstellt. Denn die zu verarbeitenden Früchte und Nüsse werden von Kleinbauern der Umgebung bezogen, die diese aus biologischem Anbau gewinnen.

Aus oben erwähnter Tradition heraus ist es für die Frauen der Fairtrade-Kooperative möglich ihren Lebensunterhalt zu sichern und hier ein festes und sicheres Einkommen zu beziehen. Wie in fast allen Regionen Afrikas herrscht auch hier eine hohe Arbeitslosigkeit, von der auch viele junge Menschen und besonders Frauen betroffen sind. Mit Hilfe des Fairen Handels hier eine sichere Einnahmequelle zu haben, dazu eine Krankenversicherung und Unterstützung in verschiedenen Lebenslagen.

Für biologisch produziertes Arganöl bekommen die Produzenten den Mindestpreis von mindestens 23,70 $ und zusätzlich 3,53 $ Fairtrade-Prämie. Ein wirklich fairer Preis, bedenkt man, wie viel Arbeit in diesem einen Liter steckt. Ein Baum trägt rund 30 Kilo an Nüssen, aus denen dann rund 4,5 Kilogramm aus Mandeln gewonnen werden – also genau die Menge, die es braucht um einen Liter Arganöl herzustellen.

Auch wir nehmen die Gelegenheit wahr und kaufen Arganöl ein, direkt an der Quelle. Und während wir uns die Auswahl und verschiedenen Öle (kosmetisch und kulinarisch) angucken, bekommen wir Tee und Fladenbrot – natürlich mit Arganöl und Amlou serviert. Amlou wird aus Nüssen und Arganöl gemacht, also quasi ein fairer marokkanischer Brotaufstrich.

Fairtrade und mehr

Wieder einmal wurde mir auf einer meiner Reisen klar, welche besondere Leistung der Faire Handel für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Millionen Menschen leistet. Für mich es ist wichtig, dieser Erfahrungen selber zu machen und ein Stück weit einzutauchen in die Lebensrealität von Frauen und Männern, die in anderen Teilen der Welt Produkte für uns in Deutschland oder Europa herstellen. Von diesen Erfahrungen möchte ich hier berichten. Als nächstes geht es nach Kuba. Dort werde ich dem Fairtrade-Zucker auf der Spur sein, der hier unter besonderen Bedingungen angebaut wird. Ihr werdet hier dann davon lesen :)