Wann ich meine erste Fairtrade-Rose gekauft habe, kann ich gar nicht genau sagen. Sicher ist jedoch, dass ihr hunderte danach noch folgten. Zu allem möglichen Anlässen, Geburtstagen, Hochzeiten, Beerdigungen, Konfirmationen und natürlich zu Muttertag. Und auch im Jahr 2017 werden es sicherlich wieder einige Fairtrade-Rosen sein, die ich verschenken werde. Und vor dem Muttertag 2017 wollte ich endlich sehen, woher diese Fairtrade-Rosen eigentlich kommen.

Ab nach Tansania: Rosen über Rosen

Ab nach Tansania – Land der Rosen und des Kaffees Zusammen mit meinem Kollegen und Freund Klaus Hamelmann stehen wir also mitten in der Nacht am Flughafen von Dar Es Sallam, der Hauptstadt von Tansania. Mit drei Stunden Verspätung sind wir in Afrika gelandet und haben nun etwas Mühe an unseren Mietwagen und das Hotel der ersten Nacht zu kommen. Ja, wir fahren selber Auto in Afrika, Asien und Lateinamerika – und organisieren alle unsere Reisen selber. Und dann sieht so manche Straße beim Karten-Onlinedienst wesentlich besser aus, als hinterher gedacht. Nach einer nicht passierbaren Brücke (auf der wir das Auto fast im zwei Meter tieferliegenden Fluss versenkt hätten und es nur Klaus´ beherztem Sprung auf das Heck des Autos zu verdanken ist, das das Auto nicht ins Loch rutschte) und wirklich schlechten Straßen sind wir im Hotel – immerhin für fünf Stunden Schlaf, bevor wir wieder aufbrechen. Denn es geht in Richtung Norden, in Richtung Arusha. Tansanias Rosenregion im Norden des Landes Im Vergleich zu unserer ersten Nacht im Land verläuft der Rest des Weges sehr gut. Alle, die sich in Afrika auskennen sagen, das bei aller Erfahrung, die man mitbringt, immer noch ein bisschen Überraschung bleibt. Wir erlebten dies halt schon in der ersten Nacht :) Rund um die Stadt Arusha liegen die Blumenfarmen in Tansania, die Fairtrade Rosen herstellen, die dann ihren Weg in deutsche und österreichische Supermärkte finden. An diesem Montag haben wir einen Termin bei Mount Meru Flowers (MMF) und sind mit Herwig Tretter, dem Managing Director von Mount Meru Flowers verabredet. Zusammen mit seinem Team begrüßt er uns auf der Farm, denn für heute stehen neben einem Besuch der Gewächshäuser und Verpackung und Produktion, auch ein Gespräch mit dem Fairtrade Premium Committee an.

 

Entwicklung durch Handel

Herwig Tretter ist Österreicher und bekam von seiner österreichischen Bank die Möglichkeit geboten die tansanische Blumenfarm in Arusha zu übernehmen. So führte es ihn nach Studium und Ausbildung, unter anderem in Venezuela und Afghanistan nun in Herzen Afrikas. Dabei kommt es Tretter nicht auf Gewinnmaximierung an. Sein Konzept hinter der Fairtrade Blumenfarm ist „development through economic development“ übersetzt „Entwicklung durch ökonomische Entwicklung“ an – kurz Wandel durch Handel. Eine Fairtrade Blumenfarm aufzubauen war und ist jedoch nicht einfach. Anfänglich, so sagt Tretter, haben nicht alle gewählten Wege zum Erfolg geführt und es dauerte einige Zeit, bis er mit Mount Meru Flowers ein tragfähiges Konzept erarbeitet hatte. Heute nimmt Mount Meru Flowers speziell den Einzelhandel in Form von Supermärkten ins Visier und hat sich auf die Bedarfe und Konsumentenwünsche hier spezialisiert. Rosenbouquets mit unterschiedlichen Rosensorten in unterschiedlichen Längen werden nach Europa exportiert. Dabei liegt die Rosenfarm äußerst verkehrsgünstig an der Grenze zu Kenia und kann über drei verschiedene Flughäfen in Tansania und Kenia Rosen exportieren. Schon auf dem Hinflug kam ich mit der Crew unserer Maschine über unsere Reise ins Gespräch und ein netter Flugbegleiter erzählte mir, dass sie häufig auch Fairtrade-Rosen aus Tansania oder Kenia mit nach Europa fliegen.

 

Fairer Handel bei Mount Meru Flowers

„Ich mag es gerne bei Mount Meru Flowers zu arbeiten, weil es mir hilft ein Einkommen zu bekommen und meine Familie zu ernähren“, sagt Mwanaidi Salum, die für die Sortierung der Blumen zuständig ist. Doch Fairer Handel bedeutet bei Mount Meru Flowers noch mehr, als ein sicheres Einkommen. Arbeiterinnen und Arbeiter bekommen kostenlose Verpflegung, medizinische Versorgung, Zuschläge für Überstunden (1,5 fach) und Feiertagsarbeit (2,5fach) und haben Anteil an den vielfältigen Programmen und Projekten des Fairtrade Premium Committees. Bei unserem Gespräch mit den engagierten Arbeiterinnen und Arbeitern, die ins Committee (der Ausschuss, der über die Verwendung der Fairtrade Prämie entscheidet) gewählt wurden. Aktuell gibt es vor allem drei große Projektbereiche: – Schulgebühren für die Kinder von Arbeiterinnen und Arbeitern (150 € pro Person, insgesamt werden hier 109.000 € der Fairtrade Prämie für ausgegeben – ein Wasserprojekt, was die Wasserversorgung in den Gebieten, in denen die Arbeiterinnen und Arbeiter leben ermöglicht (Kosten 22.300 €) – Aufforstung und Eigenproduktion: Mit den Gelder aus der Fairtrade-Prämie wurde eine Baumschule ins Leben gerufen. Die hier gezüchteten Pflanzen und Bäume dienen der Aufforstung (und damit der Erhaltung der Natur) und sichern die Eigenversorgung der Arbeiterinnen und Arbeiter mit Früchten. Weitere Projekte sind beispielsweise ein Schulgebäude und eine Grundschule und ein Trainingsprogramm für Arbeiterinnen und Arbeiter zum Beispiel zu Computerkenntnissen. Die einzelnen Projekte werden vom Premium Committee angestoßen und dann an die Gemeinschaft übergeben – das Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen vom Fairen Handel profitieren können und sich ihre Lebensbedingungen verbessern.

 

Evarest and the workers

In der Produktion und in den Gewächshäusern erklärt uns Produktionsleiter Stanley alle Einzelheiten zur Blumenproduktion. Man versucht hier mit so wenig Chemikalien wie möglich auszukommen. Setzt auf ökologische Möglichkeiten des Schädlingsbekämpfung und dämmt Krankheiten durch eine intensive und engmaschige Betreuung der Pflanzungen sehr schnell ein, um möglichst wenig Chemikalien zu nutzen. Sollte es dennoch einmal zu einem Einsatz kommen, ist sichergestellt, dass alle Arbeiterinnen und Arbeiter mit entsprechender Schutzausrüstung versorgt sind, die Gewächshäuser eine gewisse Zeit nicht betreten werden und das Grundwasser durch den Einsatz der Pestizide nicht kontaminiert wird. Generell wird auf den Schutz der Gewässer großen Wert gelegt, Wasser aufgefangen und aufbereitet und so sparsam wie möglich (nur mit Tröpfchenbewässerung) verwendet. In einem Gewächshaus treffen wir Evarest, der heute 50cm lange, rote Rosen schneidet. Dabei hält er die Vorgaben der Produktion genau ein, damit am Ende so wenige Rosen wie möglich aussortiert werden und alle ihre Reise nach Europa antreten können. Evarest erzählt mir was die Arbeit auf einer Fairtrade Rosenfarm für ihn ausmacht: „Seit ich bei Mount Meru Flowers arbeite hat sich mein Leben verbessert. Ich habe auch als zinsfreien Kredit 300.000 Tansanische Schilling (rund 125 €) bekommen, um mir ein Bett und eine Matratze zu kaufen. Auch wurden (vom Fairtrade Premium Committee) die Schulgebühren für meinen Neffen in Höhe von 200.000 Tsh (rund 85 €) bezahlt.“

 

Freude schenken – in doppelter Hinsicht

Ich hatte eine Vorstellung davon, wie konventionelle Blumenproduktion in Ostafrika aussieht. Die positiven Unterschiede bei einer Fairtrade Blumenfarm sind uns mehr als deutlich geworden. Als wir Arusha verlassen und uns auf den Weg zu Kaffeeproduzenten am Kilimanjaro machen, gibt uns Herwig Tretter noch Wünsche für Konsumentinnen und Konsumenten in Deutschland mit auf dem Weg. Wir haben es letztlich in der Hand uns dafür zu entscheiden, dass die Blumen, die wir uns kaufen, oder die wir verschenken, auch in doppelter Hinsicht Freude schenken: Für Menschen in Ostafrika, in Lateinamerika oder auch in Indien. Überall dort, wo Fairtrade Blumen wachsen. Und da Rosen aus dem Süden auch nicht beheizt und beleuchtet werden, sind sie im Vergleich zu ihren Artgenossen aus den Gewächshäusern in Europa auch noch um einiges klimafreundlicher. Wenn das nicht viele gute Gründe für Fairtrade Blumen sind! Machen Sie mit und verschenken Sie Fairtrade Blumen. Evarest, Mwanaidi und all die anderen Arbeiterinnen und Arbeiter danken schon heute, dass Sie ihr Leben besser machen – mit jeder einzelnen Blume :)!