Es ist das Ende des Sommers, als wir im Auftrag der Messe FA!R & Friends in den Dortmunder Westfalenhallen drei Fairtrade-Kochshows durchführen. Eine davon mit Mona Bouazza, einer der Engagierten bei Fair Trade Lebanon, der einzigen Fairtrade Organisation im Libanon. Zusammen kochen wir verschiedene Gerichte aus Fair Trade-Produkten und werden dabei unter anderem von Lehrerin Sarah Rekop unterstützt.

Nicht nur davon hören – sondern Fairen Handel erleben

Ich hatte das Glück bisher viele verschiedene Fairtrade-Produzenten in Asien, Afrika und Lateinamerika besuchen zu können. Die Eindrücke dabei waren begeisternd und haben mein Engagement für Fairen Handel weiter befeuert. Irgendwann kamen mein Kollege Klaus Hamelmann und ich auf die Idee, neben dem FAIR-o-mat® noch auf andere Art und Weise den Fairen Handeln „in aller Munde zu bringen“ und erfanden die Fairtrade-Kochshow. Wir wollten die Eindrücke, Impressionen und Dinge, die wir in den Ländern des Südens erlebt haben weitergeben. Es ging darum darzustellen, was durch Fairtrade vor Ort bewirkt werden kann. Dies wollen wir durch die Verwendung vieler unterschiedlicher Fair Trade-Produkte in unseren Rezepten und die dazugehörigen Hintergrundinformationen deutlich machen wollen.

Nicht nur davon lesen – sondern Fairen Handel erleben

Um diese Hintergrundinformationen für Zuschauerinnen und Zuschauer der Fairtrade-Kochshow zu sammeln reisen wir vor den Shows in die jeweiligen Länder. Im aktuellen Fall war es spannender Weise andersherum. Nachdem wir uns von Mona in Dortmund verabschiedet haben, war klar, dass wir uns wenige Tage später im Libanon sehen würden. Und genau so sollte es dann auch im September kommen. Während in Deutschland die Faire Woche lief, machte ich mich auf den Weg in ein Land, dass man aktuell eher im Kontext negativer Meldungen aus den Nachrichten kennt. Und mit genau diesen Fragen wurde ich oft konfrontiert: „Was machst du denn im Libanon?“ „Hast du nicht Angst um dein Leben?“ Meine Antworten können Sie sich denken, denn ich bin geflogen.

Ein Land zwischen massiven politischen und ökonomischen Problemen und einem riesigen militärischen Konflikt

Seit fast zwei Jahren hat der Libanon keinen Präsidenten, verschiedene politische Probleme (Müllberge in Beirut und andere soziale Probleme) waren auch Teil unserer Nachrichten hier in Deutschland. Hinzu kommt, dass aufgrund des aktuellen Konflikts – oder sollte ich besser schreiben Konflikte – große Menschenmengen in den Libanon fliehen. Aktuell sind dies nach offiziellen Angaben des „Flüchtlingshilfswerkes“ der Vereinten Nationen (UNHCR) rund 1.200.000 Menschen, die korrekte Zahl dürfte weitaus höher liegen. Der Libanon ist das einzige Land weltweit, in das Syrerinnen und Syrer legal ausreisen können. Viele beginnen ihre Flucht vor Krieg, Militär und terroristischen Vereinigungen hier. Diese krasse Situation nimmt man natürlich auch im Libanon selbst wahr. Einige VerkäuferInnen an Straßenkiosken, HausmeisterInnen oder Reinigungskräfte sind in den letzten Jahren aus Syrien gekommen, arbeiten jetzt im Libanon. Sie sind sicherlich eine Ausnahme, rund jede/r zweite Syrer/in sind weltweit auf der Flucht.

 

P1380250-e1443706814178Fair Trade Lebanon – mit Fairem Handel Perspektiven schaffen

Wenn man sich intensiv mit den Problemen in einer Region auseinander setzt, dann ist es oftmals das engagierte Handeln von NGOs, was Hoffnung und Lichtblicke vermittelt. Dazu zählt sicherlich auch Fair Trade Libanon. Rund 30 Minuten außerhalb von Beirut gelegen, befinden sich die Büros und das Verkaufsgeschäft von Fair Trade Libanon. Die Produzentenorganisation wurde 2005/ 2006 gegründet. Nach dem Libanonkrieg, den Israel im Süden des Libanons gegen die Miliz Hisbollah führte, waren viele kleinere ländliche Dörfer zerstört. Die Menschen, die hier lebten, haben ihre Existenzgrundlage verloren.

Fair Trade Lebanon hat es sich zum Ziel gesetzt diese und generell auch andere ländliche Regionen zu entwickeln. Die verschiedenen traditionelle Fähig- und Fertigkeiten der ProduzentInnen sollen dafür genutzt werden. So erklärt sich auch, warum vor allem libanesische Spezialitäten einen großen Teil des Sortiments
ausmachen. Von getrockneten Früchten, Gewürzen (wie z.B. Zaatar) und Wein bis hin zum Fairtrade-Pionier im Libanon, dem Olivenöl. Ganz besonders schmeckt mir der „Diced Pumpkin“ – ein in Sirup eingelegter Kürbis.

P1380238Erster Produzentenverband im Libanon mit Fairtrade-gesiegelten Produkten

Aktuell ist Fair Trade Lebanon (FTL) der erste und einzige Produzentenverband im Libanon. Er ist von der WFTO (World Fair Trade Organisation) zertifiziert. Zusätzlich tragen immer mehr Produkte auch das Fairtrade Siegel – so zum Beispiel Wein und Olivenöl. Die einzelnen Produzenten sind über den gesamten Libanon verteilt, leben und produzieren in ländlichen Regionen. So wird es für sie möglich, ein sicheres und faires Einkommen zu erhalten.

Rund 75% des Ertrages erwirtschaftet FTL mit dem Export, u.a. nach Frankreich, Österreich und Deutschland. Hier sind die Produkte bei El Puente (z.B. Bulgur, Rote Linsen u.a.) zu erhalten. Beachtliche 25 % werden auf dem lokalen Markt abgesetzt. So stehen die Produkte der Produzenten von Fair Trade Libanon, die unter der Marke „Terroirs du Liban“ vermarktet werden bei verschiedenen Supermärkten und Tankstellen im Regal.

Eine besondere Reise – besondere Eindrücke

Es war ein besonderer Besuch im Libanon – und es war besonders eindrucksvoll zu sehen, wie das Team rund um Mona ihr Möglichstes tut, um die Absatzmöglichkeiten für Kleinproduzenten zu erhöhen und die Idee von Fairem Handel in die Welt zu tragen.

Die Botschaft der Fair Trade Produkte beschreibt Mona dabei wie folgt:

„Unsere Produkte tragen die Botschaft von Frieden und Dialog vom Libanon in die Welt!“

Wenn das nicht ein tolles Verkaufs- & Kaufargument ist.