Das Fairtrade West Africa Büro in Accra ist ständig im Austausch mit dem Fairtrade-Netzwerk. Die regionale Arbeit besteht vor Allem darin, direkte Informationen von den Kleinbauern und Beschäftigten zu bekommen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Liason Officer sind ständig vor Ort. Samuel Adimado zum Beispiel ist in etwa einmal pro Woche im Büro hier in Accra. Die restliche Zeit arbeitet er mit den Produzenten zusammen. Er bespricht mit ihnen die aktuellen Herausforderungen und erklärt Möglichkeiten der Weiterentwicklung. Informationen aus erster Hand sind entscheidend für die gesamte Strategie des Fairtrade-Systems. So sind beispielsweise die Fairtrade Rohstoff-Programme entstanden, weil mit den Produzenten und deren Vertretern über Möglichkeiten zur Absatzsteigerung und damit zur Vergrößerung der Wirkung von Fairtrade diskutiert wurden.

Samuel erstattet Bericht an das Büro in Accra. Von hier sind die Wege innerhalb des Systems kurz: Kwame Banson, Leiter des Büros, steht in ständigem Kontakt mit dem Head of Region sowie dem afrikanischen Produzentendachverband Fairtrade Africa. Bei besonderen Anlässen steht auch der direkte Draht zwischen Kwame und Fairtrade International oder, wenn es um marktspezifische Anliegen geht, direkt an eine der nationalen Siegelinitiativen wie TransFair.

Während die Fairtrade-interne Kommunikation etabliert ist und Informationen schnell verfügbar sind, ist die Kommunikation nach außen hier in Westafrika kaum ein Thema. Westafrika hat keinen eigenen Fairtrade-Markt, es gibt also keine Konsumenten, mit denen sich Fairtrade West Africa austauschen sollte. Für die Feier zum 10-Jährigen Bestehen von Fairtrade West Africa soll nun aber die Werbetrommel gerührt werden. Denn eine Convention, bei der Produzenten, Importeure und Hersteller zusammenkommen und gemeinsam über die Herausforderungen von Kleinbäuerlicher Arbeit und Lohnbeschäftigung in der Landwirtschaft diskutieren, ist ein besonderer Anlass.

Mit diversen Materialien und Medien wollen wir hier gemeinsam potenzielle Stakeholder begeistern, um bei der Convention mitzumachen und das regionale Fairtrade-Netzwerk zu stärken. Dafür brauchen wir aktuelle Inhalte: Besuche bei Fairtrade-Produzenten stehen an.

Frank Gyaase, Präsident der Kuapa Kokoo Gemeinde Nobewam, zeigt uns seine Ernte

Letzten Dienstag haben wir uns in Richtung Kumasi aufgemacht, um dort Kakaobauern zu besuchen und mit Fatima Ali zu sprechen. Seit letztem Jahr ist sie die Präsidentin der Kakaokooperative Kupapa Kokoo. Das Gespräch mit ihr haben wir mit einer Kamera aufgezeichnet. Es wird Teil eines Films, der auf der Convention in Abidjan gezeigt wird.

Gender-Programme aus Fairtrade-Prämien

Fatima Ali spricht über ihre Arbeit als Kakaobäuerin und das Vertrauen, das ihr die Bauern entgegebrachten, als sie sich zur Wahl stellte. Mit nur 34 Jahren wurde sie zur Präsidentin von den rund 80.000 Kakao-Kleinbauern von Kuapa Kokoo. „Früher dachte man hier, nur Männer könnten bestimmte Jobs haben. Dank der vielen Fairtrade-Trainings für Frauen und der Kooperativenstruktur funktioniert heute eine echte Demokratie in Kuapa Kokoo.“ Ein Teil der Fairtrade-Prämie wird in Gender-Programme investiert.

Fatima Ali, Präsidentin der Kuapa Kokoo Farmers Union

Fatima Ali, Präsidentin der Kuapa Kokoo Farmers Union

So gibt es bereits in 46 der 52 Gemeinden von Kuapa Kokoo Programme, die Frauen Workshops anbieten, damit sie zusätzliche Einnahmequellen erschließen können. Neben den speziellen Gender-Programmen haben Frauen und Männer den gleichen Zugang zu Trainings rund um Kakaoanbau und Nachhaltigkeit.

„Dank Fairtrade haben wir Frauen eine Stimme, die gehört wird,“ sagt Fatima Ali. Das Gespräch mit ihr war beeindruckend. Und wir freuen uns, dass wir ihre Sicht und ihre Erfahrung aufzeichnen konnten. Weitere Gepspräche mit Produzenten und deren Vertretern werden folgen, um möglichst viel anschauliches Bild- und Textmaterial zu sammeln. Im November soll schließlich eine Convention stehen, die den Produzenten eine Stimme auf Augenhöhe mit den Herstellern gibt und allen Beteiligten zeigt, was mit Fairtrade möglich ist.