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Rossitza Krüger (Fairtrade International), Maren Sartory (TransFair), Abhishek Jani (Fairtrade India) und Carolin Zamor (TransFair) in Bangalore.

Im März 2013 wurde Abhishek Jani zum Geschäftsführer von Fairtrade India ernannt. Seine Aufgabe ist es, das Fairtrade-Siegel auf dem indischen Markt zu etablieren. Am 21. November begann Fairtrade India offiziell seine Arbeit. Mit der Einführung des Fairtrade-Siegels auf dem indischen Markt baut Fairtrade India auf den Erfolg des Modells von Fairtrade Marketing Organisationen in Brasilien, Kenia und Südafrika auf und bietet Indern die Chance, nun auch auf dem wachsenden indischen Markt Fairtrade-Produkte zu kaufen. Von diesem Schritt profitieren in erster Linie die indische Fairtrade-Kleinbauern und -Plantagenarbeiter. Kurz nach dem Start von Fairtrade India trafen wir Abhishek Jani in Bangalore.

Seit dem 21. November gibt es Fairtrade India. Wie sieht Ihr Team derzeit aus?
Es gibt neben mir noch eine weitere Vollzeitstelle und ein paar Freiwillige die uns unterstützen. Im Moment teilen wir uns das Büro mit dem Produzenten-Netzwerk NAPP (Network of Asia and Pacific Producers). Mittelfristig wollen wir aber in eigene Büroräume umziehen.

Ist das Fairtrade-Siegel in Indien schon bekannt?
Genau das ist der große Unterschied zu anderen Märkten wie Deutschland oder Großbritannien. Das Fairtrade-Siegel hat hier einen Bekanntheitsgrad von „0“. Die Konsumenten wissen nicht, wofür das Siegel steht und werden im Supermarkt nicht danach suchen. Das ist natürlich schwierig für uns. Da wir keine großen Werbeetats haben müssen wir auf die Zusammenarbeit mit Händlern setzen, um erst mal Produkte in die Läden zu bekommen. Wir setzen dabei vor allem auf internationale Kooperationen. Die französische Supermarktkette „Auchan“ arbeitet in Bangalore mit uns zusammen. Dort haben wir sieben Regale für Fairtrade-Produkte bekommen. Fünf davon konnten wir bisher füllen, mit 15 verschiedenen Produkten. Außerdem gibt es einen Anbieter von T-Shirts aus Fairtrade-Baumwolle – No Nasties – die über einen Onlineshop erhältlich sind.

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Abhishek Jani, CEO von Fairtrade India, ist überzeugt dass Fairtrade auch auf dem indischen Markt erfolgreich seien wird.

Wo könnten Fairtrade-Produkte außerdem eine Rolle spielen?
Wir versuchen große Unternehmen dafür zu gewinnen in ihren Betrieben die Verkostung der Mitarbeiter auf Fairtrade umzustellen – zum Beispiel auf fair gehandelten Tee oder Kaffee. So können wir erreichen, dass auf einen Schlag viele Menschen mit der Fairtrade-Idee in Berührung kommen. In Bangalore gibt es viele große internationale Unternehmen. Auch Hotels können ein wichtiger Partner werden.

Wie überzeugen Sie die Konsumenten von Fairtrade?
Hier müssen wir ganz anders ansetzen, als in den westlichen Konsumentenländern. Mit vielen klassischen Fairtrade-Botschaften kommen wir hier nicht weiter. Aussagen wie „helfen Sie den Produzenten in der Dritten Welt“, „Verminderung von Armut“ oder ähnliches funktionieren in Indien nicht. Armut siehst du hier überall. An jeder dritten Ampel steht ein Bettler oder ein Kind das dir etwas verkaufen will – die Inder haben eine dicke Haut. Wir argumentieren deshalb damit, dass der Kauf von Fairtrade-Produkten eine bewusste Entscheidung ist und wir appellieren an das starke Gerechtigkeitsgefühl der Inder und das Bewusstsein sich für die richtige Sache einzusetzen. Es geht auch darum den Nationalstolz anzusprechen – wenn du Fairtrade-Produkte kaufst, dann tust du etwas für dein eigenes Land und die Menschen die hier leben. So wird Konsum zu einem politischen Akt.

Und Ihre Pläne für die nächsten Monate?
Unser Ziel war es in einem Jahr 15 Lizenznehmer zu bekommen. Die hatten wir jetzt schon zum Start im November! In drei Wochen kamen direkt 15 Bewerbungen zusammen. Unser Ziel haben wir also schon erreicht [lacht].
Nein natürlich haben wir große Ziele. Wir arbeiten im Moment noch mit sehr eingeschränkten Ressourcen. Deshalb werden wir uns zunächst auf fünf Kernprodukte fokussieren: in Indien sind das Reis, Gewürze, Tee, Kaffee und Baumwolle. Außerdem ist das Thema „Fundraising“ für uns sehr wichtig um finanzielle Mittel zu erhalten. Die größte Schwierigkeit ist der Aufbau von Bekanntheit, so dass die Konsumenten das Siegel wieder erkennen und wissen wofür es steht. Es gibt auch keine wirklichen Konsumentenbewegungen in Indien, die wir mobilisieren könnten. Trotzdem möchten wir Fairtrade zu einem neuen Lifestyle machen – einem besseren und begehrenswerten „Way of Life“.