Zweiter Tag meiner Honduras Reise, ein Rückblick

In Flor del Pino ist es gestern spät geworden. Bis zum Einbruch der Dunkelheit waren wir auf den Feldern und an der Kaffeeverarbeitungsanlage unterwegs. Danach mochten wir uns noch nicht sofort verabschieden, ich hatte noch viele Fragen zum Kaffee und zum Alltagsleben in der Region, und die anderen wollten auch erfahren, was Menschen in Deutschland dazu bringt, fair einzukaufen, und woran Kaffeeröster ihre Kaufentscheidungen festmachen. Dass wir so schnell zu vertrauensvollen Gesprächen kommen konnten liegt, denke ich, an der Offenheit der Kooperative, die alle paar Tage Besucher empfängt. Dass wir über Fairtrade alle Teil desselben Systems sind, spielt auch eine Rolle. Besonders wichtig ist auch, dass meine Kollegin Iris, die seit drei Jahren vor Ort arbeitet, ein enges, vertrauensvolles Verhältnis zum Vorstand und zur Geschäftsführung von Flor del Pino hat. Sie ist, zusammen mit dem örtlichen FLO-Cert Auditor, das Gesicht von Fairtrade vor Ort. Sie steht für alle Nachfragen rund um die Zertifizierung zur Verfügung, trägt Wissen über gute Praktiken von einer Kooperative zur anderen, informiert über Änderungen in den Standards und gibt Tipps. Danke Iris für diese tolle Arbeit vor Ort!!!!

Next Stop: Cocafelol

Wie anspruchsvoll und vielfältig die Aufgaben des vor Ort Personals sind wird mir am zweiten Tag der Reise noch bewusster. Unsere erste Station heute heißt Cocafelol. Auf dem Hinweg gibt Iris mir einen Überblick über die wichtigsten Eckdaten: Cocafelol ist seit vier Jahren Fairtrade-zertifiziert, und in den letzten drei Jahren stark gewachsen. Über 250 Mitglieder verkaufen jetzt ihren Kaffee an die Kooperative und besitzen gemeinsam die Weiterverarbeitungsanlagen und alle anderen Installationen.
Bei so vielen Mitgliedern braucht es schon ein größeres Angestelltenteam, der Grad der Professionalisierung wächst, nicht jeder kann alle Geschäftsfelder überblicken.

Cocafelol – ein kleines bis mittelständiges Unternehmen

Der kleine bewachte Parkplatz der Kooperative in Ocotepeque mit dem Bürogebäude dahinter macht im Vergleich zum bescheidenen Büroraum am Berghang bei Flor del Pino klar, dass es sich bei Cocafelol um eine andere Art der Kooperative handelt. Ein kleines bis mittelständiges Unternehmen mit Ambitionen, würde ich sagen. Eine Sekretärin begleitet uns in einen Besprechungsraum, Iris ist auch hier überall sehr gut bekannt, und hat den Termin fünf Wochen vorher für mich abgestimmt.
Das war absolut notwendig, damit Roberto, der Geschäftsführer uns einen Platz in seinem ziemlich vollen Kalender einräumen kann. Und es hat geklappt. Er kommt sofort. Ein großer, schlanker Mann, warme aber formelle Begrüßung, Geschäftsatmosphäre. Wir warten ab und lernen uns kennen. Iris nutzt die Aufwärmzeit um Neuigkeiten vom honduranischen Produzentennetzwerk mitzuteilen und zu erfahren, wie die Geschäfte laufen.

Der Faire Handel

Von den 104 Containern Produktion, die Cocafelol für diese Ernte erwartet, sind bisher 27 verkauft. Der starke Preisdruck, der immer dann entsteht, wenn der Börsenpreis wie derzeit weit unter dem Fairtrade Mindestpreis für ökologisch angebauten Kaffee liegt (140 USD/Quintal + 10% Prämie vs 120 USD/Quintal) macht sich bemerkbar, und erschwert die Vertragsabschlüsse zu Fairtrade Bedingungen. Die Käufer warten ab und halten sich alle Optionen offen. Fairer Handel ist und bleibt eben Handel, und auch Fairtrade-Käufer sind den Marktschwankungen gegenüber nicht unempfindlich. Je größer der Preisunterschied, desto schwieriger wird es. Andererseits ist der Mindestpreis natürlich gerade dann bitter notwendig, wenn die internationalen Preise im Keller sind. Wie gut, dass so viele Marken und VerbraucherInnen treu sind und nicht sofort abspringen, weil es im konventionellen Markt billiger wäre!

Tour durch Cocafelol

Nach einer halben Stunde haben wir uns schon ein wenig aneinander gewöhnt, Roberto macht es mir leicht, ins Gespräch zu kommen, auch wenn er ständig von seiner rechten Hand, Delmy, unterbrochen wird, um Schecks zu unterzeichnen, oder andere Entscheidungen zu treffen. Es kann losgehen, die Tour durch Cocafelol beginnt.

Die Cocafelol-Kantine

Wir starten auf der anderen Seite des Bürogebäudes, in der Kantine. Seit eineinhalb Jahren gibt es diesen einladenden Raum, in dem alle 34 Festangestellten, und zur Erntezeit auch die Erntehelfer täglich eine Stunde Mittagspause verbringen – und frischgekochtes Bioessen bekommen, drei Menüoptionen pro Tag, von Vanesa und Maria zubereitet. Ich nehme die Anregung einer Mitarbeiterkantine gerne nach Köln ins Fairtrade Deutschland Büro mit!  „Und weißt du, wie es dazu kam, dass wir diese Kantine haben?“ fragt Roberto mich. „Alles nur wegen Gustavo, unserem Auditor“. Gustavo hatte bei der Inspektion vor zwei Jahren gesehen, wie Arbeiter rund um das Gebäude auf Steinen sitzend ihr Essen eingenommen haben. Das ist nach Fairtrade Standards völlig in Ordnung. Wichtig ist, dass es eine geregelte Mittagspause gibt. Dennoch, Gustavo hat vorgeschlagen, hier könne man doch über eine Verbesserung nachdenken. Der FLO-Cert Auditor hat, so erklärt Roberto, schon immer viel Wert auf einen guten Umgang mit den Arbeitern und Angestellten der Kooperative gelegt  (die ja, ebenso wie die kleinbäuerlichen Mitglieder an dem Projekt teilhaben sollten).

Dass er Gustavo schon beim nächsten Audit nicht nur einen Pausenraum, sondern gleich eine ganze Kantine mit zwei neuen Arbeitsplätzen für die Köchinnen präsentieren konnte, darauf ist Roberto schon stolz. Nach diesem positiven Start gehen wir dann zu den anderen Produktionsanlagen.

Die Produktionsanlagen

Wir starten beim Stromgenerator. Cocafelol braucht für die Produktionsmaschinen im Schnitt 80 kWh pro Tag. Der Strom wird seit ein paar Monaten über einen Dieselgenerator erzeugt. Das Modell, das von einem nicaraguanischen Ingenieur entwickelt wurde, und über die Zufuhr von Wasserstoff 15% mehr Strom schafft als ein konventioneller Generator, hatte es Roberto schon seit längerem angetan. Die Stromrechnung sei einfach zu teuer, da sei es schon besser, selber aktiv zu werden, meint er. Neben dem Generator wird  auch Strom aus Solarzellen und Strom aus Gas (dazu später mehr) erzeugt. Mir schwirrt der Kopf, schon jetzt, und dabei ist es gerade mal 10.00h morgens. Uff!

Die Kaffeeverarbeitungsanlagen

Vom Stromgenerator geht es weiter zu den Kaffeeverarbeitungsanlagen. Vom Prinzip her bin ich jetzt schon mit den einzelnen Schritten des Prozesses vertraut. Das ist auch gut so, denn hier bei Cocafelol ist alles viel größer, und damit auch unübersichtlicher. Eine automatische Wasch- und Sortieranlage, wo die Mitglieder ihre Kaffeekirschen abliefern und wiegen lassen ist vor Ort, aber es gibt weitere Sammelstellen an anderen Punkten, mitten im Feld. Das ist wichtig, weil der Kaffee spätestens nach 24 Stunden verarbeitet sein muss.  Bei Cocafelol wird, ebenso wie bei Flor del Pino, das Abwasser  aus dem Waschprozess für die Herstellung von Düngern genutzt.  Hier entsteht nicht nur ein Dünger, sondern gleich vier verschiedene Varianten, die ganz spezifische Anwendungsindikationen haben. Aus dem Gärungsprozess der Aguas Mieles entsteht auch Gas, das in einem Tank gesammelt wird und als Energiequelle dient. Wie man Dünger macht? Dazu forscht ein Mitarbeiter von Cocafelol ständig weiter. Es wird analysiert, gemessen und einfach an Pflanzen ausprobiert,  was gut funktioniert. Alles muss genauestens dokumentiert werden, um reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen. Ein kleines Bodenanalyselabor wird gerade eingerichtet. Die Mitglieder profitieren sehr von der regen Forschungsarbeit. Dünger wird kostenlos als Teil der Fairtradeprämie an alle ausgegeben, die Produktivität der Böden ist dadurch wesentlich besser als früher und die Kosten für die Bodenpflege sind viel geringer.

2+2=4 & wie der Wurm nach Honduras kam

Und wie kommt es, dass es gerade bei Cocafelol diese brummende Aktivität zu Innovationen im Bioanbau gibt? „Naja“, meint Roberto, „bevor ich 2003 zu Cocafelol kam, war ich Geschäftsführer eines Pionierunternehmens in Honduras, das Dünger aus Regenwürmern und Kaffeekirschen hergestellt hat. Ich glaube, ich habe den Wurm nach Honduras gebracht“, lacht er. „Bist du denn Agraringenieur?“ „Nein, eigentlich nicht. Ich bin Buchhalter“ meint er mit verschmitztem Lächeln. „Aber ich sage immer, 2 + 2 ist eben  4, und wenn man das im Auge behält, hat man eine sehr gute Grundlage für alles andere. Und ich liebe den Bioanbau“. 2 + 2 = 4 …. Da liegt also das Geheimnis? Nun gut, wir werden sehen.

Pläne für die Düngerproduktion

Im kommenden Jahr wird Cocafelol  auch für den Verkauf an Externe in die Blattdüngerproduktion einsteigen. Die Kapazitäten dafür werden gerade gebaut, die Rezepturen für die Dünger sind schon ausgereift, und Abwässer aus der Kaffeewaschung und der Fermentierung gibt es reichlich. 300.000 Liter Blattdünger sollen jährlich produziert werden, und für 5 USD die Flasche zum Verkauf stehen. Zum Vergleich: Derselbe Dünger kostet im Handel 50 Dollar pro Liter. Der eigene Dünger ist eine Chance für die Bauern, sich aus Abhängigkeiten von der konventionellen Industrie zu befreien. Aber dafür müssen auch staatliche Insitutionen, wie in Honduras das „Instituto de Café“ mitspielen. Cocafelol und die anderen honduranischen Bioanbauer betreiben Lobbyanstrengungen, damit das Institut ihrem Dünger den Vorzug gibt, und nicht an den Produkten mächtigen Industrie festhält. Wenn das Instituto del Café den Ökodünger made in Honduras empfehlen würde (und nicht Monsantos Produkte), dann hätte das Gewicht.

Die Tour geht weiter: vom Gourmetkaffee zu Kaffeesorten im Test

Vom Trockenhof und den kleinen Trockenhäusern, in denen Gourmetkaffees für Kleinlieferungen (sogenannte „micro lotes“ ) langsam von der Sonne  getrocknet werden, gehen wir weiter zum Testanbauhang. Hier sind auf einem übersichtlichen Gelände derzeit 13 (sic!!!) verschiedene Kaffeesorten im Test. Es handelt sich um Sorten aus verschiedenen Ländern und auch um eigene Züchtungen.

Forschung ist hier wichtig, weil sich durch den Klimawandel ständig die Anbaubedingungen ändern und die Sorten dem angepasst werden müssen.

Stichworte sind Widerstandsfähigkeit gegen Kaffeerost, Qualität, optimale Düngung. Der gesamte Testhang wird nach Biokriterien bewirtschaftet, bis auf ein kleines, konventionell gedüngtes Vergleichsstück. An ihm muss sich der Biodünger messen lassen – und schneidet sehr gut ab. Die alternativ gepflegten Pflanzen sind genau so groß, genauso grün und tragen mindestens genauso viele Kirschen wie ihre konventionellen Vergleichssträucher. Diese 50 qm konventionelles Vergleichsland  sind für Roberto und Alex, den Düngerexperten, eine ganz wichtige Beweisfläche! Bio kann sehr produktiv sein!

Die Finanzwelt von Cocafelol

Auf unserer Rundtour habe ich schon viele Dinge gesehen, für die Investitionen erforderlich waren. Ein Teil davon wurde aus der Fairtrade Prämie finanziert. Ein anderer aus Projektgeldern. Oft handelt es sich aber auch einfach um Investitionen der Kooperative in die eigene Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Zusammen machen diese Finanzierungsarten den Unterschied und liefern das notwendige Kapital, damit Cocafelol wachsen kann, wodurch sich auch der Wohlstand in der Region erhöht.

Die Verwendung der Prämie

Im vergangenen Jahr wurden bei Cocafelol 500.000USD Prämien durch die Fairtrade Abverkäufe eingenommen. 35% davon sind als Input zu den Bauern zurückgeflossen, beispielsweise  als Biodünger oder Werkzeuge. Weitere 35% sind in Infrastruktur investiert worden und 15% in die Vertriebsarbeit. 3% wurden an das Arbeiterkommittee ausgezahlt. Die Arbeiter bei Cocafelol sind als Gruppe organisiert. Dass sie auch direkt an den Prämiengeldern teilhaben, und diese selber verwalten, ist ein erfreuliche Entwicklung, die weit über das hinaus geht was die Fairtrade Standards für Kleinbauern fordern. Die Regeln, nach denen die Arbeiter sich bei der Verteilung ihres Prämienteils richten, sind von den Arbeitern eins zu eins aus dem Fairtrade Standard übernommen worden. Ihr Hauptprojekt ist eine kleine Bank, aus der Einzelbedarfe gedeckt werden können.  Zur Zeit unterstützen sie von dem Geld eine Frau aus der Gemeinschaft, die an Krebs erkrankt ist. 7% der Fairtradeprämie verwendet Cocafelolo direkt auf soziale Projekte für die Gemeinschaft, z.B. Sponsoring für Sportausstattungen für Kinder, medizinische Grundversorgung, Bildung.

Erfolgreiche Kooperativen sind attraktiv für neue Mitglieder

Eine Gemeinschaft die so erfolgreich funktioniert wie Cocafelol im Moment, ist natürlich sehr attraktiv für neue Mitglieder. Immer mehr Kleinbauern aus der Gegend möchten mitmachen. Wachstum ist ein Zeichen für Erfolg, aber immer auch eine Herausforderung. Je größer die Kooperative, desto größer die Herausforderung. Eine echte Teilhabe der Mitglieder an den Entscheidungen zu ermöglichen.  Kenntnisse über fairen Handel müssen auch immer wieder neu vermittelt werden. Und andererseits braucht eine funktionierende Gemeinschaft auch „gute“ Mitglieder.

Im Kontext des Bioanbaus ist es extrem wichtig, dass die Mitglieder keine Chemikalien einsetzen, sonst steht die Zertifizierung auf dem Spiel. Mitglieder müssen vertrauenswürdig sein, verantwortungsvoll mit Krediten umgehen, bereit sein, etwas zur Gemeinschaft beizutragen. Cocafelol hat in den letzten Jahren den Prozess zur Aufnahme von neuen Mitgliedern verfeinert, um all das so gut als möglich zu gewährleisten.

Grundvoraussetzungen für neue Mitglieder

Bedingungen für eine Mitgliedschaft sind z.B. dass der Anwärter, oder die Anwärterin der Kooperative ein Jahr lang die gesamte Kaffeeernte verkauft hat. Die Gemeinschaft muss darauf vertrauen können, dass Mitglieder ihren Kaffee tatsächlich abliefern, sonst kann die Genossenschaft ihre Verträge mit Dritten nicht erfüllen.  Außerdem wird Wert darauf gelegt, Bauern aufzunehmen, mit denen schon Geschäftskontakte bestanden haben, und die sich als kreditwürdig erwiesen haben. Jedes neue Mitglied muss in einem Vertrag bestätigen, dass alle Vorschläge zu Anbautechniken, Wasserschutz usw, die  der Agrartechniker der Kooperative macht auch befolgt werden. Und es sollten erfahrene, kenntnisreiche Bauern sein.  Der Erfolg gibt dieser Politik Recht. 90% aller Cocafelol Mitglieder liefern ihre Ernte bei der Kooperative ab, bei Krediten gibt es nur 2,8% Zahlungsausfälle, und zu Versammlungen und gemeinsamen Veranstaltung kommen 70-80%. Da von der Genossenschaft häufiger Events organisiert werden, vereinbaren wir noch bei der Besichtigung, dass Cocafelol am Fairtrade Challenge am 12-14. Mai 2016 teilnehmen wird. Ich freue mich schon darauf!

Der waschmaschinenartige Trockenofen

Noch haben wir kaum die Hälfte der Projekte und Aktivitäten gesehen. Der Trockenofen, der wie eine große Waschmaschinentrommel aussieht, und wie überall in der Region mit den Resten der Kaffeeschalen beheizt wird, ist beeindruckend und laut. Bei Flor del Pino hatte ich schon ein kleineres Modell gesehen. Hier muss mehr Kaffee getrocknet werden, also ist die Anlage größer, und es wird in zwei Schichten gearbeitet. Roberto checkt zur Erntezeit morgens nach der Ankunft als erstes auf einer großen Tafel, wie die Trocknung in der Nachtschicht gelaufen ist.

Vor 15 Jahren war es für Kleinbauern in Honduras absolut undenkbar, eigene Weiterverarbeitungsanlagen von dieser Größe und Qualität zu besitzen. Die schnell verderblichen Kaffeekirschen mussten entweder in sehr kleinen Mengen manuell gepresst, vorgetrocknet und getrocknet werden, oder aber an den Händler verkauft werden, der eben gerade da war, zu dem Preis, der geboten wurde. Durch die Verarbeitungsanlagen bleibt heute wesentlich mehr vom Anbauwert bei den Bauern.

Amprocal – es geht noch was: eine Frauenkooperative

Immer, wenn ich denke, jetzt kann nun wirklich nichts mehr kommen, stehen wir schon vor der nächsten guten Idee, die verwirklicht wurde, vor dem nächsten Projekt. In diesem Fall stehen wir vor einer großen Glastür, zu einem anderen Gebäude.
„Amprocal“ steht darüber. „Hier bin ich fast nie“, kommentiert Roberto. „Ist ja auch nicht mein Bereich“, fügt er hinzu. Als Nelsy Regalado, die Geschäftsführerin kommt, zieht er sich auch sofort zurück. Amprocal ist ein Frauenprojekt. Seit acht Jahren rösten die mittlerweile 32 Frauen, die gleichzeitig Mitglieder und Angestellte der Frauenkooperative Amprocal sind, ihren eigenen Kaffee und vermarkten ihn lokal.

In den Anfängen hat das so ausgesehen, wie jetzt bei Flor del Pino. Eine kleine Röstmaschine und viel Elan. Mittlerweile rösten sie den eigenen Kaffee und den von vielen externen Kunden in einer grösseren Röstanlage, haben ihren eigenen Vertrieb, liefern den Kaffee selbst aus zu den Kunden in der ganzen Region. Der Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf ein Quintal (48,95 kg) pro Jahr. Den restlichen Kaffee kauft Amprocal von Cocafelol: 120.000 Libras, das sind fast 55.000 kg, werden pro Jahr so vermarktet. Das nächste Projekt der „Socias“ ist ein eigenes Lokal: Sie wollen in eine Cafeteria investieren, wo sie ihren eigenen Kaffee anbieten können.

Mit Delsy und ihren Kolleginnen wünsche ich mir nochmal ein eigenes Interview, ein ausführliches Gespräch über ihre Projekte und auch die spezifischen Herausforderungen. Aber das muss warten, bis ich wieder in Deutschland bin und mich nicht mehr von der Vielzahl der Projekte und Aktivitäten ganz wirr im Kopf fühle. Ich nehme ihre Karte mit und werde mich melden. Jetzt kennen wir uns ja schon persönlich, da können wir den Rest dann auch virtuell besprechen.

Zusammenfassung eines Vormittags

Es wird Zeit für einen Abschluss. Ich habe noch längst nicht alles gehört, was hier geplant, getestet und umgesetzt wird. Und ich habe nur einen Teil dessen berichtet, was ich gehört habe. Aber meine Aufnahmefähigkeit ist erstmal erschöpft.
Mein Eindruck: Über Cocafelol wird es noch häufiger zu berichten geben, und ich fahre Energie geladen weiter – nicht ohne vorher mit allen Kollegen einen vegetarischen Yuca-Koriander Eintopf in der Kantine zu genießen. Ich freue mich, dass Fairtrade dabei hilft, dass so engagierte Menschen wie Roberto und Delsy und Alex, und alle Bauern die hier teilhaben, ihre Ideen leichter in die Tat umsetzen können. So entsteht wohl tatsächlich nachhaltige Entwicklung. Ich bin sehr beeindruckt.